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Mission: Eine internationale Uni für Antalya - RUB-Professor zum Gründungsrektor ernannt

07.03.2007 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Es kommen verantwortungsvolle Aufgaben auf den emeritierten Professor der Ruhr-Uni Wolfgang Weber zu: Er wird Gründungsrektor einer internationalen Universität in Antalya, Türkei. Dazu bestimmte ihn der türkische RUB-Absolvent Nuh Tekin, der die "Internationale humanitäre Tekin-Universität" (IHTU) stiftet. Dem Namen nach stehen Internationalität und Humanität im Vordergrund - Leitbegriffe, die Prof. Weber als Gründungsrektor nun umsetzt, indem er unter anderem entsprechende Fakultäten (z. B. für humanitäre Programme) aufbaut und weltweit geeignete Professoren und Forscher sowie Studierende über die Grenzen der Türkei hinaus sucht. Insgesamt ist der Diplomingenieur der Elektrotechnik verantwortlich für den Bau und die Finanzierung der Universität sowie für die Organisation und Planung ihrer einzelnen Fakultäten und Einrichtungen wie der Bibliothek oder des Rechenzentrums. Baubeginn ist im Juli 2007. Bochum, 07.03.2007
Nr. 90

Mission: Eine internationale Uni für Antalya
RUB-Professor zum Gründungsrektor ernannt
Bochumer Absolvent stiftet humanitäre Hochschule

Es kommen verantwortungsvolle Aufgaben auf den emeritierten Professor der Ruhr-Uni Wolfgang Weber zu: Er wird Gründungsrektor einer internationalen Universität in Antalya, Türkei. Dazu bestimmte ihn der türkische RUB-Absolvent Nuh Tekin, der die "Internationale humanitäre Tekin-Universität" (IHTU) stiftet. Dem Namen nach stehen Internationalität und Humanität im Vordergrund - Leitbegriffe, die Prof. Weber als Gründungsrektor nun umsetzt, indem er unter anderem entsprechende Fakultäten (z. B. für humanitäre Programme) aufbaut und weltweit geeignete Professoren und Forscher sowie Studierende über die Grenzen der Türkei hinaus sucht. Insgesamt ist der Diplomingenieur der Elektrotechnik verantwortlich für den Bau und die Finanzierung der Universität sowie für die Organisation und Planung ihrer einzelnen Fakultäten und Einrichtungen wie der Bibliothek oder des Rechenzentrums. Baubeginn ist im Juli 2007.

Die Ausrichtung der Universität: International ...

Die IHTU arbeitet international. Aus diesem Grund engagiert sie Professoren und Forscher aus dem Ausland, gleichzeitig ist die verbindliche Wissenschaftssprache Englisch. Auch die Studierenden sollen zu 50 Prozent aus den umliegenden Ländern der Türkei wie dem Libanon oder Syrien kommen. Dass man mit einem internationalen Team effektiv zusammenarbeiten kann, weiß Prof. Weber aus eigener langjähriger Erfahrung, die er beispielsweise in Jugoslawien und auf den Philippinen sammeln konnte. In Manila war er als Honorarprofessor tätig und baute 1985 die Fakultät für Computer Engineering mit internationalen Kollegen auf. Da die Dozenten der IHTU in ständigem Austausch mit internationalen Forschern und Wissenschaftlern stehen, können sie aktuelle Forschungsergebnisse in ihre Lehre integrieren und gewährleisten so eine Einheit von Forschung und Lehre.

... und humanistisch

Der Stifter Nuh Tekin betont den humanistischen Charakter der Universität. Dabei ist gedacht an den humanitären Aspekt der Entwicklungshilfe allgemein, darunter vor allem an den Aufbau von Wasser- und Energieversorgungs- und Entsorgungssystemen. Gerade hierfür eignet sich der Standort Türkei, da sich die Türkei auf dem Weg von einem Schwellen- zu einem Industrieland bewegt, ihre Nachbarn des Mittleren und Nahen Ostens (z. B. Iran, Irak, Libanon) aber meist noch den Status eines Schwellenlandes aufweisen. Um dort - und vor allem in den eigentlichen Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Südamerika - effektive Entwicklungshilfe mit dem entsprechenden technischen Know-how leisten zu können, entsteht an der IHTU eine Fakultät für humanitäre Programme in enger Zusammenarbeit mit einer Fakultät für Technik. Unter "humanitär" fällt auch, dass sich die Universität den Prinzipien der Meinungs- und Glaubensfreiheit verpflichtet fühlt und die Würde des Menschen als oberstes Gut ansieht.

Studienziel: "Master der Entwicklungshilfe"

Eine Fakultät für Technik, eine für humanitäre Programme und eine für Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt türkische und hoch-arabische Philologie - dies strebt die IHTU kurzfristig an. Am Anfang steht der Aufbau der technischen Fakultät (Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik, ergänzt durch Mathematik, Physik, Medizintechnik und Biotechnologie). Parallel dazu entwickeln die Professoren Curricula für die humanitäre Fakultät, die eng mit internationalen Entwicklungshilfe-Organisationen zusammenarbeitet. Hier ist vorgesehen, Vertreter von Organisationen wie der Welthungerhilfe oder des Türkischen Katastrophenschutzes als Referenten einzuladen, die die Studierenden in ihre spezifischen, oft problematischen Arbeitsbereiche blicken lassen. Als Titel des Abschlusses kann sich Wolfgang Weber einen "Master der Entwicklungshilfe" vorstellen, fest steht das aber noch nicht. "Systemingenieurwesen" nennt der zukünftige Gründungsrektor den Bachelor-Studiengang der technischen Fakultät, der die Basis für das aufbauende Studium in Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauwesen und Informationstechnik bildet. Damit macht er deutlich, dass es mehr um die Beurteilung und Fertigung kompletter Systeme (etwa Wasser- und Energiesysteme) geht als um den Bau hochkomplizierter elektronischer Teile oder Großmaschinen. Langfristig folgen weitere geistes- und wirtschaftswissenschaftliche Fächer.

Aufbau der IHTU im Top-Down-Verfahren

Sowohl bei der Wahl der Professoren als auch bei den Studierenden greift die sogenannte "Top-Down"-Methode. "Wir wollen mit Professoren aus aller Welt beginnen, die bereits im oder kurz vor dem Ruhestand sind, gerne aber noch ein paar Jahre länger ihre Kenntnisse weitergeben möchten", sagt Prof. Weber. So ist von Beginn an gewährleistet, dass man mit erfahrenen Spitzenkräften arbeitet. Gleichzeitig nimmt die Universität in den ersten Jahren nur Studenten auf, die bereits den Mastergrad erreicht haben und nun vor ihrer Promotion stehen. Die besten Doktoranden können an der IHTU als Lehrende bleiben. Sie stellen so sicher, dass sich nach ein bis zwei Jahren auch Studierende mit abgeschlossenem Bachelor einschreiben können, die sie zum Master führen. Erst in einem letzten Schritt, ungefähr drei Jahre nach der Gründung, ist die Universität offen für Erstsemester. Weber geht davon aus, dass er bis zu dem Zeitpunkt den Kader der Lehrenden um weitere jüngere Wissenschaftler und ein starkes Team von Tutoren ergänzen kann, so dass keine Engpässe in der Lehre entstehen.

Studieren an der Küste Antalyas

Als "unübertrefflich reizvoll" bezeichnet Prof. Weber die Umgebung der Universität: "Sie wird in unmittelbarer Strandnähe liegen, gleichzeitig ist ein Skigebiet innerhalb einer Autostunde zu erreichen. Antalya bietet zehn Monate Frühlingswetter - und das alles in einer rund 5000 Jahre alten Kulturlandschaft." Für den dortigen Bau der Universitätsgebäude steht bereits ein Stufenplan fest: Den Anfang macht das sogenannte "Aufbau- und Verfügungszentrum" (AVZ), ein Verwaltungsgebäude für die Universitätsleitung, den Kanzler und die Dezernenten. Das Zentrum stellt außerdem den entstehenden Fakultäten so lange freie Flächen zur Verfügung, bis sie in ihre eigenen Räumlichkeiten umziehen können. Vom AVZ aus planen und überblicken die Verantwortlichen den weiteren Bau der Universität. Es folgt das Gebäude des Rechenzentrums und der Zentralbibliothek, sodann ein Hörsaalzentrum mit angeschlossenen Werkstätten und Labors. So ist ein stetiger Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden auf der einen und Forschern und Wissenschaftlern auf der anderen Seite gewährleistet. Als letztes sind eine Cafeteria und ein Sozialzentrum für Konferenzen und Feiern vorgesehen.

Ein "Profi" unter den Gründern

Mit Prof. Weber hat Nuh Tekin einen sehr erfahrenen Mann zum Gründungsrektor bestimmt. Weber, der seit 1973 an der RUB als Professor für Elektro- und Informationstechnik lehrt und mittlerweile emeritiert ist, arbeitete zuerst als Entwicklungsingenieur in der Großindustrie. Seit 1970 war er an mehreren nationalen und internationalen Universitäts- und Fakultätsgründungen beteiligt: Er baute die Universitäten Kaiserslautern und Trier sowie die Fernuni Hagen mit auf, war außerdem als Berater und Gutachter tätig, als die Fakultät für Elektrotechnik an der Uni Bremen und 1985 die Cebu Central Colleges (CCC) in Cebu City, Philippinen entstanden sind. Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern konnte der gebürtige Berliner, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, durch Gastprofessuren etwa in China, Jugoslawien, Indien, Malaysia und am Mapua Institute of Technology in Manila sammeln. Prof. Weber ist Autor und Herausgeber zahlreicher Schriften, unter anderem der Buchreihe "Taschenbuch der Informatik". 2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Nuh Tekin: Der Universitätsstifter

Der Stifter der IHTU, Nuh Tekin, hat sowohl Verbindungen in die Türkei als auch nach Bochum: Geboren 1950 in der Türkei, kam er nach dem Abitur nach Deutschland und absolvierte 1975 sein Studium als Diplomingenieur für Bauingenieurwesen an der RUB, wo er Prof. Weber kennenlernte. Als türkischer Unternehmer in Deutschland unterstützt er seit mehreren Jahren mittellose Studenten hierzulande und in der Türkei durch Stipendien. Den Bau der Universität in Antalya sieht er als große Chance, Länder wie der Türkei, die in hohem Maße einseitig von der Touristikindustrie abhängig sind, auch auf anderen Gebieten ökonomisch weiterzuentwickeln und den Bildungssektor als weiteres Standbein zu etablieren.


Weitere Informationen

Prof. em. Dr.-Ing. Dr. E.h. Wolfgang Weber, Fakultät für Elektro- und Informationstechnik an der RUB, Lehrstuhl für Netz- und Datensicherheit, Tel.(priv.): 0234/79 70 59, E-Mail: wolfgang.weber@rub.de

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