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Die Skepsis überwunden: Dreifache Mutter ist erste Absolventin im Master Mathematik

30.01.2007 - (idw) FernUniversität in Hagen

Studium mit Bravour absolviert, Examen mit Auszeichnung bestanden: Annabell Berger ist die erste Absolventin im Master-Studiengang Mathematik der FernUniversität in Hagen. Prof. Dr. Winfried Hochstättler benotete die Master-Arbeit der 32-jährigen Jenaerin mit 1,0. Im Jahr 2001 hatte Berger sich an der FernUniversität eingeschrieben, zunächst für den noch jungen Bachelor-Studiengang Mathematik. Die junge Frau war zu diesem Zeitpunkt bereits Mutter dreier Söhne, sie lebte nach einigen Jahren im Schwarzwald mit ihrem Mann wieder in Jena und hatte endlich eine vernünftige Kinderbetreuung. Die Leute waren skeptisch: Ein Studium mit drei Kindern? "Doch heute fragen meine Kinder mich, was Mathematiker machen, und ich zeige ihnen dann auch was", erzählt sie: "Beispielsweise aus der Graphentheorie. Das ist eine ganz andere Mathematik als die, die sie aus der Schule kennen."

Sie sind fasziniert, genau wie ihre Mutter: "Mathematik ist die älteste Wissenschaft, es ist Wissen aus 2500 Jahren!" Die Schwerpunkte allerdings verändern sich mit der Zeit, das findet die Mathematikerin ebenso spannend: "Heute braucht man Mathe oft, um Probleme aus der Informatik zu lösen, früher war es zum Beispiel eher Astronomie oder Physik."

Trotz allem: Als sie sich an der FernUniversität einschrieb, hatte die Skepsis der anderen sie verunsichert. Berger überlegte: Wenn das Studium mit den Kindern auf Dauer doch zu schwierig würde, hätte sie mit dem Bachelor relativ bald einen ersten Abschluss in der Hand. Sie entschied sich gegen das traditionelle Diplom. Das Programm des neuen Studiengangs überzeugte sie außerdem: "Es bezieht moderne Fächer wie Kryptographie oder angewandte Statistik schon ein", erklärt sie.

Der Erstsemester-Kurs in linearer Algebra bei Prof. Dr. Luise Unger gewann sie dann endgültig für die Mathematik. Um acht, wenn sie die Kinder gut versorgt wusste, setzte sie sich an den Schreibtisch. Wenn ihre Söhne nachmittags wieder nach Hause kamen, war sie für sie da. "Das war ein sehr guter Tagesablauf", findet sie: Die Söhne forderten sie ganz praktisch, das Studium intellektuell. Es passte prima zusammen.

Drei Jahre nach der Einschreibung hatte Berger so den Bachelor geschafft. Es gab keinen Grund mehr für Skepsis. Sie interessierte sich sehr für Probleme in der Ökologie, die mit diskreter Mathematik bearbeitet werden können: "Bei Umweltproblemen geht es ja oft um endliche Mengen", erklärt sie.

Die Absolventin schrieb sich also für den neuen Master-Studiengang ein. Prof. Dr. Winfried Hochstättler war gerade an die FernUniversität berufen worden; seine Angebote in der Lehre waren genau, was Berger sich vorstellte. Ihre Master-Arbeit untersucht ein Optimierungsproblem: "Minkonvexe Faktoren fixer Kantenzahl" lautet der Titel. Berger erklärt es vereinfacht: Es geht darum, wie man beispielsweise Essensgutscheine gerecht aufteilt. Der eine möchte mit einem anderen vielleicht nicht am Tisch sitzen, der zweite mag bestimmtes Essen nicht, der dritte hat nicht immer Zeit. Es wäre also nur in der Theorie gerecht, die Gutscheine zu gleichen Teilen aufzuteilen: "Man kann hier aber auf mathematischem Weg individuelle, gerechte Lösungen finden, die alle Bedingungen berücksichtigen", sagt die Mathematikerin.

Um ihre berufliche Zukunft muss sie sich keine Sorgen machen. "Hagen, das kennen die Arbeitgeber", sagt sie. Schon vor ihrem Abschluss bot die Intershop Communications AG ihr eine Stelle an. Das Unternehmen entwickelte und betreut unter anderem die Online-Shops von Quelle und Otto. Berger programmiert in Java und entwickelt Modelle und mathematische Tests, um die Software weiter zu verbessern.


Annabell Berger hat das Studium mit Kindern geschafft - schnell und mit hervorragenden Noten. Selbst die hartnäckigsten Skeptiker haben eingesehen, dass es möglich ist. Allerdings zeigen sie nun eine Bewunderung, die die Absolventin für ebenso wenig angemessen hält: "Die Leute meinen jetzt, ich müsste ein halbes Genie sein. Das ist ja auch wieder komisch."

Weitere Informationen:
FernUniversität in Hagen
Stabsstelle Kommunikation
Anemone Schlich - Pressereferentin
Tel. 02331/987-2421
E-Mail anemone.schlich@fernuni-hagen.de

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