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Koexistenz gentechnisch veränderter und gentechnikfreier Maiskulturen

09.05.2007 - (idw) Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft

Zum dritten Mal in Folge ist jetzt auf Versuchsflächen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) und der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) Mais ausgesät worden, der gentechnisch mit einem Schutz gegen den schädlichen Maiszünsler ausgestattet ist. Der Anbau der Bt-Maissorten erfolgt innerhalb eines Forschungsprogramms des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Mit den bis 2009 ausgelegten Versuchen soll erprobt werden, wie das Nebeneinander des Anbaus von gentechnisch verändertem und konventionellem Mais (Koexistenz) realisiert werden kann, ohne dass ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Konkret geht es um Mindestabstände für den Praxisanbau, den Einfluss von Zwischenkulturen aber auch des Klimas oder der Drillrichtung auf die Auskreuzung. Des Weiteren sollen Auskreuzungsraten bei unterschiedlicher Nutzung als Körner- oder Silomais ermittelt werden. Die Wissenschaftler setzen bei ihrer Forschung nicht nur die gentechnisch veränderten Sorten ein, sondern nutzen auch ein alternatives Testsystem, bei dem die Auskreuzung einer gelbkörnigen in eine weißkörnige Maissorte untersucht wird. Dieses Farbmarkersystem eignet sich bislang jedoch nicht, um exakte, auf die landwirtschaftliche Praxis übertragbare Auskreuzungswerte zu ermitteln. Deshalb ist der Einsatz gentechnisch veränderter Maissorten im Testsystem unumgänglich.

2005 waren zunächst verschiedene Testsysteme daraufhin überprüft worden, ob sie überhaupt zur Bestimmung von Auskreuzungsraten und somit zur Ableitung von Mindestabständen geeignet sind. 2006 folgten weitere Versuche zu Mindestabständen, zur Bedeutung bestimmter Zwischenkulturen sowie einer Mantelsaat mit gentechnikfreiem Mais und zum Einfluss der Ausrichtung der Maisreihen im gentechnikfreien Maisfeld. Auf der Basis der Untersuchungen der ersten beiden Versuchsjahre haben die Wissenschaftler nun 4 verschiedene Versuchsdesigns etabliert, die 2007 zum Einsatz kommen. Angedacht ist, zukünftig mit weiteren Versuchen auch Kenntnislücken zum Nebeneinander von gentechisch verändertem und konventionellem Raps sowie ggf. weiterer Kulturarten zu schließen. Da bei der Ernte eine beträchtliche Menge an Rapssamen auf dem Feld verbleibt und mehrere Jahre im Boden überdauern kann, ist es wichtig, lange vor der Zulassung gentechnisch veränderter Sorten mit der Koexistenzforschung zu beginnen. So sollen jetzt bereits mögliche gentechnikfreie Modellsysteme, auf ihre Zuverlässigkeit getestet werden.

Auf Wunsch vermitteln die Presseverantwortlichen der genannten Einrichtungen kompetente Ansprechpartner zum Thema.

Kontakt:
Pressestelle der BBA
Dr. Gerlinde Nachtigall/Stefanie Hahn
Tel.: 0531 / 299-3204 bzw. 3207
E-Mail:pressestelle@bba.de

Pressestelle der FAL
Margit Fink
Tel.:0531 / 596-1003
E-Mail: info@fal.de

Wichtige Hintergrundinformationen:
1. Das Forschungsprogramm?
war 2004 war von der damaligen Ministerin Renate Künast initiiert worden. Die Umsetzung erfolgt in drei Ressortforschungseinrichtungen des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ), Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) und Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) und seit 2006 auch am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ). Die Koordination liegt bei der FAL. Im Jahr 2007 wird an 5 Standorten (Groß Lüsewitz, Wendhausen, Mariensee, Braunschweig und Forchheim) auf einer Fläche von 22,8 ha gentechnisch veränderter Bt-Mais angebaut. Unterschiedliche Versuchsanordnungen unter Einbindung von Feldern mit Klee/Gras, Getreide oder Sonnenblumen zwischen den Maisschlägen helfen, den Einfluss geschlossener Feldfruchtbestände zu bewerten.

2. Was ist Bt-Mais?
Das Bt-Toxin ist ein Eiweiß, das von Bakterien gebildet wird, die überall im Boden vorkommen. Es hat eine giftige Wirkung auf bestimmte Insekten, ist aber für Säugetiere und Menschen harmlos. Bt-Präparate sind seit 1964 in Deutschland als Pflanzenschutzmittel zugelassen und werden besonders im integrierten und ökologischen Landbau verwendet. Beim Bt-Mais ist das Bt-Toxin-Gen der Bakterien in das Erbgut der Maispflanzen eingebaut. Dieser somit gentechnisch veränderte Mais produziert sein eigenes Insektengift, das gezielt einen seiner ärgsten Feinde, den Maiszünsler vernichtet.

3. Was heißt Auskreuzung?
Wenn Maispflanzen blühen, bilden die männlichen Blüten Pollen. Der Maispollen gelangt mit dem Wind zu den weiblichen Blüten. Aus diesen bestäubten, weiblichen Maisblüten entwickeln sich die Samen, also die Maiskörner. Werden gentechnisch veränderter Mais und gentechnikfreier Mais benachbart angebaut, kann es bei gleichzeitiger Blüte beider Pflanzenbestände dazu kommen, dass der Pollen der männlichen Blüten des gentechnisch veränderten Mais auf die weiblichen Blüten des gentechnikfreien Mais gelangt. Die sich entwickelnden Maiskolben besitzen dann auch die neue Eigenschaft des gentechnisch veränderten Mais, in diesem Fall das Bt-Toxin-Gen. Je weiter zwei Maisbestände auseinander liegen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für eine solche Auskreuzung. Wind, Wege oder andere Pflanzenkulturen haben einen Einfluss auf die Auskreuzung.

4. Was bedeutet Koexistenz?
Wenn es zu einer Auskreuzung kommt, so kann im Erntegut des nicht gentechnisch veränderten Mais das Bt-Toxin-Gen nachgewiesen werden. Wenn mehr als 0,9% des Ernteguts das Bt-Toxin-Gen enthalten, muss der Landwirt seine Maisernte als "gentechnisch verändert" deklarieren. So hat es der Gesetzgeber geregelt. Der Landwirt kann dann unter Umständen seine Maisernte schlechter vermarkten und hat möglicherweise ökonomische Einbußen. Es handelt sich also um ein ökonomisches Problem, nicht um ein Sicherheitsproblem, da die neue Eigenschaft des Bt-Mais sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene geprüft und als unbedenklich bewertet wurde. Der Begriff "Koexistenz" beschreibt das Nebeneinander von gentechnisch veränderten und nicht gentechnisch veränderten Kulturpflanzensorten, ohne dass es zu einer Überschreitung des Schwellenwertes von 0,9% im Erntegut des letzteren kommt.


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