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Korrigierte Fassung: 30 Jahre Heinz Maier-Leibnitz-Preis

16.03.2007 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

DFG zeichnet sechs Nachwuchswissenschaftler für herausragende Leistungen aus
(Korrektur beim Preisträger Dr. Christian Wild) Nr. 11
16. März 2007

In diesem Jahr blickt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) auf 30 Jahre Heinz Maier-Leibnitz-Preis zurück. Bei der Festveranstaltung am 5. Juni werden auch die sechs Preisträger des Jahres 2007 geehrt: Eine junge Wissenschaftlerin und fünf Wissenschaftler erhalten die mit je 16 000 Euro dotierte Auszeichnung. Unter den insgesamt 80 Kandidatinnen und Kandidaten überzeugten das Auswahlgremium ein Astrophysiker, ein Strömungsmechaniker, ein Klinischer Pharmakologe, ein Experimentalphysiker, eine Informatikerin und ein Mikrobiologe. Unter den 80 Vorschlägen für die Auszeichnung waren 28 Kandidatinnen. Namensgeber des Preises ist der frühere DFG-Präsident und Atomphysiker Heinz Maier-Leibnitz. Die Mittel für den Preis, der in jedem Jahr an sechs Nachwuchswissenschaftler verliehen wird, stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Verfügung.

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Einzelnen:

Dr. Eric Bell (31), Astrophysik, Max-Planck-lnstitut für Astronomie, Heidelberg

Eric Bell forscht im Bereich der beobachtenden Kosmologie. Er geht einer der zentralen Fragen seiner Disziplin nach: Wie sind Galaxien nach dem Urknall entstanden? Um die Vergangenheit des Universums direkt zu beobachten und zu analysieren, untersucht er entfernte Galaxienpopulationen. Bell gelang es, eine Standardmethode für Massenschätzung in weit entfernten Galaxien zu entwickeln und löste damit ein in der Astronomie bislang offenes Problem. Außerdem entdeckte Eric Bell, dass fast alle der massereichsten Galaxien seit über sieben Milliarden Jahren kaum noch Sterne bilden. Dieses Ergebnis widersprach den theoretischen Erwartungen und hat zu einer Reihe neuer Forschungsansätze geführt. Nach langjährigen Aufenthalten in Großbritannien und den USA ist Eric Bell heute Leiter einer von der DFG geförderten Emmy Noether-Nachwuchsgruppe und vertritt sein Institut beim Sloan Digital Sky Survey (SDSS), einem internationalen Projekt zur Vermessung von Himmelsobjekten.

Dr. Michael Dumbser (29), Strömungsmechanik, Universität Stuttgart

Die numerische Simulation von Strömungen ist eine grundlegende Methodik für viele Anwendungsgebiete, in denen die hochgenaue Berechnung von Wellenausbreitungen erforderlich ist, zum Beispiel bei Erdbebenwellen oder bei der von Flugzeugen verursachten Lärmausbreitung. Michael Dumbser gelang mit seiner Doktorarbeit ein Durchbruch auf diesem Gebiet, indem er eine in Raum und Zeit hochgenaue numerische Lösungsmethode konstruierte. So schuf er ein gegenüber dem bisherigen Stand des Wissens deutlich verbessertes Berechnungskonzept, das international große Beachtung fand. Dumbser forschte in Frankreich und Italien und ist Mitglied einer deutsch-französischen Forschergruppe, die durch den CNRS und die DFG gemeinsam finanziert wird.

Dr. Veit Hornung (30), Klinische Pharmakologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Bei der Produktion von Proteinen ist Ribonukleinsäure (RNA) die Hauptakteurin: Sie schreibt die "Bauanweisung" für ein Protein im Zellkern ab und dient als Matrize für die "Montage" der Einzelteile des gewünschten Proteins im Zellplasma. Gefährlich wird es, wenn beispielsweise Viren diesen Mechanismus mit "gefälschten" Anweisungen für eigene Proteine nutzen. Veit Hornung befasst sich seit seiner Doktorarbeit mit den Erkennungsmechanismen des Immunsystems für virale oder synthetische RNA. Er entdeckte einen neuen Mechanismus, über den das Immunsystem Nukleinsäuren, wie sie in Viren vorkommen, erkennt und sich gegen diese zur Wehr setzt. Damit liefert Hornungs Arbeit Erkenntnisse, die unter anderem für die Behandlung von Tumor- und Infektionserkrankungen wegweisend sind. Veit Hornung ist Wissenschaftlicher Assistent und Leiter der Arbeitsgruppe "Therapeutische Oligonukleotide".

Dr. Stefan Linden (34), Experimentalphysik, Universität Karlsruhe (TH)

Der Forschungsschwerpunkt von Stefan Linden liegt auf dem noch jungen Gebiet der optischen Metamaterialien. Das sind künstlich hergestellte Materialien, mit der besonderen Eigenschaft, einfallendes Licht nach "links" zu brechen. Bei allen natürlichen Materialien, wie Glas, wird der Lichtstrahl abgelenkt, also nach "rechts" gebrochen. Linden gelang es erstmals, "linkshändige" Metamaterialien im nahen Infrarot bis hin zum sichtbaren Lichtbereich zu erschließen, also in extrem kurzen Wellenlängen. Diese revolutionären Ergebnisse der Grundlagenforschung können zukünftig viel versprechende Anwendung bei lithographischen Verfahren, in der Halbleiter-Industrie und in der Telekommunikation finden. Für ihre Leistungen wurden Stefan Linden und seine Kollegen 2005 mit dem René-Descartes-Preis der Europäischen Union für Forschungszusammenarbeit ausgezeichnet. Linden ist Leiter der Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe "Metamaterials for Photonics".

Prof. Dr. Nicole Schweikardt (33), Informatik, Humboldt-Universität zu Berlin

Als theoretische Informatikerin interessiert sich Nicole Schweikardt für die effiziente Verarbeitung extrem großer Datenmengen. Solch große Datenmengen gibt es in vielen Anwendungsgebieten, etwa als Sammlung wissenschaftlicher Ergebnisse, als Börsenticker oder in Form von Sensordaten. Die Daten liegen jedoch häufig nur in wenig strukturierter Form vor und nicht in einer bearbeitbaren Datenbank. Nicht zuletzt auch aufgrund ihrer mathematischen Ausbildung konnte Schweikardt hinsichtlich der Anfrageoptimierung und der Komplexitätstheorie für die Verarbeitung großer Datenbanken wichtige Erfolge erzielen. Nicole Schweikardt ist Juniorprofessorin und Leiterin einer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe. Außerdem ist sie Mitglied in der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Dr. Christian Wild (32), Mikrobiologie/Ökologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Christian Wild ist ein "Grenzgänger zwischen den Wissenschaften": Er ist von der Ausbildung her Biologe und arbeitet in seinen Forschungsprojekten eng mit Geobiologen, Biologen, Ökologen, Paläontologen und Geochemikern zusammen. Sein zentrales Forschungsthema, die Funktion organischer Korallenexsudate für das Funktionieren von Riffökosystemen, ist weitgehendes "Neuland" gewesen. Für seine ersten Arbeiten zu dieser Thematik erhielt Christian Wild 2005 die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft. Die von Christian Wild erforschten Prozesse, die in ihrem ökosystemaren Einfluss bislang unterschätzt worden sind, haben große Bedeutung für das Verständnis fossiler Korallenriffe und für die Kenntnis und den Schutz moderner Korallenriffe. Die gesellschaftspolitische Bedeutung der von Christian Wild und seiner Emmy Noether-Nachwuchsgruppe verfolgten Projekte zur Erforschung von Stoffkreisläufen in Warm- und Kaltwasserkorallenriffen wird auch in der Tätigkeit von Christian Wild als Berater für Korallenriff-Themen bei der UNESCO deutlich.


Das 30-jährige Jubiläum des Heinz Maier-Leibnitz Preises und die Auszeichnung der diesjährigen Preisträger durch DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner und Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan werden am 5. Juni feierlich in der Bundeskunsthalle in Bonn begangen. Journalisten sind zur Teilnahme an der Veranstaltung herzlich eingeladen.
Weitere Informationen: http://www.dfg.de/
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