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Deutsche Zustände und Bilder aus der Provinz

20.02.2003 - (idw) VolkswagenStiftung

Neue Bücher: VolkswagenStiftung informiert über Publikationen aus ihrer Forschungsförderung

Wir möchten Sie auf Publikationen aufmerksam machen, die im Zuge von Projekten entstanden sind, die von der VolkswagenStiftung gefördert wurden. Aus einer Vielzahl an Veröffentlichungen haben wir die folgenden acht ausgewählt, die - so hoffen wir - für einen breiten Leserkreis von Interesse sind. Neben einer Kurzbeschreibung finden Sie einen Hinweis auf den jeweiligen Verlag; dort kann ein Rezensionsexemplar (deren Zahl allerdings begrenzt ist) angefordert werden.

1. Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.): Deutsche Zustände. Folge 1 Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, 301 S. ISBN 3-518-12290-8

Angesichts der spannungsreichen gesellschaftlichen Entwicklungen in nationalen wie internationalen Kontexten ist es notwendig, kontinuierlich Rechenschaft abzulegen über den sozialen, politischen und auch mentalen Zustand dieser Republik. Dem dient die Reihe "Deutsche Zustände" in der edition suhrkamp, die als jährlicher Report angelegt ist. Folge 1 wurde jetzt vorgelegt. Basis des Reports ist eine repräsentative Befragung von 3000 Personen im Jahresrhythmus zu Erscheinungsweisen, Ursachen und Entwicklungen "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" wie Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Heterophobie und Sexismus. Ziel ist es, in der Langzeitperspektive über ein Jahrzehnt Ausmaß und mögliche Veränderungen menschenfeindlicher Gruppeneinstellungen und diskriminierender Verhaltensweisen in der deutschen Bevölkerung zu erfassen und zu untersuchen.

Durchgeführt wird die Studie von einem Forscherteam um Professor Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Auf der Grundlage ihrer Erhebungen suchen die Wissenschaftler nach Erklärungen für das Syndrom offener und verdeckter Menschenfeindlichkeit. Der zweite, umfangreichere Teil des Buches wurde - und wird auch in den weiteren Folgen - von Journalisten, Schriftstellern, Politikern, Schülern und nicht zuletzt von Gewaltopfern verfasst. Er entfaltet in Form von Essays, Reportagen, Interviews und Analysen ein vielfältiges Spektrum subjektiver Eindrücke zum Thema "Deutsche Zustände".

Der Autor Dr. Wilhelm Heitmeyer ist Professor für Sozialisation an der Universität Bielefeld und leitet dort das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung.
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Kontakt: Suhrkamp Verlag, Lindenstrasse 29-35, 60325 Frankfurt am Main, Tel.: 069 756010, Fax: 069 75601 314, E-Mail: presse@suhrkamp.de
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2. Ther, Philipp; Sundhaussen, Holm (Hrsg.): Nationalitätenkonflikte im 20. Jahrhundert. Ursachen von interethnischer Gewalt im Vergleich. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2002, 268 S. ISBN 3-447-04494-2

Die zahlreichen nach der politischen Wende Ende der 1980er-, Anfang der 1990er Jahre ausgebrochenen Konflikte und Kriege in Europa haben viele Sozialwissenschaftler und Historiker überrascht. Bis dahin hatte die Ansicht vorgeherrscht, dass das Zeitalter des Nationalismus abgelaufen sei. Doch das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts brachte eine Reihe von Nationalstaatsgründungen, den Zerfall multinationaler Staaten und damit verbunden etliche Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien mit sich. Solche innerstaatlichen Nationalitätenkonflikte sind Thema des Buches. Da Konflikte ein häufiger Bestandteil sozialer Beziehungen sind und für sich noch nichts über deren Qualität besagen, richten die Autoren ihr Augenmerk auf den Ausbruch von Gewalt, also die Eskalation von Nationalitätenkonflikten. Gleichzeitig wird in einigen Beiträgen des vorliegenden Bandes aber auch danach gefragt, warum sich gewaltsame Konflikte in bestimmten Konstellationen so weit entschärften, dass sie dann mit friedlichen Mitteln fortgeführt wurden.

Zu den Autoren: Dr. Philipp Ther ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Vergleichende Geschichte Europas der Freien Universität Berlin. Professor Dr. Holm Sundhaussen ist seit 1998 Co-Direktor dieses Zentrums und seit 1999 Mitglied, seit 2000 stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Michael-Zikic-Stiftung an der Universität Bonn.

Die folgenden Bücher entstanden alle im Rahmen von Projekten, die von der VolkswagenStiftung in ihrer Initiative "Diktaturen im Europa des 20. Jahrhunderts" gefördert wurden.
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Kontakt: Harrassowitz Verlag, Robert Gietz, Taunusstrasse 14, 65183 Wiesbaden, Tel.: 0611 530551, Fax: 0611 530570, E-Mail: rgietz@harrassowitz.de
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3. Paul, Gerhard; Goldberg, Bettina: Matrosenanzug - Davidstern. Bilder jüdischen Lebens aus der Provinz. Neumünster: Wachholtz Verlag, 2002, 373 S. ISBN 3-529-06144-1

Das jüdische Volk einzig aus der Perspektive der Verfolgung zu betrachten, die Juden auf den Status von Opfern, Gedemütigten und Stigmatisierten zu reduzieren, wird der historischen Wirklichkeit nicht gerecht. Nur selten wurde bislang der Frage nachgegangen, inwieweit Juden explizit in der deutschen Provinz vor 1933 und in den ersten Jahren nach 1945 eine eigenständige, differenzierte Minderheitenkultur bildeten. Noch weniger bekannt ist, ob es sogar zur Zeit des Dritten Reiches ein von Selbstbehauptungswillen geprägtes jüdisches Leben abseits der Metropolen gab und wie dieses aussah. Abhilfe schafft da die jetzt vorgelegte Bilddokumentation von Paul und Goldberg. Die Autoren stellen in 600 Fotografien und Textdokumenten erstmals umfassend die jüdische Minderheitenkultur in der norddeutschen Provinz im Zeitraum zwischen Kaiserreich und früher Bundesrepublik vor. Entstanden ist eine einzigartige und einfühlsame Dokumentation des einst so facettenreichen jüdischen Lebens und seiner mutwilliger Zerstörung.

Zu den Autoren: Dr. Gerhard Paul ist Professor für Geschichte an der Universität Flensburg, die Historikerin Dr. Bettina Goldberg ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin.
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Kontakt: Wachholtz Verlag, Simone Reichel, Rungestrasse 4, 24537 Neumünster, Tel.: 04321 906 276, Fax: 04321 906 275, E-Mail: s.reichel@wachholtz.de
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4. Reißig, Rolf: Dialog durch die Mauer. Die umstrittene Annäherung von SPD und SED. Frankfurt a. M. [u. a.]: Campus Verlag, 2002, 449 S. ISBN 3-593-37066-2

Dialog ist dort am Nötigsten, wo er unmöglich scheint. In einer Zeit scharfer Ost-West-Konfrontation begannen - initiiert von Willy Brandt - 1982 zum ersten Mal in der Geschichte regelmäßige Gespräche zwischen SPD und SED. Sie wurden bis 1989 fortgeführt. 1987 präsentierten beide Parteien ein gemeinsames Ideologiepapier. Die Öffentlichkeit reagierte heftig. Rolf Reißig, der damals als reformorientierter DDR-Wissenschaftler an den Gesprächen mit der SPD-Grundwertekommission teilnahm, rekonstruiert nun diesen Dialog und dessen Folgen. Er stützt sich dabei unter anderem auf rund 50 Interviews mit prominenten Befürwortern und Kritikern in Ost und West. - Ein lesenswertes Buch über deutsch-deutsche Geschichte aus der Zeit unmittelbar vor der Wiedervereinigung.

Der Autor Rolf Reißig, Professor für Sozial- und Politikwissenschaften in Berlin, war maßgeblicher Mitautor des SPD-SED-Dialogpapiers und veröffentlichte in den vergangenen Jahren Bücher und Beiträge zur Transformation Ostdeutschlands und zur deutschen Vereinigungsgesellschaft.
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Kontakt: Campus Verlag, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Daniela Chiantera, Kurfürstenstrasse 49, 60486 Frankfurt am Main, Tel.: 069 976516 25, Fax: 069 976516 78, E-Mail: chiantera@campus.de
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5. Dussel, Konrad: Hörfunk in Deutschland. Politik, Programm, Publikum (1923 - 1960). Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg, 2002, 451 S. ISBN 3-935035-33-0

Konrad Dussel untersucht die Hörfunkprogramme in Deutschland vom Beginn des Radiozeitalters Anfang der 1920er Jahre bis in die 1960er Jahre - bis zu jener Zeit also, in der das Fernsehen den Hörfunk als beherrschendes Freizeit- und damit auch als Massenmedium abzulösen begann. Der Autor beschreibt dabei nicht nur die wichtigsten Fakten der Hörfunkentwicklung, sondern vor allem die grundlegenden Determinanten ihrer Veränderungen vor dem Hintergrund der jeweiligen Gesellschaftssysteme (Weimarer Republik, Drittes Reich, die Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die folgenden Jahre in beiden deutschen Staaten). Im Vordergrund der Darstellung steht die Entwicklung der Programme im Spannungsverhältnis von Politik, Produzenten und Publikum, während die Rahmensetzungen durch Wirtschaft und Technik als auch die Einflüsse, die von jenseits der deutschen Grenze kamen, nur am Rande gestreift werden. Das besondere Augenmerk des Autors gilt dem Einfluss der - oftmals vernachlässigten - Hörerinteressen; er geht der Frage nach, inwieweit das Publikum der Massenmedien mitbestimmender Faktor des Kommunikationsprozesses ist im Spannungsfeld mit den Journalisten als unmittelbaren Gestaltern der Inhalte. Mit diesem interessanten Buch zur deutschen Hörfunkgeschichte werden die Ergebnisse eines Forschungsprojekts vorgelegt, das von der VolkswagenStiftung bei der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv in Frankfurt am Main gefördert wurde.

Der Autor Dr. Konrad Dussel ist Privatdozent für Neuere Geschichte an der Universität Mannheim.
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Kontakt: Verlag für Berlin-Brandenburg, c/o Parthas Verlag, Christina Becker, Stresemannstrasse 30, 10963 Berlin, Tel.: 030 884689 0, E-Mail: Parthas-Berlin@t-online.de
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6. Karlsch, Rainer; Laufer, Jochen (Hrsg.): Sowjetische Demontagen in Deutschland 1944 - 1949. Hintergründe, Ziele und Wirkungen. Berlin: Verlag Duncker & Humblot, 2002, 550 S. ISBN 3-428-10739-X

Historiker aus Russland und Deutschland analysieren in zwölf Beiträgen auf der Basis einer Vielzahl russischer und deutscher Quellen die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Hintergründe, kurzfristigen Wirkungen und Langzeitfolgen der sowjetischen Demontagepolitik im Deutschland der zweiten Hälfte der 1940er Jahre. Im ersten Teil des Buches werden Verlauf und Bilanz der sowjetischen Demontagepolitik rekonstruiert. Detailreich gehen die Forscher der Frage nach, inwieweit die Demontagen für den sowjetischen Wiederaufbau konkret von Nutzen und Bedeutung waren - insbesondere mit Blick auf die Verwendung deutscher Rüstungswerke, der Anlagen des Jenaer Zeiss Werkes und Ausrüstungen der Autoindustrie. Der zweite Teil des Bandes setzt sich mit den Folgen der Demontagen für Wirtschaft und Gesellschaft in der Sowjetischen Besatzungszone auseinander. Mehrere Studien befassen sich mit den regionalen Wirkungen der Deindustrialisierung in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen, mit der Krise der Reichsbahn, den Problemen durch die Überführungen in der Flugzeugindustrie und den politischen Reaktionen auf die Demontagen.

Zu den Autoren: Dr. Rainer Karlsch ist Mitarbeiter am Arbeitsbereich Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Freien Universität Berlin. Der Historiker Dr. Jochen Laufer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschungen in Potsdam.
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Kontakt: Verlag Duncker & Humblot, Marketing, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit, Christine Zinter, Carl-Heinrich-Becker-Weg 9, 12165 Berlin, Tel.: 030 790006 35, E-Mail: presse@duncker-humblot.de
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7. Luks, Leonid (Hrsg.): Das Christentum und die totalitären Herausforderungen des 20. Jahrhunderts. Rußland, Deutschland, Italien und Polen im Vergleich. Köln: Böhlau Verlag, 2002, 323 S. ISBN 3-412-15201-3

Wie reagierten christliche Kirchen auf die totalitären Herausforderungen des 20. Jahrhunderts? Diese Frage lässt sich nur dann umfassend beantworten, untersucht man die Problematik am Beispiel von mehreren grundlegend verschiedenen Varianten des Totalitarismus. Die Beiträge des vorliegenden Buches setzen sich mit der Kirchenpolitik "rechter" als auch "linker" totalitärer Regime auseinander, mit der Reaktion der Christen auf diese Herausforderungen - aber auch mit dem "ideengeschichtlichen Prolog" des modernen Totalitarismus. Sie befassen sich also mit nicht weniger als der Identitätskrise der europäischen Kultur im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und mit dem von Julien Benda 1927 in seinem Buch "Der Verrat der Intellektuellen" beschriebenen Abkehr der Intellektuellen vom Ideal der "unparteilichen Wahrheit" hin zur Orientierung an spezifischen gesellschaftlichen Interessen, die wesentlich zum Siegeszug der totalitären Diktaturen beitrug.

Der Autor Professor Dr. Leonid Luks ist Stellvertretender Direktor der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Vizedirektor des Zentralinstituts für Mittel- und Osteuropastudien (ZIMOS).
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Kontakt: Böhlau Verlag, Ursulaplatz 1, 50668 Köln, Tel.: 0221 91390 0, Fax: 0221 91390 32, E-Mail: vertrieb@boehlau.de
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8. Conrad, Christoph; Conrad, Sebastian (Hrsg.): Die Nation schreiben. Geschichtswissenschaft im internationalen Vergleich. Göttingen: Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2002, 400 S. ISBN 3-525-36260-9

Als Kind des 19. Jahrhunderts hat sich die Geschichtswissenschaft zur Aufgabe gemacht, aus "der" Vergangenheit die Geschichte einer Nation zu formen. Die Betonung nationaler Besonderheiten ist daher ein Kennzeichen von Historiographie. Erstmals werden jetzt in einem breiten internationalen Rahmen die Methoden, Stile und Produkte der Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts vergleichend untersucht. Die Perspektive bleibt dabei nicht auf Europa beschränkt und bezieht interkulturelle Vergleiche ein. Die Beiträge sind vergleichend und beziehungsgeschichtlich angelegt und bieten auf diese Weise einen neuartigen Zugriff auf Probleme historiographischer Produktion.

Zu den Autoren: Dr. Christoph Conrad ist Professor für Neueste Geschichte an der Universität Genf. Dr. Sebastian Conrad ist wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften der Universität Hannover.

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Kontakt: Vandenhoeck & Ruprecht, Öffentlichkeitsarbeit, Karen Saure, Robert-Bosch-Breite 6, 37079 Göttingen, Tel.: 0551 5084467, Fax: 0551 5084477, E-Mail: k.saure@vandenhoeck-ruprecht.de
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Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse03/20022003.htm
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Kontakt: VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Christian Jung, Tel.: 0511 8381380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
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