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Bekannter Leipziger Botaniker verstorben

15.03.2007 - (idw) Universität Leipzig

Am Montag, dem 12. 3. 2007, verstarb nach langer schwerer Krankheit der bekannte Leipziger Botaniker, Professor Dr. Wilfried Morawetz, im Alter von 55 Jahren. Der gebürtige Österreicher wurde 1994 als Professor für Spezielle Botanik und Ökologie sowie Direktor des Botanischen Gartens der Universität Leipzig berufen. Zu seinen ersten Aktivitäten gehörte die Planung und Umsetzung einer umfangreichen Restaurierung und Umstrukturierung des Botanischen Gartens und der Gewächshäuser, die inzwischen zu einem beliebten Anlaufpunkt für die Leipziger Bevölkerung geworden sind. Daneben engagierte er sich für die Einrichtung eines Apothekergartens und eines Duft- und Tastgartens, der demnächst übergeben wird. Professor Morawetz war in der ganzen Welt zu Hause. Er beherrschte neben seiner deutschen Muttersprache Englisch, Portugiesisch und Spanisch, konnte sich aber auch im Französischen, Italienischen und Lateinischen bewegen. Er ging in Bogotá/Kolumbien, Madrid und Wien zur Schule, studierte in Wien, wurde bei dem bekannten Botaniker Friedrich Ehrendorfer promoviert, ging für wissenschaftliche Studien bzw. einen Gastprofessoraufenthalt mehrmals nach Brasilien, habilitierte sich an der Universität Wien und war seit 1991 Mitglied des "Steering Committee" beim European Science Foundation Programm "Tropical Canopy Research". 1993 wurde er Leiter der Forschungsstelle für "Biosystematik und Ökologie" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bis er 1994 an die Universität Leipzig kam. Er war ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Beauftragter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für Biodiversität, Gründungsvorstand und späterer Direktor des Lateinamerika-Zentrums an der Universität Leipzig. Zwischendurch besuchte er etliche Male zu Forschungszwecken den südamerikanischen Kontinent, Asien und Afrika, machte Schlagzeilen mit der Organisation eines Kranes für die Baumkronenforschung, zunächst in Venezuela und später im Leipziger Auwald. 2005 holte er die Baumkronenforscher der ganzen Welt zu ihrem 4. Internationalen Konferenz nach Leipzig.

"Bei seinen vielseitigen und erfolgreichen Aktivitäten kamen dem Wissenschaftler Wilfried Morawetz seine Kommunikationsfreude, seine Konsens- und Kompromissbereitschaft und sein diplomatisches Geschick zugute.", sagt der Rektor der Universität Leipzig, Professor Dr. Franz Häuser. "Er arbeitete mit den lokalen Behörden und wissenschaftlichen Institutionen ebenso zusammen wie mit ausländischen Regierungsvertretern und kulturellen Einrichtungen." So gelang es ihm im letzten Jahr, ein besonderes Highlight nach Leipzig zu holen: eine Inka-Gold-Ausstellung aus Peru. "Professor Morawetz hat viel dazu beigetragen den Namen der Universität Leipzig in der ganzen Welt bekannt zu machen.", so der Rektor weiter.

Wissenschaftlich beschäftigte sich Prof. Morawetz u.a. mit den Ursprüngen der Gefäßpflanzen und den vielfältigen und besonders engen Beziehungen zwischen Pflanze und Tier, wie z.B. in der Bestäubungsbiologie oder den Ameisenpflanzen. Hierbei interessierte ihn besonders die komplexe Genetik der Gewächse. Seltene exotische Pflanzen hatten es ihm ebenfalls angetan, zu denen er nicht selten spannende Geschichten zu erzählen wusste.

Eine Vorreiterrolle spielte er bei der Einführung neuer Methoden für die botanische Forschung, und es gelang ihm auch, die notwendigen finanziellen Mittel dafür sicher zu stellen. Seine größten Erfolge waren wohl die Forschungskräne in Venezuela und im Leipziger Auwald, die dazu beitrugen, die Pflanzen- und Tierwelt in ihrer Vielfalt und gegenseitigen Abhängigkeit zu erschließen.


"Professor Wilfried Morawetz war ein Mensch mit Ausstrahlung und Esprit und vielen neuen Ideen.", meint sein langjähriger Kollege Professor Dr. Werner Reißer aus dem Institut für Biologie I. Die Wissenschaftler, Mitarbeiter und Studenten der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie werden ihn vermissen.

Die Beisetzung findet am 26.3.2007, 10:00 Uhr auf dem Südfriedhof statt.

Prof. Dr. Annette Beck-Sickinger
Dekanin der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

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