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7. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin:

26.02.2003 - (idw) Robert Koch-Institut

Symposium zur Bioterrorismus-Vorsorge und Pressekonferenz mit RKI-Präsident Reinhard Kurth

Das Ausmaß einer möglichen bioterroristischen Bedrohung in Deutschland und einzelne Maßnahmen der Risikoabwehr werden in der Öffentlichkeit derzeit kontrovers diskutiert. Zum Thema Bioterrorismus-Vorsorge veranstaltet das Robert Koch-Institut am Freitag, dem 28. Februar 2003, 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr, auf dem 7. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Berlin (Internationales Congress Centrum) ein Symposium. Zuvor findet um 11.00 Uhr, im Raum 28/29, eine Pressekonferenz statt, in der unter anderem die Themen Bioterrorismus und Infektionsschutz angesprochen werden. Presse-Statements, unter anderem von RKI-Präsident Prof. Reinhard Kurth, und Presse-Anmeldung bei MWM-Vermittlung: www.mwm-vermittlung.de/aktukit03.html, Telefon 030-8039686.

Der 7. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin wird von zwölf wissenschaftlichen Gesellschaften getragen, die ein breit gefächertes Programm mit zwölf Symposien und 29 Workshops zusammengestellt haben (http://www.infekt2003.de). Kongresspräsident ist Prof. Hartmut Lode, Zentralklinik Emil von Behring / Lungenklinik Heckeshorn. Das Robert Koch-Institut organisiert neben dem Symposium zum Bioterrorismus zwei weitere Kongressveranstaltungen: zum einen ein Symposium zu den Arbeitsschwerpunkten des Instituts als zentraler Forschungs- und Referenzeinrichtung des Bundes im Bereich der Infektionskrankheiten und der Gesundheitsberichterstattung (am Donnerstag, dem 27. Februar 2002, von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr), und zum anderen einen "Round Table" zu den Erfolgen des neuen Meldewesen (am Samstag, dem 1. März 2003, von 9.30 Uhr bis 11.00 Uhr). Hinzu kommen weitere Vorträge von RKI-Wissenschaftlern, unter anderem zu den steigenden Meldezahlen bei Syphilis.

Die Referenten des Symposiums zum Thema Bioterrorismus sind Prof. Reinhard Kurth, Dr. Andrea Ammon, Leiterin der Abteilung Infektionsepidemiologie des Robert Koch-Instituts, Prof. Ethan Rubinstein, Tel Aviv University, Infectious Disease Unit, und Dr. Klaus Riedmann von der Zentralen Informationsstelle des Bundes für Biologische Sicherheit, Robert Koch-Institut. Die Zentrale Informationsstelle des Bundes für Biologische Sicherheit mit ihrer Hotline (Tel.: 01888-754-3430) hat die Bundesregierung bereits zum 11.10.2001 am Robert Koch-Institut eingerichtet. Nachfolgend sind eine Reihe von Maßnahmen zusammengefasst, die seither zur Vorsorge gegen bioterroristische Anschläge getroffen worden sind.

Im Mittelpunkt der Maßnahmen stehen die Pocken. Die Pockenerreger sind auf andere Menschen übertragbar, es gibt nach wie vor keine kausale Therapie, und in der Vergangenheit starb etwa ein Drittel der Infizierten. "Deshalb hat die Vorbereitung auf einen solchen Fall trotz seiner geringen Wahrscheinlichkeit einen hohen Stellenwert. Optimismus ist kein Ersatz für Planung", sagt RKI-Präsident Reinhard Kurth. Die Maßnahmen im Einzelnen:

- Das Robert Koch-Institut (RKI) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung (BMGS) hat sofort nach dem 11. September 2001 und den Anthrax-Anschlägen in den USA die ohnehin vorhandenen Seuchenalarmpläne überprüft. Im Hinblick auf die neue Erkenntnis, dass grundsätzlich von einem erhöhten Bedrohungspotential ausgegangen werden muss, wurden die Pläne erweitert, die Kommunikationsnetzwerke aktualisiert und stabilisiert.

- Das RKI hat gemeinsam mit BMGS, Paul Ehrlich-Institut (PEI), Vertretern der Bundesländer und medizinischen Fachgesellschaften ein Rahmenkonzept zur Organisation von Pockenschutzimpfung erarbeitet. Die vorgeschlagene Impfstrategie orientiert sich an einem Phasenmodell, das Risiko und Nutzen der Impfung berücksichtigt. Das Konzept ist weitgehend abgeschlossen. Die Umsetzung obliegt den Bundesländern.

- Bereits im Oktober 2001 hat die Bundesregierung im Wettbewerb mit anderen Staaten vorsorglich einen Teil der Bestände an "altem" Pockenimpfstoff aufgekauft, der im Rahmen der weltweiten Eradikation der Pocken auch in der Bundesrepublik Deutschland seine Wirksamkeit bewiesen hatte. Der Impfstoff ist alles andere als veraltet: das PEI als zuständiges Bundesamt für Sera und Impfstoffe hat experimentell geprüft, dass dieser Impfstoff unverändert die Anforderungen erfüllt, die die WHO zu Zeiten der Eradikationskampagne an die Wirksamkeit von Pockenimpfstoffen gestellt hatte.

- Bis Ende 2003 ist eine Vollbevorratung für die deutsche Bevölkerung vorgesehen, deshalb wird derzeit ein entsprechender Impfstoff auf Zellkulturen in Deutschland produziert. Diese Maßnahmen stehen im Einklang mit vergleichbaren Maßnahmen der Regierungen der westeuropäischen Länder und Nordamerikas.

- Das Robert Koch-Institut hat auch Szenarien und Vorsorgemaßnahmen gegen jene Erreger erarbeitet, die nach der Einstufung durch die Weltgesundheitsorganisation für bioterroristische Zwecke geeignet sein könnten.

Weitere Maßnahmen des Robert Koch-Instituts umfassen unter anderem

- die Einrichtung eines Zentrums für Biologische Sicherheit mit diagnostischer Kompetenz für BT-Erreger und der Zentralen Informationsstelle des Bundes für Biologische Sicherheit (IBBS) mit Hotline,

- ein umfassendes und intensiv genutztes Internetangebot (http://www.rki.de/GESUND/GESUND-BT.HTM),

- die Verbreitung von Informationen für die Fachöffentlichkeit, u.a. über das wöchentlich erscheinende Epidemiologische Bulletin und Merkblätter für Ärzte,

- eine gemeinsam mit den Bundesländern erstmals erstellte Übersicht von Laboratorien, die für schnelle diagnostische Leistungen bei Verdacht auf gefährliche Erreger oder biologische Gifte in Anspruch genommen werden können.

- Eine 24-Stunden-Rufbereitschaft, eine aufsuchende Epidemiologie für Untersuchungen vor Ort, ein Ausbildungsprogramm für Epidemiologen und die Einbindung in das "Early Warning-System" der EU sind Komponenten des allgemeinen Infektionsschutzes. Das Meldewesen wurde mit dem Infektionsschutzgesetz neu strukturiert und gilt heute international als sehr leistungsfähig.


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Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Pressestelle
Nordufer 20
13353 Berlin

Tel.: 01888-754-2239
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