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Organabstoßung nach Nierentransplantation: Angesichts des eklatanten Mangels an Spenderorganen ein besonders hartes Schi

31.01.2007 - (idw) Gesellschaft für Nephrologie e.V. (GfN)

Nicht nur die Fußball-Fans zitterten mit - doch umsonst, denn bereits drei Tage nachdem der nierenkranke Stürmer von Werder Bremen, Ivan Klasnic, eine Niere seiner Mutter erhielt, stieß der Körper das Organ wieder ab. Die Abstoßung von Spenderorganen ist trotz moderner medikamentöser Therapie kein Einzelfall, sondern häufigste Komplikation nach einer Transplantation. Der Fall bewegte uns alle - ein junger Sportler wird durch eine Nierenerkrankung aus dem aktiven Leben gerissen und ist auf ein Spenderorgan angewiesen. Die Warteliste in Deutschland ist jedoch lang - die durchschnittliche Wartezeit beträgt 7 Jahre. Dieses ist ein großes Problem, denn der Gesundheitszustand vieler Patienten verschlechtert sich unter der Dialyse, viele ältere versterben während dieser Zeit, andere büßen ihre "Transplantabilität" ein, würden einen solchen schweren Eingriff also nicht überstehen. Viele Leben könnten gerettet werden, wenn mehr Organe zur Verfügung stünden.
Glück hat, wer einen Lebendspender findet, also einen Verwandten oder eine dem Patienten nahe stehende Person, die freiwillig und altruistisch dem Nierenkranken ein Organ spenden möchte. Dieses Glück hatte Ivan Klasnic - seine Mutter erklärte sich bereit, ihm eine Niere zu spenden und war offensichtlich auch medizinisch geeignet. Denn nicht jeder, der einem Verwandten eine Niere spenden möchte, kann das auch machen, hier spielen Blutgruppenzugehörigkeit, Immunreaktionen und natürlich auch der Gesundheitszustand des Spenders eine Rolle. Erst wenn durch medizinische Tests die Eignung des Empfängers nachgewiesen wurde, kann eine Transplantation durchgeführt werden.
Doch auch das ist kein Garant: Die wichtigste Komplikation nach einer Nierentransplantation ist die Abstoßung des neuen Organs. Dann versucht das Immunsystem des Körpers, die neue Niere zu "attackieren". Das Immunsystem nimmt das neue Organ als Fremdkörper wahr, ähnlich wie einen Virus oder ein Bakterium und versucht, es durch eine Entzündung zu zerstören. Um dies zu verhindern, müssen vorbeugend und so lange die transplantierte Niere arbeitet, Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem "lahm legen", so genannte "Immunsuppressiva".


Doch auch trotz dieser medikamentösen Therapie gibt es vor allem im ersten Jahr nach der Transplantation Abstoßungsreaktionen. Obwohl die meisten dieser Abstoßungsreaktionen medikamentös beherrscht werden können, kommt es doch in 5 bis 10 % der Fälle zu einem Organverlust - diese Rate war vor der Erfindung der modernen Immunsuppressiva um ein Vielfaches höher.
Die Nierenexperten arbeiten weiter an der Reduktion dieser Abstoßungsrate. Im letzten Jahr lieferte das Universitätsklinikum Kiel einen neuen, viel versprechenden Forschungsansatz. Dabei wird versucht, den Körper gegenüber dem neuen Organ "tolerant" zu machen. Lymphozyten monozytären Ursprungs werden aus dem Blut des Spenders isoliert und dann fünf Tage lang mit speziellen Wachstumsfaktoren kultiviert. Die dabei gewonnenen Toleranz-induzierenden Zellen (TAIZ) werden dann dem Organempfänger vor der Transplantation gespritzt und sollen dazu führen, den Körper des Empfängers so "umzuerziehen", dass er das fremde Organ toleriert. Auf dem Nephrologiekongress 2006 in Essen wurde im September berichtet, dass bei bislang15 Patienten aus Kiel, Essen und Düsseldorf diese Entwicklung eingesetzt wurde und dass es nach diesen Transplantationen keine Abstoßung gab, einige der Patienten sogar ohne immununterdrückende Medikamente auskamen.

Dieser Forschungsansatz stellt einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einer komplikationsfreien Nierentransplantation dar, denn jede Abstoßung ist für die Betroffenen eine Katastrophe - alle Hoffnungen auf ein "normales Leben" werden erstmal zerschlagen. Ivan Klasnic hat eine weitere Chance: Sein Bruder Josip wird ihm eine neue Niere spenden.


Pressesprecher der Gesellschaft für Nephrologie ist Prof. Jan Galle. Die Pressestelle der Gesellschaft leitet Frau Dr. Bettina Albers. An sie können Sie sich mit Ihren Presseanfragen jederzeit gern wenden - Kontaktdaten:

Bettina Albers
Pressestelle GfN
Tel. 03643/ 770135
Weitere Informationen: http://www.nierengesellschaft.de
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