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Vom Alltag im "Glücklichen Arabien"

17.02.2003 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Orientalisten der Universität Jena erschließen Texte in altsüdarabischer Kursivschrift


Eines der antiken südarabischen Holzstäbchen, das an der Universität Jena untersucht wird, mit einem Brief des Königs von Haram, einer Stadt im nördlichen Jemen. (Foto: FSU) Jena (17.02.03) "Glückliches Arabien" sagten die alten Römer, wenn sie vom Süden der Arabischen Halbinsel sprachen - und dachten dabei an den Reichtum der Einheimischen, die den lukrativen Weihrauchhandel kontrollierten. Ob mehr oder weniger glücklich - wie man im antiken Südarabien tatsächlich lebte, ist in einer riesigen Zahl von Alltagstexten dokumentiert. Zwischen 800 v. und 500 n. Chr. in Holzstäbchen geritzt und vom trockenen Wüstenklima hervorragend konserviert, lassen sie die versunkene Welt der Weihrauchstraße wieder auferstehen. Am Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Friedrich-Schiller-Universität Jena werden jetzt 600 dieser hölzernen Schriftzeugnisse erstmals entziffert, aus dem Altsüdarabischen ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht.

Betreuer des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts ist Prof. Dr. Norbert Nebes. "Die fachliche Spezialisierung unseres Instituts ist der Grund, dass die Bayerische Staatsbibliothek München, der die Stäbchen gehören, sie bei uns in Jena bearbeiten lässt", sagt Prof. Nebes, dessen Lehrstuhl im deutschsprachigen Raum eine Besonderheit darstellt: Er ist der einzige mit einem Schwerpunkt auf der Erforschung des Altsüdarabischen. "Der Bestand aus München setzt sich hauptsächlich aus geschäftlichen und privaten Briefen, Urkunden, Verträgen und Etiketten von Warensendungen zusammen", erklärt Nebes. Anhand dieser Quellen - von denen vor Beginn des Jenaer Projekts erst etwas mehr als 30 publiziert wurden - lässt sich die kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Entwicklung des vorislamischen Südarabien über 1.400 Jahre hinweg verfolgen. "Vor allem der religiöse Bereich ist dabei sehr interessant", hebt Nebes hervor. "So war beispielsweise der Jemen im 6. Jahrhundert einmal für fast 50 Jahre christlich. Und was die Menschen in ihren persönlichen Briefen geschrieben haben, könnte uns zeigen, inwieweit religiöses Denken ihr Handeln im Alltag prägte", so Nebes. Die hölzernen Warenetiketten wiederum lassen Rückschlüsse auf Handelskontakte zu und helfen vielleicht dabei, die Beziehungen der südarabischen Völker zum Mittelmeer und nach Ostafrika zu klären.

Mit der Erschließung der Quellen in Jena ist Dr. Peter Stein betraut. Der 32-jährige Semitist ist mit seiner Doktorarbeit bei Prof. Nebes über Sprache und Literatur der altsüdarabischen Inschriften bestens für dieses Projekt ausgewiesen. "Die Schrift der Texte hat sich in den 1.400 Jahren, die von den Münchener Stäbchen abgedeckt werden, stark verändert", berichtet Dr. Stein. "Auf den ältesten Stäbchen ähnelt sie noch sehr der Monumentalschrift, die wir aus den Inschriften der südarabischen Ruinenstädte kennen, auf den jüngeren wird sie immer mehr zu einer kursiven Kleinschrift, in der man schneller schreiben konnte."

Woher aber kam das viele Holz zum Beschriften? "Die antiken Kulturen Südarabiens waren Oasenkulturen, die am Ausgang von Trockentälern in die Ebene entstanden", erklärt Prof. Nebes. Durch die Täler rauschen heute wie im Altertum zweimal im Jahr, wenn sich der Monsun im Jemenitischen Bergland abregnet, enorme Hochwassermassen in Richtung Osten zu Tal. "Die Völker der Gegend haben schon früh gelernt, dieses Wasser nicht einfach an sich vorbeilaufen und in der Wüste versickern zu lassen, sondern es mit Dämmen festzuhalten und auf ihre Felder umzuleiten", so Nebes weiter. Dadurch konnten sie weitläufige Haine von Dattelpalmen pflanzen - und die kräftigen Palmblattrippen als Beschreibmaterial verwenden.

Kontakt:

Prof. Dr. Norbert Nebes
Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Jena
Löbdergraben 24a, 07743 Jena
Tel./Fax: 03641 / 944850
E-Mail: Norbert.Nebes@uni-jena.de
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