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Botulinumtoxin Typ A - mehr als ein Faltenkiller

02.02.2007 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

Kongress in der MHH informiert über Anwendungsmöglichkeiten des Nervengifts Ob zur Behandlung von Bewegungsstörungen nach einem Schlaganfall, bei kindlicher Spastik oder in der Schmerztherapie: Die klinische Anwendung des Botulinumtoxins Typ A steht im Mittelpunkt des 1. Deutschen Botulinum-Kongresses in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am 2. und 3. Februar 2007. "Der Kongress spiegelt den gesamten derzeitigen Wissensstand zur Behandlung mit Botulinumtoxin und zu experimentellen Fragen wider", betonte Professor Dr. Reinhard Dengler, Direktor der MHH-Abteilung Neurologie und Kongresspräsident. Das Botulinum Neurotoxin gehört zu den stärksten Giften, die in der Natur vorkommen. Es hemmt die Ausschüttung des Neurotransmitters Acetylcholin und blockiert so die Impulsübertragung von der Nervenzelle auf den Muskel. Die Folge: Der Muskel wird gelähmt. Eingesetzt wird Botulinumtoxin des Typs A als Medikament besonders bei motorischen Störungen bei Kindern und Erwachsenen, bei Schmerzsyndromen, in der Urologie, in der Dermatologie und in der ästhetischen Medizin.

"Unser erster Kongress zur Botulinumtoxin-Therapie ist ein voller Erfolg und mit 450 Kollegen hervorragend besucht", sagte der Kongresspräsident Professor Dr. Reinhard Dengler und Professor Dr. Reiner Benecke, Vorsitzender des Arbeitskreises Botulinumtoxin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, ergänzt: "Unser Hauptanliegen, ein interdisziplinäres Forum für die wissenschaftliche Weiterentwicklung dieser modernen Therapieoption zu schaffen und möglichst vielen Kollegen den Zugang zum aktuellen Foschungsstand zu ermöglichen, ist von den Kollegen aus allen Fachrichtungen begeistert aufgenommen worden. Die Veranstaltung wird sicherlich weitergeführt."
"Ein weiteres Anliegen unseres Kongresses war es, diese hochmoderne und effektive Therapie unseren Patienten mit teilweise extrem behindernden und schmerzhaften Erkrankungen zugute kommen zu lassen",erklärte Professor Dengler weiter. Besonders Patienten mit krampfartigen Muskelkontraktionen, die zum Beispiel mit Schiefstellung des Kopfes oder krampfartigem Augenschluss einhergehen, können durch die Injektionstherapie mit Botulinumtoxin A so wirkungsvoll behandelt werden, dass die Betroffenen wieder am Alltagsleben teilhaben können. Bei spastischer Muskelverkrampfung, die häufig nach Schlaganfällen oder schweren Unfällen mit Kopfverletzungen auftreten, kann durch die Therapie mit dem Nervengift eine äußerst schmerzhafte und behindernde Gelenkversteifung verhindert und damit eine bessere Rehabilitation der betroffenen Patienten ermöglicht werden.

Bewährt hat sich die Therapie mit Botulinumtoxin A auch bei der Behandlung von kindlicher Spastik. Kinder, bei denen es durch eine Geburtsverzögerung zu Sauerstoffmangel im Gehirn gekommen ist, leiden häufig unter einer spastischen Lähmung der Beine und sind oft lebenslang auf den Rollstuhl angewiesen. Durch den frühen Einsatz von Botulinumtoxin A in Kombination mit einer auf das Kind abgestimmten Krankengymnastik und Physiotherapie kann die krankhafte Muskelüberanspannung so weit gebessert werden, dass die Bewegungsfähigkeiten in größerem Umfang entwickelt werden können. Für einzelne Patienten kann es die Unabhängigkeit vom Rollstuhl bedeuten.


Die Mediziner stellten außerdem innovative Therapiekonzepte aus anderen Bereichen vor. In der Augenheilkunde wird das Medikament bei der Behandlung von Fehlstellungen der Augäpfel eingesetzt, die Urologie entwickelt Konzepte zur Behandlung von Inkontinenz und Blasensperre, und auch der Bereich Schmerztherapie verspricht sich Behandlungserfolge mit Botulinumtoxin.

Weitere Informationen gibt Ihnen gern PD Dr. Klaus Krampfl, Telefon (0511)532-2392 oder E-Mail krampfl.klaus@mh-hannover.de.

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