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RUB-Tagung "Stufen bilden": Bachelor und Master in der Praxis

14.02.2003 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die RUB sammelt bereits seit zehn Jahren Erfahrungen mit konsekutiven Studiengängen - Grund genug, die bundesweite Tagung "Stufen bilden" auszurichten. Dabei trafen sich über 200 Entscheider und Reformer deutscher Hochschulen am 13. und 14. Februar 2003 in der RUB, um auf verschiedenen Foren die Chancen, Risiken und Herausforderungen der gestuften Studiengänge zu erörtern.

Bochum, 14.02.2003
Nr. 43

Stufen bilden
Bachelor und Master in der Praxis
Bundesweit größte Tagung in Bochum

"In Stufen nach oben", lautet das Ziel für zahlreiche Studierende der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Die RUB sammelt bereits seit zehn Jahren Erfahrungen mit konsekutiven Studiengängen. Heute ist das Angebot an Bachelor- und Masterstudiengängen in Bochum flächendeckend in den Natur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften etabliert. Grund genug, die bundesweite Tagung "Stufen bilden" auszurichten: Über 200 Entscheider und Reformer deutscher Hochschulen trafen sich am 13. und 14. Februar 2003 in der RUB, um auf verschiedenen Foren die Chancen, Risiken und Herausforderungen der gestuften Studiengänge zu erörtern (Curriculumentwicklung - Schlüsselqualifikationen - Studienberatung - Lehrerausbildung).

Tagungsergebnisse im Internet

Die Ergebnisse der Tagung werden in Kürze auf der Tagungshomepage veröffentlicht: http://www.rub.de/gestuft2003 (s.u.)

RUB-Priorität: Internationalisierung

An der RUB starteten gestufte Studiengänge im Jahr 1993 als "Reformmodell zur Neustrukturierung des Magisterstudiums" in drei geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Etwa 150 Studierende pro Studienjahr konnten nach sechs Semestern den Abschluss Baccalaureus Artium machen, nach weiteren vier Semestern den Magister Artium. Ziel damals war, die Anzahl an Studienabbrüchen in diesen Fakultäten zu reduzieren. "Inzwischen hat sich die Perspektive verschoben", sagte Prof. Dr. Notburga Ott (Prorektorin für Lehre, Weiterbildung und Medien der RUB) auf der Tagung, "die Priorität liegt nun auf der Internationalisierung". Damit gerieten weitere Fächer, insbesondere aus den Naturwissenschaften, in den Blickpunkt, so Ott. Die Ruhr-Universität nehme unter den Hochschulen, die dem "Bologna-Prozess" folgen, eine besondere Rolle ein: "Das ist u. a. das Ergebnis einer konsequenten Internationalisierungsstrategie, in die wir nahezu alle Studiengänge einbeziehen", sagte Ott. 43 Bachelor-Studiengänge bietet die RUB derzeit an, davon 35 im so genannten "Zwei-Fach-Bachelor", insgesamt 107 Bachelor- und Masterstudiengänge. Die RUB hat mittlerweile auch die Lehrerbildung integriert, Studierende können seit dem Wintersemester 2002/03 den Abschluss "Master of Education" (M. E.) machen.

Stifterverband: "Potenziale noch nicht genutzt"

Von vornherein beteiligt am Reformprozess in Bochum war der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der das Magisterreformmodell an der RUB mit finanzierte. Dr. Ekkehard Winter (Stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes) sieht jedoch die Potenziale der gestuften Studiengänge noch nicht ausreichend genutzt: "Die jüngste Verwirrung über die Anerkennung des deutschen Bachelor-Abschlusses an britischen Hochschulen zeigt, dass noch immer große Informations- und Transparenzdefizite über die neuen Studiengänge bestehen." Auf der Bochumer Tagung kritisierte Winter, dass auch deutsche Studienbewerber über die neuen Perspektiven der konsekutiven Studiengänge nicht hinreichend informiert seien. Außerdem herrsche in Unternehmen nur wenig Klarheit über den tatsächlichen Qualifikationsstand von Absolventen eines Bachelor-Studiums. Winter: "Da mit dem Bachelor-Abschluss per Definitionem eine erste Berufsqualifizierung nachgewiesen wird, sind alle Fachbereiche in der Pflicht, bei der Einrichtung neuer Studiengänge klare Studienziele und damit verbundene Berufsfelder zu definieren und für alle transparent zu machen. Dies sollte nicht zuletzt auch in enger Abstimmung mit der Wirtschaft erfolgen."

Optionalbereich: Schlüsselqualifikationen bilden

Eine Bochumer Besonderheit ist der so genannte Optionalbereich: Er vermittelt im Zwei-Fach-Bachelor Schlüsselqualifikationen aus fünf Bereichen (Fremdsprachen, Moderation/Kommunikation/Argumentation, Informationstechniken, Interdisziplinäre Studieneinheiten, Praktikum). Studiendekan Prof. Dr. Manfred Tietz sieht darin drei Ziele: Studierende eignen sich bereits während des Fachstudiums Fähigkeiten und Fertigkeiten an, die von unmittelbarem Nutzen seien, z. B. Zeitmanagement, Präsentation, Datenrecherche. Unter den Schlagworten "Europafähigkeit" und "Globalisierung" gewännen sie Einsichten in die Komplexität der modernen Welt, z. B. durch umfangreiche Angebote zu europäischen und außereuropäischen "Sprachen und Kulturen". Und schließlich erleichterten die konkreten Schlüsselqualifikationen - "soft skills" - den Übergang in die Berufstätigkeit, z. B. durch Berufspraktika und Trainings in Vertragsrecht, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing.

Bologna: Die europäische Dimension

Die RUB fühlt sich der "Bologna-Erklärung" von 1999 verpflichtet und wirkt mit, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Vergleichbare und leicht verständliche Studienabschlüsse zu schaffen, ein dreiphasiges Studiensystem einzuführen (undergraduate - graduate - postgraduate) und die Mobilität der Studierenden zu erhöhen, seien wesentliche Ziele in diesem Prozess, sagte Prof. Dr. Terence Nigel Mitchell (Universität Dortmund). Sie sollen bis 2010 erreicht sein. Alle zwei Jahre treffen sich die europäischen Bildungsminister, um zu überprüfen, inwieweit die Ziele realisiert sind. Mitchell engagiert sich im TUNING-Projekt der EU: Ziel ist, die Strukturen der Hochschulausbildung in den europäischen Ländern aufeinander abzustimmen, eine Debatte über die Inhalte von Fach-Curricula und der vermittelten Kompetenzen anzustoßen, um letztlich die Transparenz der Lerninhalte zu erhöhen. Mitchell wies zudem darauf hin, dass die Qualitätssicherung eine gewichtige Rolle spiele, indem die Bachelor- und Masterstudiengänge nach einheitlichen Kriterien akkreditiert werden müssten.

Akkreditierungsrat: Qualitätssicherung im Blick

Die Qualität von Lehre und Studium in Deutschland zu sichern, ist Aufgabe des Akkreditierungsrats (Bonn), der auf Beschluss der Kultusministerkonferenz eingerichtet wurde. "Damit wurde das Akkreditierungssystem in Deutschland dauerhaft etabliert", sagt Dr. Angelika Schade (Geschäftsführerin des Akkreditierungsrats). Die zentralen Ziele lauten: Qualität sichern, Studierbarkeit nachweisen, Vielfalt ermöglichen, Transparenz schaffen. Der Akkreditierungsrat ist der "TÜV", der sein Qualitätssiegel an regionale Agenturen vergibt, die ihrerseits die gestuften Studiengänge an den Hochschulen akkreditieren. Er fungiere als Koordinator, kritischer Beobachter und als zentrale Dokumentationsstelle, so Schade. Auf internationaler Ebene kooperiert er mit vergleichbaren Einrichtungen anderer europäischer Länder.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Notburga Ott, Prorektorin für Lehre, Weiterbildung und Medien der RUB, UV 3/375, Tel. 0234/32-24745, E-Mail: notburga.ott@rub.de, Internet: http://www.rub.de/gestuft2003 (s.u.)

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