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Lebendes Netzwerk: Zum 65. Geburtstag von ZU-Professor Nico Stehr

22.03.2007 - (idw) Zeppelin University

Friedrichshafen. Zu einem Zeitpunkt, da sich andere Professoren bereits mit dem bevorstehenden Ruhestand befassen, machte er sich noch an den Aufbau eines neuen Lehrstuhls. Das war vor zwei Jahren. Dieser Tage feiert Professor Nico Stehr, Inhaber des Karl-Mannheim-Lehrstuhls für Kulturwissenschaften an der Zeppelin Universität (ZU) und einer der international renommiertesten Wissenssoziologen, seinen 65. Geburtstag. An staatlichen Universitäten werden zu einem solchen Termin Professoren zwangsweise emeritiert, das heißt nach Haus geschickt. Nicht so im Falle Stehr und ZU. Da sei es "wie in einer guten Familie: Wir werden gemeinsam alt", so ZU-Präsident Professor Stephan A. Jansen, der Stehr "mit großem persönlichen wie wissenschaftlichen Respekt auf das herzlichste" im Namen der gesamten ZU gratulierte. Nico Stehr ist ein lebendes Netzwerk. Nachdem er mehr als ein Vierteljahrhundert Professor für Soziologie war und dabei die halbe nordamerikanische Wissenschaftslandschaft dieses Faches kennen gelernt hatte, war er zehn Jahre lang in den unterschiedlichsten renommierten Forschungsinstituten und Universitäten Europas als Gastprofessor aktiv, unter anderem in München, Wien oder Zürich. Gelehrt hat er zudem in Südafrika, China und Schweden. Durch die Herausgeberschaft unpublizierter Texte Karl Mannheims, des wichtigen ungarisch-jüdisch-deutschen Wissenssoziologen, ist er auch hierzulande einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Im Jahr 2004 wechselte Stehr von der angesehenen University of Alberta in Kanada an die neugegründete ZU - mit 63 Jahren und schon von daher ungewöhnlich, da deutsche Professoren eigentlich nur bis zum Alter von 54 Jahren ihre Wirkungsstätte wechseln dürfen. "Es war eine der hochkarätigsten Bewerbungen, die man sich für einen Lehrstuhl für Kulturwissenschaften wohl wünschen kann", erinnert sich Jansen - und das Wissenschaftsministerium in Stuttgart stimmte der Berufung des ältesten Professors durch den jüngsten Uni-Präsidenten nach erster Überraschung zu. Jansen: "Ich bin noch immer beeindruckt von Nico Stehrs Mut und dankbar für seinen Beitrag zum Aufbau der Universität insbesondere im Bereich der internationalen Forschungsnetzwerke."

Als Inhaber des Karl-Mannheim-Lehrstuhls ist Stehr der Problematik des Wissens und der Frage der gesellschaftlichern Rolle des Wissens treu geblieben: Ihn beschäftigen die sozialen Auswirkungen der gestiegenen Bedeutung der Rolle des Wissens in der modernen Gesellschaft: Einerseits ist immer mehr Wissen vorhanden und medial verfügbar, andererseits haben sich die Hoffnungen, die man einst an einen solchen Wissensfortschritt geknüpft hat, nur sehr bedingt erfüllt. Denn der Begriff des Wissens und die von mit zusammen mit dem Philosophen Gernot Böhme entwickelte Theorie der "Wissensgesellschaft" bleiben aktuell. Intensiv befasst sich Stehr auch mit der Klimafolgenforschung insbesondere im Bereich der Anpassung und Vorsorge.

Neben seiner Tätigkeit an der ZU ist Nico Stehr zudem Mitglied der Royal Society of Canada und Mitglied der Verbraucherschutzkommission Baden-Württemberg.

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