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Int. Konferenz: McLuhan neu lesen und Orientierungsleistung zu digital gestützter Kultur ermöglichen

07.02.2007 - (idw) Universität Bayreuth

Im internationalen Rahmen den kanadischen Kommunikations- und Literaturwissenschaftler, Medientheoretiker, Medienkritiker und Publizisten Marshall McLuhan (1911 - 1980) zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu zu lesen und durch den Austausch unter den Medien- und Kulturwissenschaften eine Orientierungsleistung zu digital gestützter Kultur zu ermöglichen, das ist das Ziel einer Konferenz mit dem Titel "Re-Reading McLuhan: Eine internationale Konferenz zu Medien und Kultur im 21. Jahrhundert", die vom 14. - 17. Februar im Wissenschaftszentrum Schloss Thurnau in der Nähe von Bayreuth stattfindet. Mit dabei ist McLuhans Assistent, Übersetzer und Co-Autor Prof. Derrick de Kerckhove. Bayreuth (UBT). Im internationalen Rahmen den kanadischen Kommunikations- und Literaturwissenschaftler, Medientheoretiker, Medienkritiker und Publizisten Marshall McLuhan (1911 - 1980) zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu zu lesen und durch den Austausch unter den Medien- und Kulturwissenschaften eine Orientierungsleistung zu digital gestützter Kultur zu ermöglichen, das ist das Ziel einer Konferenz mit dem Titel "Re-Reading McLuhan: Eine internationale Konferenz zu Medien und Kultur im 21. Jahrhundert". Organisiert vom "Institute for American Studies" - BIAS - (Dr. Kerstin Schmidt sowie der Juniorprofessorin für Theater & Medien, Dr. Martina Leeker) der Universität Bayreuth in Kooperation mit der Universität Toronto (McLuhan Program in Culture and Technology, Leitung Prof. Dr. Derrick de Kerckhove) findet die Veranstaltung vom 14. - 17. Januar im Wissenschaftszentrum Schloss Thurnau statt und wird am 19. Februar mit einer Podiumsdiskussion in der kanadischen Botschaft in Berlin abgeschlossen.
Der Kanadier McLuhan ist bekannt durch seinen Lehrsatz The medium is the message. Nicht minder bekannt, wenn auch weniger eingängig, ist seine Unterscheidung von heißen, den Rezipienten wenig Eigenleistung abverlangenden Medien wie das phonetische Alphabet und das Radio und kalten, ihn also zu eigenen Zufügungen fordernden Medien wie das Fernsehen. Schließlich trifft man immer wieder auf seine Vision der Welt als global village, die sich mit elektronischen Medien, Raumfahrt und Satelliten, diesen Veräußerungen und Erweiterungen des menschlichen Nervensystems, herstelle. Diese führen nach McLuhan, da Mensch und Medien-Welt gleichermaßen Elektrizitätswerke sind, zu einem beinahe interface-losen Anschluss des Menschen an die medial gestützte Umwelt und eine augenblickliche Kommunikation und statten ihn dadurch mit einem aufs Globale erweiterten Bewusstsein aus.
In den 1960er und 1970er Jahren avancierte McLuhan zum Medienstar, der immer wieder in Talk Shows und Interviews in Fernsehen und Radio Auskunft gab zur Lage der Menschheit im Zeitalter der Massenmedien und der Überwachung des Planeten durch Sputnik. McLuhan gab damit Antworten auf Fragen, die das Fach Medienwissenschaften als wichtige und zukunftsträchtige neue Disziplin legitimierten. Denn wo Welt und Mensch durch Medien bestimmt sind, da müssen diese Schicksalsmächte untersucht werden. Wenn das Medium selbst die Message ist, sind Medienwissenschaften bis heute als eigene Disziplin ausgewiesen, die eben diese Medien untersuchen.
McLuhans Theoreme des medium as message und des global village sind grundlegend und nach wie vor theorieleitend. Aber die Medienlandschaft hat sich seither verändert. Da McLuhan den Computer noch aus der technischen Verfasstheit elektronischer Medien, vor allem dem Fernsehen, dachte, steht in Frage, inwieweit seine Arbeiten für zeitgenössische Medien und Kulturwissenschaften noch gültig sein können. Es ist ebenso zu fragen, wo Medienwissenschaft heute steht, welche Fragen an sie gestellt werden und welche Antworten sie gibt. Welche Fragen stellt sie selbst, welche blendet sie aus? Was ist z. B. aus dem global village geworden in Zeiten von Satellitenüberwachung und ubiquitärem Computing mittels mobiler Technologien? Was trägt Medienwissenschaft zu den heute dringlichen Fragen nach den Möglichkeiten zu einer umfänglichen Überwachung, zur Aufhebung des Datenschutzes und zur Patentierung von Software bei?
Diese Orientierungsleistung zu erfüllen, ist sicherlich eine herausfordernde Aufgabe. Denn seit McLuhans Begründung der zeitgenössischen Medien- und Kulturwissenschaften ist eine Landschaft aus höchst ausdifferenzierten, aber auch konkurrierenden und widersprüchlichen und deshalb oft irritierenden Medienwissenschaften und Medientheorien entstanden, die gleichwohl in den Theoremen McLuhans einen gemeinsamen Bezugspunkt hat. Diesen aufnehmend soll die Kommunikation zwischen den Schulen da, wo sie ins Stocken gekommen sein mag, wieder aktiviert werden.
Ziel ist es dabei, gerade im internationalen Austausch eine Erkenntnis-Landkarte - eine Topographie und Topologie von Medien- und Kulturwissenschaften - aus der Auseinandersetzung mit McLuhan zu erstellen.
Die Konferenz wird eröffnet mit einem Vortrag ihres Ehrenvorsitzenden, Prof. Dr. Derrick de Kerckhove, von 1972 - 1980 Assistent, Übersetzer und Co-Autor von Marshall McLuhan und Leiter des "McLuhan Program" der Universität Toronto. Derrick de Kerckhove wird über seine Erfahrungen mit McLuhan sprechen und aufzeigen, wie McLuhans Medienwissenschaft seine eigene Arbeit beeinflusste und wie er das Erbe McLuhans bestimmt und weiterträgt.

>>Ausstellung<<
Begleitend zur Konferenz findet eine Ausstellung mit Film- und Forschungsmaterial zu McLuhan statt, die in Zusammenarbeit mit der Botschaft von Kanada (Berlin) organisiert wird. Diese Ausstellung ist als interaktives Angebot konzipiert. Die Besucher können an Arbeitsterminals durch das in Datenbanken abgelegte Filmmaterial navigieren und so ihre eigenen Recherchen konzipieren und durchführen. In den Datenbanken befinden sich u.a. Aufzeichnungen von Fernsehauftritten McLuhans sowie filmische Auseinandersetzungen mit seinem Werk. Die Ausstellung ist während der ganzen Zeit des Kongresses für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie ist Teil des McLuhan Salons der Botschaft Kanadas zu Berlin und ist dort zu benutzen:
http://www.dfait-maeci.gc.ca/canada-europa/germany/embassy_mcluhan-de.asp

>>Installation "Marshall McLuhan Musical"<<
Peter Bexte präsentiert seine Installation "Marshall McLuhan Musical", die er mit einer Projektgruppe des Studiengangs "Europäische Medienwissenschaft", Universität Potsdam und Fachhochschule Potsdam, erarbeitete. Jahrelang, so Peter Bexte, hat Marshall McLuhan davon gesprochen, ein Medien-Musical zu inszenieren. "Leider ist daraus nichts geworden. Das Potsdamer Projekt hat diese Pläne aufgegriffen. Seit dem WS 2005/06 haben sich Studentinnen des Studiengangs "Europäische Medienwissenschaft" mit der Frage beschäftigt, wie ein solches "Musical" hätte aussehen können. Im Ergebnis entstand eine raumgreifende, intermediale Installation aus Sätzen und O-Tönen von McLuhan; aus Bildern, Filmsequenzen und weiteren Elementen. Wer sich in diesem Raum bewegt, wird Teil der Projektionsfläche: Die Medien strahlen uns an."
http://emw.fh-potsdam.de/

>>Club-Session<<
Dominik Busch und Jeremy Bernstein werden eine Club-Session präsentieren, in der über das Programm Max/MSP/Jitter, für das Jeremy Bernstein einer der Entwickler ist, Töne und Sounds in Echtzeit in visuelle Formationen übertragen werden. Diese Ästhetik und Technik des so genannten Vjing, der Live Visuals in Kombination mit elektronischer Musik, ist seit einigen Jahren Teil der Club- und Partykultur und erweitert die Kultur des DJ. Wie diese ist das Vjing zu einer eigenen Kunstform avanciert und ist durchaus auch in Galerien und Museen anzutreffen.
Es geht um die Schaffung temporärer Realitäten, in denen Räume aus Licht-, Farb- und Soundeffekten entstehen, in die die Besucher eintauchen können: Eine digitale Rausch-Kultur? Diese Kultur, mit der neueste Technologie in die Alltags- und Freizeitkultur eintritt, kann durchaus als eine Fortsetzung und Realisierung von McLuhans Visionen eines elektro- akustischen Space angesehen werden, der den Menschen auf Distanz setzende Schrift- und Bildkulturen ablöst. Im McLuhans Visionen wie in den Visuals im Club soll der Mensch dagegen in die Umwelt eingebettet sein. Zugleich operiert und bearbeitet das Vjing genau jene Grauzone, in der sich der Computer als kulturelle Programmierung zwischen seiner Herkunft aus der Geschichte der formalen Logik und der der zuckenden Medien um 1900, mithin der Elektro- Hysterie, konstituiert.

>>Senior Research Fellow Program, McLuhan Program in Culture and Technology (Universität Toronto)<<
Das McLuhan Institut der Universität Toronto hat ein internationales Research Fellow Program, in dessen Rahmen junge Forscherinnen und Forscher aus aller Welt sich wissenschaftlich mit den Medien und dem Ansatz McLuhans auseinandersetzen. Fellows aus Europa, Süd- und Nordamerika sowie Asien sind bei der Konferenz anwesend und werden ihre Arbeiten vorstellen und diskutieren. Sprecher dieser Gruppe sind Takeshi Kadobayashi (Universität Tokyo) und Francesco Monico (Leiter des Media Design Departement, Universität Mailand).

Weitere Informationen zu dieser Konferenz
http://mcluhan.uni-bayreuth.de/

Kontakt für die Medien:

Dr. Kerstin Schmidt
Kerstin.Schmidt@uni-bayreuth.de

Prof. Dr. Martina Leeker
leeker@t-online.de

Weitere Informationen: http://www.mcluhan.utoronto.ca/derrickdekerckhove.htm Infos zu Derrick de Kerckhove http://www.dfait-maeci.gc.ca/canada-europa/germany/embassy_mcluhan-de.asp Infos zur Ausstellung http://emw.fh-potsdam.de/ Infos zum Musical http://mcluhan.uni-bayreuth.de/speakers.php Liste der Vortragenden
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