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Hilfe für verletzte Seelen

25.02.2003 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Ob eine junge Frau auf dem nächtlichen Nachhauseweg Opfer einer sexuell motivierten Gewalttat wird und dabei Todesangst erlebt oder ob ein Rentner im Dunkeln überfallen wird und sich fortan nicht mehr vor die Tür traut - beide leiden möglicherweise in den nächsten Wochen und Monaten unter anfallsartig auftretenden Angstzuständen. Immer wieder steht ihnen die Szene vor Augen, begleitet von einem Maximum an vegetativer Erregung wie Herzklopfen, Schwitzen und Zittern. Solche sich immer wieder aufdrängenden Erinnerungsbilder, die auch als Flash-backs bezeichnet werden, sind eine charakteristische Folge psychischer Traumatisierungen. Als eine Anlaufstelle zur "psychischen Notversorgung" betroffener Erwachsener wurde jetzt an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster (UKM) eine Opferambulanz eingerichtet.

Die Gründung dieser neuen Einrichtung geht auf eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen zurück, über die Bezirksregierung Münster und der ihr angeschlossenen Landesversorgungsverwaltung NRW flächendeckend Opferambulanzen anzubieten. Zum Jahresbeginn wurde ein entsprechender Vertrag zwischen der Bezirksregierung Münster und dem Versorgungsamt Münster mit dem UKM geschlossen, eine solche Ambulanz an der dortigen Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie zu eröffnen. Damit ist für den Bereich des Versorgungsamtes Münster, der neben der Stadt Münster die Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf umschließt, eine Anlaufstelle für betroffene Erwachsene gegründet worden, die sich verpflichtet, kurzfristig als Anlaufstelle bei akuter psychischer Traumatisierung zur Verfügung zu stehen.

Denn das Leiden der Opfer von Gewalttaten oder den Erfahrungen schwerer Unfälle oder Naturkatastrophen ausgesetzter Menschen ist groß. Die sich aufdrängenden qualvollen Erinnerungen können zusätzlich auch während des Schlafens in Form von Albträumen wiederkehren: Die Betreffenden erleben dann die traumatische Szene quasi ständig noch einmal, um jeweils zum Zeitpunkt der maximalen eigenen Bedrohung schweißgebadet aufzuwachen. An Weiterschlafen ist dann oft nicht mehr zu denken. Viele verlieren das Vertrauen zu anderen Menschen, isolieren sich sozial, werden arbeits- oder berufsunfähig. Häufig fehlte jedoch bislang eine Anlaufstelle zur "psychischen Notfallversorgung". Gerade die macht aber großen Sinn. Denn je früher die Opfer behandelt werden, desto geringer ist die Gefahr von Spätschäden.

Diese Versorgungslücke soll mit der Einrichtung der Opferambulanz am UKM geschlossen werden. Kooperationspartner sind die Opferschutzbeauftragten, die in den Polizeikommissariaten der jeweiligen Kreispolizeibehörden ihren Sitz haben. Oft können die Opferschutzbeauftragten den Betroffenen mit dem Hinweis auf die Möglichkeit einer solchen psychischen Erstversorgung weiterhelfen. Selbstverständlich können sich auch Betroffene selber direkt an die Opferambulanz wenden. Die Kosten für die ersten Gespräche werden auf jeden Fall in vollem Umfang durch die jeweils zuständigen Kostenträger übernommen.

Ziel eines möglichst frühzeitigen Kontaktes zur Opferambulanz ist vor allem eine erste Hilfe im Umgang mit als überwältigend erlebten Gefühlen. Auf diese Weise sollen die Betroffenen ein Gefühl von Sicherheit und Handlungsfähigkeit wiedererlangen. In einem zweiten Schritt können neben der Förderung individueller Behandlungsmöglichkeiten auch integrative traumaspezifische psychotherapeutische Behandlungsverfahren eingesetzt werden. Sollte sich im Laufe dieser ersten Behandlungsphase im gemeinsamen Gespräch die Notwendigkeit einer längeren Fachpsychotherapie zeigen, kann die Opferambulanz auf Wunsch der Betroffenen die Wege für eine ambulante Weiterbehandlung ebnen helfen.

Opferambulanz an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster, Domagkstraße 22, 48149 Münster, Tel.: 0251/83 5 29 05, Fax: 0251/83 5 29 03, E-Mail: Psychosomatik@mednet.uni-muenster.de

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