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Studierende schützen die Knoblauchkröte und ihre Artgenossen

01.03.2007 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Im März vertauschen wieder einige Biologiestudierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ihre Hörsaalplätze mit der feuchtkalten Saaleaue und kontrollieren die Wanderungen der Grasfrösche, Teichmolche und Erdkröten im Bereich der Talstraße/Kreuzer Teiche. Auch der Froschlurch des Jahres, die Knoblauchkröte, steht auf dem Untersuchungsprogramm. Zum Start der Arbeiten am 12. März sind Medienvertreter herzlich eingeladen. Im Rahmen eines feldherpetologischen Fachpraktikums unter Leitung von Privatdozent Dr. Wolf-Rüdiger Große vom Institut für Biologie/Bereich Zoologie werden seit Jahren Daten zur Amphibienwanderung im Stadtgebiet erhoben. Untersucht wird die Wirkung der Talstraße als Barriere, die Populationen und ihre Lebensräume nahezu vollständig voneinander isolieren. Daneben forschen die Studierenden nach weiteren Ursachen der Veränderungen der Populationen im urbanen Raum. Die längerfristigen Wetterveränderungen spielen dabei eine vordergründige Rolle. Erstaunlich ist schon, dass die Kröten in den letzten zehn Jahren immer größer werden.

"Die Praktikum-Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Amphibien im Frühjahr aus der Saaleaue über die Talstraße in die Kreuzer Teiche zum Laichen wandern", berichtet Wolf-Rüdiger Große. "Ein Teil der Erdkröten und Grasfrösche durchschwimmt die Wilde Saale ab der Peißnitz-Halbinsel und landet trotz der Strömung sicher am Talstraßenufer." Über zwischengeschobene Fangeimer werden die anwandernden Amphibien an einem stationären Zaun in der Talstraße, Höhe Kreuzer Teiche abgefangen.

In diesem Jahr steht zusätzlich ein Fangzaun auch am Nordufer des Unteren Kreuzer Teiches. Dadurch soll untersucht werden, ob weitere Erdkröten aus dem Wohngebiet Kröllwitz in die Kreuzer Teiche zum Laichen einwandern. Dazu werden in Zusammenarbeit mit dem Wasserwerk Beesen wassertechnische Daten erhoben. Die Studierenden bergen nicht nur die Amphibien und tragen sie sicher über die Straße. Die Tiere werden auch biometrisch erfasst. Die Messdaten geben später detaillierte Auskunft zu Wanderungen, Alter und Kondition der Tiere.

Hintergrund des Praktikums ist das drohende Aussterben der Amphibien. "Die Schätzungen aktueller Aussterberaten für Amphibien weisen weltweit auf den dramatischen Rückgang der Diversität und damit auf eine kritische Situation der Biosphäre hin", erklärt Wolf-Rüdiger Große. In der von der World Conservation Union (IUCN) 1996 veröffentlichten Roten Liste der gefährdeten Tierarten seien immerhin 212 Amphibienarten aufgelistet.

"Gerade Lurche besitzen sehr komplexe Habitatansprüche, ihr Jahreslebensraum zerfällt dabei in mehrere Aktionszentren", weiß der hallesche Zoologe. Sie suchen für eine unterschiedlich lange Zeit Gewässer auf, um hier zu reproduzieren und die Larvalentwicklung zu vollziehen. Dabei besitzen einige Arten eine bemerkenswerte Ortstreue. Die Sommer- und Winterlebensräume befinden sich dagegen in der Regel an Land. Zwischen den einzelnen Standorten finden oft ausgeprägte saisonale Wanderungen statt, dabei sind die Wanderstrecken art- und standortabhängig. Die Lebensraumansprüche der meisten Arten werden vor allem im urbanen Bereich in immer stärkeren Maße beschnitten, so dass die Lurche zu den gefährdetsten Tiergruppen überhaupt gehören. "Nicht zuletzt wegen der hohen Sensitivität dieser Tiere gegenüber anthropogenen Einflüssen sind verschiedene naturschutzfachliche und raumwirksame Planungen unverzichtbar", so Große.

"Verkehrsopfer unter den Amphibien waren seit 1998 in der Talstraße kaum mehr zu verzeichnen, was den Aufwand des Krötenzauns jederzeit rechtfertigt. Trotzdem ist er nicht das Rezept für die Zukunft, da der Zaun nicht über Jahrzehnte betreut werden kann. Sinnvoll wäre es, über dauerhafte bauliche Maßnahmen für die wandernden Amphibien Durchlässe zu schaffen." Denkbar sei auch, über weitere Gewässerneuanlagen und Habitatmanagement die Raumbeziehungen der Amphibienpopulation schrittweise zu verändern. Zum ersteren Vorschlag existiere bereits eine Konzeptstudie des Naturschutzbundes Halle. "Zum zweiten Konzept laufen derzeit an der Martin-Luther-Universität ökologische Vorplanungen für eine Pilotstudie zur Gewässerökologie auf der Feuchtwiese und im Amselgrund."


(Foto-)Termin:
Die Arbeiten beginnen am Montag, 12. März 2007, um 10 Uhr mit einer Praktikumseinweisung. Vertreter der Medien sind herzlich willkommen.
Ort: Halle, Talstraße, Höhe Amselgrundweg zu den Kreuzer Teichen

Ansprechpartner:
Priv. Dozent Dr. Wolf-Rüdiger Große
Tel.: 0345 55 26438
E-Mail: wolf.grosse@zoologie.uni-halle.de
Weitere Informationen: http://www2.biologie.uni-halle.de/zool/coll/spez/spez_main.htm
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