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Professor Dieter H. Müller geht Ende April in den Ruhestand - und bleibt noch ein bisschen

27.04.2007 - (idw) BIBA - Bremer Institut für Betriebstechnik und angewandte Arbeitswissenschaft an der Universität Bremen

Bremen (sno). Während seiner 23 Berufsjahre an der Universität Bremen habe er mehr Zeit in den Hörsälen zugebracht als der deutsche Durchschnittsbürger im Leben vor dem Fernseher sitzt, rechneten ihm die Kollegen vor, und dass er im Internet derzeit genau 2.286 Seiten aktueller Skripte zu seinen Lehrveranstaltungen anbiete. Der Grund für dieses Resümee: Der Konstruktionstechnik-Experte Professor Dieter H. Müller geht in den Ruhestand. Nun wurde er am Bremer Institut für Betriebstechnik und angewandte Arbeitswissenschaft (BIBA) an der Universität Bremen offiziell verabschiedet. 1984 erhielt Dieter H. Müller den Ruf an die Universität Bremen und baute dort am Fachbereich Produktionstechnik das Fachgebiet "Konstruktionslehre/CAD/CAE" auf. Bekannt ist es unter dem Namen "Bremer Institut für Konstruktionstechnik" (BIK). Anfang 1999 trat Müller zudem in die Leitung des BIBA ein, leitete dort den Forschungsbereich "Produktentwicklung, Prozessplanung und Computerunterstützung" (PPC) und hatte von 1999 bis 2001 den Posten des Institutssprechers inne. Auch hier kamen ihm seine Erfahrungen und Aktivitäten in der Wirtschaft entgegen, denn zu Hause war Müller nicht nur in den Forschungslaboren der Universität und des BIBA, sondern auch in den Chefetagen mehrerer Unternehmen.

Müller engagierte sich in Forschung und Lehre, legte aber auch stets sehr großen Wert auf den Praxisbezug und ließ sich zwischenzeitlich teilbeurlauben, um Aufgaben in der Industrie wahrnehmen zu können. Daneben engagierte er sich in zahlreichen Ausschüssen und Institutionen. Als Mitglied im Fachbeirat "Konstruktion" der "VDI-Gesellschaft Entwicklung Konstruktion Vertrieb" (VDI-EKV) wirkte er zum Beispiel in mehreren Gremien mit. Zudem pflegte er beständig seine Auslandskontakte unter anderem in Indien und China sowie in den USA, wo er auch zeitweise lehrte. Darüber hinaus übernahm er nach dem Mauerfall einen Lehrauftrag an der Universität Rostock. Im Wintersemester 1990/91 hielt er dort Vorlesungen im Bereich Maschinenbau und Schiffbau.

Tausende von Klausuren, Hunderte an Projekten, Dutzende betreuter Diplom- und Doktorarbeiten sowie viele Millionen an eingeworbenen Forschungsmitteln - schon die statistischen Werte zum Schaffen des rührigen Wissenschaftlers beeindrucken. Gerühmt wurden aber auch seine fachliche Kompetenz und noch ganz andere Leistungen: Zuverlässig präsent, stetig ansprechbar, klare Worte und immer ein offenes Ohr - auch für vermeintlich schräge Ideen und utopisch scheinende Visionen. "Meine Herren, ich kann mir alles vorstellen!", hieß es dann oft. Wer mit Müller zusammen gearbeitet oder bei ihm studiert hat, kennt diesen Satz.

Doch auch wenn Müller behauptet, nichts sei seiner Vorstellung fremd: Die vom "ruhigen Stand" scheint ihm schwer zu fallen. So arbeitet er auch erst einmal noch ein bisschen weiter. BIBA und Universität werden also nicht ganz auf Müller verzichten müssen, jedenfalls vorerst nicht. Begonnene Projekte führt er zum Abschluss, und im Sommersemester wird er noch Vorlesungen halten. Zwei Jahre werde er nach seinem Ausscheiden noch auf dem Campus tätig sein, sagt Müller, besonders in der Forschung.

"Gleichgültig wo ich war und welche Herausforderungen es gerade gab, ich habe alle Aufgaben immer mit viel Vergnügen an der Sache und an der Arbeit erledigt", sagt Müller rückblickend. Sicher habe es zwischendurch auch Frust gegeben, sagt er. An der Universität habe er besonders die Freiheiten und Möglichkeiten sehr hoch geschätzt - zum Beispiel wie aus Ideen Projekte wurden. "Mit Spannung und Freude habe ich immer beobachtet, wie sie sich entwickeln und die Ergebnisse erwartet", sagt Müller und lacht. Wohlwissend, dass da trotz Ruhestand noch ein paar schöne Projekte Spannung und Arbeit bringen. Von Letzterem aber künftig wohl aber weniger, was dann auch Frau, Kinder und Enkelkinder freuen dürfte.

Karriere in Wissenschaft und Wirtschaft

Nach seinem Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Hannover ging Dieter H. Müller 1968 in die Wirtschaft und arbeitete zunächst als Projektingenieur bei einem Dortmunder Unternehmen. Dann zog es den gebürtigen Bremer doch zurück in die Forschung. Er wurde Wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Clausthal und promovierte dort 1972 über das Thema "Holografische Interferometrie zur Analyse von versteiften Plattenkonstruktionen". Danach ging es wieder zurück in die Industrie. Von 1973 bis 1984 arbeitete Müller als Entwicklungs- und Konstruktionsleiter sowie als Technischer Geschäftsführer in drei Maschinenbauunternehmen. Dann kamen der Ruf aus Bremen, der Aufbau seines Fachgebietes an der Universität und der des Forschungsbereiches PPC am BIBA.

Von 1985 bis 1988 und von 1994 bis 1997 ließ sich Müller an der Universität teilbeurlauben. Mit reduzierter Stundenzahl arbeitete er als Professor an der Hochschule und setzte sich parallel dazu als Technischer Geschäftsführer für die Entwicklungsbereiche mehrerer Maschinenbauunternehmen ein. Das dort erworbene Wissen um die Bedarfe und Möglichkeiten der Industrie half ihm in seiner Mitarbeit beim Aufbau der neuen Studiengänge "Wirtschaftsingenieurwesen" und "Production Engineering/Industrial Engineering" an der Universität, und es prägte seine wissenschaftliche Arbeit.

So beschäftigte Müller sich zunehmend mit der Herstellung von Produkten aus faserverstärkten Materialien, Einrichtungen für deren Verarbeitung und die Produktionsprozesse. Gemeinsam mit Automobilzulieferern entwickelte er Automobilinnenteile, untersuchte auch deren akustische Eigenschaften und verbesserte die Produkte. Mit Partnern aus der Flugzeugindustrie entwickelte Müller Einrichtungen zur automatischen Verarbeitung von kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK), und mit Maschinenbauunternehmen arbeitete er an neuen Hochgeschwindigkeitsteilen aus CFK. Seine Zusammenarbeit mit Rotorblattherstellern für Windenergieanlagen konzentrierte sich auf die automatische Verarbeitung und Einrichtungen zum Legen von glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK). Müllers Forschungen und Entwicklungen zur Nutzung von Naturfaserverstärkungen standen auch unter dem Gesichtspunkt des Design for Environment. Ziel war unter anderem die Verbesserung der Recycling-Möglichkeiten zum Beispiel von Automobilteilen.


Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Dieter H. Müller,
Telefon: 0421 218-55 31, E-Mail: ml@biba.uni-bremen.de
Weitere Informationen: http://www.biba.uni-bremen.de http://www.bik.uni-bremen.de
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