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Initiativen für die Bildung - ZEIT-Stiftung setzt auf Domino-Effekt bei der Stärkung von Schülern, LehrLehramtsstudieren

03.05.2007 - (idw) ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

Bildung und Erziehung sind einer der drei Arbeitsschwerpunkte der ZEIT-Stiftung. Für Aktivi-täten in diesem Bereich hat die Stiftung bisher 17,5 Mio. Euro aufgewendet. Mit dem Buceri-us LERN-WERK hat sie ein beispielgebendes Vorhaben initiiert und realisiert, das nach dem Start in Hamburg unterdessen auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt wirkt.

Aus Erfahrungen mit dem Bucerius LERN-WERK, aus Gesprächen mit Erziehungswissen-schaftlern und Pädagogen sowie aus intensiven Diskussionen im Kuratorium der Stiftung resultieren fünf neue Bildungsprojekte. Die ZEIT-Stiftung zeigt damit,
o welche entscheidende Zukunftsbedeutung sie der Bildung beimisst,
o welche gesellschaftlichen Herausforderungen sie im Bildungsbereich erkennt,
o dass sie alle am Bildungsgeschehen Beteiligten im Blick hat und
o auf Veränderungen bei Schülern, Lehramtsstudierenden, Lehrern und Schulleitern zielt.

Christina Rau, Kuratoriumsmitglied der ZEIT-Stiftung, unterstreicht: "Die ZEIT-Stiftung kon-zentriert sich in den kommenden Jahren auf die Lehrerbildung. Gute Lehrer entscheiden mit darüber, dass die Schulzeit gelingt und Schüler ihr Potenzial nutzen können. Genau hier anzusetzen, angehende Lehrer und potentielle Schulleiter zu stärken, kann zu einer insgesamt verbesserten Schulsituation beitragen. Die ZEIT-Stiftung will auf diesem entscheidenden Zukunftsfeld Hamburger Akzente setzen."

Der Psychologe Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt benennt die Handlungsnotwendigkeiten bezogen auf die Lehrer: "Die bedenkliche gesundheitliche Situation in der Lehrerschaft hat zum einen mit stark belastenden Bedingungen in diesem Beruf zu tun, zum anderen aber auch damit, dass die Berufsanfänger nicht immer die wünschenswerten Eignungsmerkmale einbringen. Bei einem nicht geringen Teil von Lehramtsstudierenden finden wir problematische Eignungsvoraussetzungen wie z. B. Einschränkungen in der Widerstandskraft, Defizite in der sozial-kommunikativen Kompetenz und Beeinträchtigung des Selbstvertrauens. Derartige Handicaps können während der Ausbildung kaum wettgemacht werden. Es muss deshalb schon vor Aufnahme des Studiums die Entsprechung von Eignungs- und Anforderungsprofil stärker berücksichtigt werden. Das ist sowohl unter dem Aspekt des beruflichen Erfolgs als auch unter dem der Gesundheit unabdingbar."

Dr. Markus Baumanns, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der ZEIT-Stiftung für Bildung und Erziehung: "Wir wollen mit der erweiterten Ausrichtung unserer neuen Projekte einen pädagogischen Domino-Effekt erzielen und die wichtigsten Beteiligten am Bildungsgesche-hen stärken: Nur motivierte Schüler können die Schule erfolgreich absolvieren, nur geeignete Lehramtsstudierende können in ihrem Beruf erfolgreich und zufrieden sein, nur motivierte Lehrer können guten Unterricht geben, nur adäquat qualifizierte Schulleiter können den hohen, vielfältigen Anforderungen dieser Führungsaufgabe gerecht werden. Die ZEIT-Stiftung setzt Impulse auf all diesen Feldern."

1. Die Neufokussierung setzt bei den Lehrern an: Die ZEIT-Stiftung will den Praxisbezug der Lehramtstudierenden erhöhen und Studien-, Referendar- und Berufsein¬gangsphase besser verzahnen. Dazu bedarf es einer realistischen

Eignungsbeurteilung von Lehramtsstudierenden.

Angehende Studierende entscheiden sich aus verschiedenen Gründen für ein Lehramtsstudium. Allzu oft spielt die Frage danach, ob eine persönliche Eignung für die Praxis des Leh-rerberufs vorliegt, eine untergeordnete Rolle - sicher auch ein Grund für die im internationalen Vergleich hohe Burnout-Quote bei deutschen Lehrern.

Rechtzeitig Klarheit über die persönliche Eignung für den Lehrerberuf zu haben, ist entschei-dend für die weitere Qualifikation und den beruflichen Erfolg. Wenn angehende Lehrer zu spät erkennen, dass ihnen die Voraussetzungen für den Beruf fehlen, überfordern sie sich, frustrieren sich und die Schüler. Neben der Vermittlung von Fachwissen und methodologischen Kenntnissen sollte die Klärung des eigenen Eignungsprofils ein wichtiges Element des Studiums sein.

Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt (Universität Potsdam, Coping Institut Wien) hat ein Selbsterkundungsverfahren entwickelt, das - zusammen mit einer Fremdeinschätzung - Lehramts-studierenden ihre Berufseignung prüfen hilft. Prof. Schaarschmidt, das Hamburger Zentrum für Lehrerbildung und das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung der Hanse-stadt werden 200 Lehramtsstudierenden der Universität Hamburg im 1. oder 3. Semester diesen Eignungstest vorlegen. Im Anschluss können 36 Studierende mit klärungsbedürftiger Berufseignung ein Assessment-Center durchlaufen. Sie erhalten individuelle Rückmeldung und Rat für den weiteren Studienverlauf.

Das Pilotprojekt soll den bundesweiten Einsatz eines Eignungstests zu Beginn des Lehramtsstudiums etablieren helfen. Zudem sollen die aus dem Assessment-Center gewonnenen Erfahrungen systematisch aufbereitet werden und in die Studiengestaltung einfließen. So wird die Optimierung des persönlichen Eignungsprofils zum unverzichtbaren Teil des Lehramtsstudiums.

2. Die Neufokussierung setzt auch bei den Schülern an: Fast jedes dritte Kind in Deutsch-land hat einen Migrationshintergrund, mehr als 27 % der unter 25-Jährigen kommen aus Zuwandererfamilien. Lehrer mit diesem Hintergrund sind jedoch mit 1 % noch immer die große Ausnahme, bei den Lehramtsstudierenden liegt dieser Anteil mit 2 % nur unwesentlich höher. Die ZEIT-Stiftung will dies verändern helfen mit dem

Schülercampus "Lehrer mit Migrationshintergrund".

Die ZEIT-Stiftung will junge Menschen nichtdeutscher Herkunft für den Lehrerberuf gewin-nen. Lehrkräfte mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund kennen nicht nur Herkunftssprache und Mentalität der Einwandererkinder besser, sondern bilden auch eine wichtige Brücke zu den Eltern und können sie zur Mitarbeit motivieren.

Schülern aus Zuwandererfamilien fehlt es an qualitativ hochwertiger, praxisbezogener Infor-mation zur Vorbereitung der Studienentscheidung.

Um dem abzuhelfen, startet die ZEIT-Stiftung in Hamburg im Frühjahr 2008 den "Schülercampus Lehrer" - gemeinsam mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung der Hansestadt. Bei diesem Orientierungskurs können sich bis zu 30 Schüler der Se-kundarstufe II und der gymnasialen Oberstufe mit Migrationshintergrund ein eigenes Bild vom Lehramtsstudium und vom Lehrerberuf machen - und so die richtige Studien- und Be-rufswahl treffen.

3. Schulleiter haben viele und neue Aufgaben - die pädagogische Positionierung und Profilierung ihrer Schule, Personalleitung, Budgetplanung und Einhaltung der mit der Schulauf-sicht abgeschlossenen Ziel- und Leistungsvereinbarungen. Die ZEIT-Stiftung wird Lehrer für die Wahrnehmung dieser gewandelten Aufgaben motivieren und qualifizieren mit der

Nachwuchsförderung für schulische Leitungskräfte.

Es gibt in Hamburg, wie in fast allen Bundesländern, eine intensivierte Leitungsfortbildung, doch greift diese zu spät. Erst nach der Ernennung zum Schulleiter findet die Qualifizierung statt; es entstehen unnötige Reibungsverluste. Auch hält diese "Spätqualifizierung" viele Lehrer davon ab, sich auf eine Leitungsstelle zu bewerben.

In Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung Hamburg wird die ZEIT-Stiftung zur Nachwuchsförderung von Leitungskräften Lehrern in einem ca. einwöchigen Entwicklungsassessment-Center (EAC) die Möglichkeit zur Potenzialeinschätzung, Kompetenzerprobung und individuellen Entwicklungsförderung geben. Abschließend erhalten die Teilnehmer eine schulbezogene Führungsaufgabe, die sie innerhalb eines Monats bearbeiten und deren Lösung sie während einer Wochenendveranstaltung vor Experten präsentieren. Die Teilnehmer bekommen individuelle Rückmeldungen und Empfehlungen zur Weiterqualifizierung. Das Landesinstitut für Lehrerbildung setzt diese Empfehlungen in konkrete Angebote um.

Es gibt nicht nur ein deutlich verändertes Anforderungsprofil für Schulleiter, in Hamburg fin-det in den nächsten zehn Jahren ein Generationenwechsel statt: Von rund 1200 Leitungskräften in Schulen werden ca. 700 (60 %) in den Ruhestand gehen. Die ZEIT-Stiftung will deshalb, beide Entwicklungen im Blick, heute die Schulleiter von morgen stärken.

4. Sie scheinen wie Feuer und Wasser - der Trend zu Optimierung und Management und die Renaissance reformpädagogischer Bestrebungen. Die ZEIT-Stiftung veranstaltet hierzu eine

nationale Konferenz "Reformpädagogik und die Schule von morgen".

Die PISA-Studie hat die Bereitschaft erhöht, das Bildungswesen entlang einheitlicher Vorgaben (Transparenz) und überprüfbarer Ergebnisse (Output) zu strukturieren. Es gab Untersu-chungen auf Landesebene und - unterschieden nach Schularten - fachliche Standards, zunächst für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik. Parallel dazu wurden in allen Ländern mit zentralen Lernstandserhebungen und Abschlussprüfungen neue Kontrollinstrumente entwickelt.

Einerseits hat dieser neue Fokus auf Transparenz und Output zwar Bewegung in das Bildungssystem gebracht, andererseits impliziert er ein Verständnis von Bildung, das von der prinzipiellen Planbarkeit und Messbarkeit von Bildungsvorgängen ausgeht. Diese Sichtweise aber steht im Konflikt mit der Denkschule der Reformpädagogik, die augenblicklich eine Re-naissance erlebt. Mit ihrem Bekenntnis zu individuellen Lernwelten und ganzheitlichen Lern-prozessen zielt sie ganz bewusst auf eine pädagogische Position abseits empirischer Quantifizierbarkeiten.

Schlüsselfragen für viele deutsche Schulen sind daher:
o Wie sollen wir uns in diesem Spannungsfeld positionieren?
o Wo messen und testen wir?
o Wo lassen wir das selbstbestimmte Lerntempo unserer Schüler zu?

Sie stehen im Zentrum einer nationalen Konferenz 2008 zur der Rolle der Reformpädagogik in der zukünftigen Schullandschaft. Die ZEIT-Stiftung wird dazu namhafte Experten aus den Bereichen Schule, Universität und Politik versammeln.

5. DIE ZEIT-Stiftung will die Eigeninitiative und Selbständigkeit sozial benachteiligter Jugendlicher stärken und deren unternehmerisches Denken fördern. Sie unterstützt deshalb das "Network for Teaching Entrepreneurship" (NFTE). Es bildet Lehrer zu NFTE-Trainern fort, begleitet die Durchführung von NFTE-Kursen und realisiert auch die

Lehrerfortbildung Wirtschaft in Sachsen-Anhalt.

Der Verein NFTE wurde vor 20 Jahren in New York gegründet. Er hat seither mehr als 150.000 Jugendlichen in 17 Ländern weltweit ermöglicht, während ihres Schulunterrichts einen 50 Stunden umfassenden Wirtschaftskurs zu absolvieren. In Deutschland ist NFTE seit 2005 tätig, bislang in acht Bundesländern. Zurzeit machen in Deutschland knapp 800 Schüler NFTE-Kurse. Das Angebot hat bei Lehrern, Schülern und Schulverantwortlichen ein sehr positives Echo gefunden. Gerade Schüler, die der traditionelle Unterricht kaum erreicht, erzielen in den NFTE-Kursen Erfolge.

Nach einem intensiven dreitägigen Lehrertraining für 16 Lehrkräfte von acht Sekundar- und Gesamtschulen in Sachsen-Anhalt können die Lehrer zum Schuljahr 2007/08 an ihren Schulen einen NFTE-Kurs "Unternehmensstart" durchführen. Durch die starke Praxisorientierung des Unterrichts, der die Schüler auf eigene Betriebsideen bringt, gewinnen Risikoschüler Vertrauen in ihre Fähigkeiten zurück und sehen neuen Sinn in der schulischen Ausbildung.


"In der Stiftungshochburg Hamburg tut sich besonders die ZEIT-Stiftung mit vielen wertvollen Anstößen für die Bildungsarbeit hervor. Speziell für die Lehreraus- und -fortbildung wird hier Hervorragendes geleistet. Ich danke der ZEIT-Stiftung und ihren Mitarbeitern für das Engagement zugunsten besserer Bildung und wünsche mir noch viele kluge Initiativen", so Hamburgs Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die ZEIT-Stiftung, Frauke Hamann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 040/41 33 68 70, E-Mail: hamann@zeit-stiftung.de.

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