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Dr. Leopold-Lucas-Preiträger des Jahres 2007: Eduard Lohse, Göttingen

06.02.2007 - (idw) Eberhard Karls Universität Tübingen

Der mit 40.000 Euro dotierte Dr. Leopold-Lucas-Preis wird im Jahre 2007 Eduard Lohse verliehen, Professor Emeritus für Neues Testament in Göttingen und Landesbischof i.R. der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die diesjährige Preisverleihung wird am 15. Mai 2007, um 17.15 Uhr im Festsaal der Eberhard Karls Universität stattfinden.

Eduard Lohse wurde 1924 in Hamburg geboren. Nach dem Kriegsdienst Studium der Evangelischen Theologie in Bethel und Göttingen (1945-1949), Promotion in Göttingen über die Ordination im Frühjudentum und im Neuen Testament, Tätigkeiten als Konviktinspektor an der Kirchlichen Hochschule in Hamburg, 1953 Habilitation in Mainz, 1956-1964 Professor für Neues Testament Universität Kiel, 1964-1971 Professor für Neues Testament Universität Göttingen, 1971-1988 Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers, 1975-1978 Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland, 1979-1985 Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gründungsmitglied des ersten Vorstands der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, 1988 Präsident des Weltbundes der Bibelgesellschaften, mehrere Ehrendoktorwürden im In- und Ausland.

Das wissenschaftliche Werk von Lohse, in dessen Mittelpunkt das Neue Testament steht, ist einzigartig in seiner Breite und Fülle. Von Anfang an war dabei das Verhältnis von Judentum und Christentum im Blick. Immer gewichtiger treten später die Themen von Kirche, Kirchenleitung und Ökumene hinzu. Sogleich in seiner Dissertation von 1949 über die Ordination im Frühjudentum und im Neuen Testament dokumentiert Lohse seine souveräne Beherrschung der Quellen des rabbinischen Judentums und des Neuen Testaments. Edition, Übersetzung und Kommentierung rabbinischer Quellentexte zeigen Lohse als einen der ersten deutschen Forscher der Generation nach dem Krieg, die das Gespräch mit den Traditionen des Judentums neu aufnahmen. Eine ausdrückliche und neue Verhältnisbestimmung von Synagoge und Kirche, Juden und Christen, gibt Lohse in "Israel und die Christenheit" (1960). 1964 erschien "Der Lohse", eine Edition und Übersetzung mit knapper Kommentierung der wichtigsten Texte aus Höhle 1 aus den Qumranfunden. Vielmals nachgedruckt, ist diese Ausgabe noch immer ein zuverlässiges Mittel im akademischen Unterricht.

Allein die Arbeiten zum Neuen Testament könnten als Lebenswerk gelten. Das kirchliche Amt hat Lohse darüber hinaus zu wegweisenden Arbeiten geführt; sie betreffen Ekklesiologie, Kirchenleitung, Wissenschaft, Kirche und Ökumene vor allem mit der Katholischen Kirche. Lohse gehört zu den herausragenden Gestalten des Protestantismus. Als Neutestamentler im Bischofsamt repräsentiert er eine hoch angesehene Tradition der protestantischen Kirchen in Europa. Er ist interkonfessionell und international wegen seiner absoluten Integrität hoch geachtet. Das machte ihn von Anfang an zu einem der wichtigsten Gesprächspartner im christlich-jüdischen Dialog. Er hat die wichtigen Studien der Evange-lischen Kirche in Deutschland "Christen und Juden I-III" begleitet und war ein Jahrzehnt Vorsitzender der Franz Delitzsch-Gesellschaft in Münster. In seiner Person und seiner wissenschaftlichen Arbeit repräsentiert er die Neuorientierung der evangelischen Theologie in ihrem Verhältnis zum Judentum nach der Shoah.

Der Dr. Leopold-Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Raimund Popper, Michael Walzer und Michael Theunissen, Repräsentanten des religiö-sen Lebens wie Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama oder der polnische Erzbischof Henryk Muszynski, sowie der Kultur und Politik wie Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident und Richard von Weizsäcker. Preisträger des letzten Jahres war der Literatur- und Kulturwissenschaftler René Girard.


Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard Karls Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.

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