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Jazz als Symbol für Freiheit und Demokratie. VolkswagenStiftung bewilligt neues Forschungsprojekt an der Freien Universi

10.05.2007 - (idw) Freie Universität Berlin

Die VolkswagenStiftung hat ein neues Forschungsprojekt an der Freien Universität Berlin bewilligt. Für das Vorhaben "Jazz im 'Ostblock' - Widerständigkeit durch Kulturtransfer" stellt die Stiftung fast 350.000 Euro zur Verfügung. Die wissenschaftliche Leitung übernimmt Prof. Dr. Gertrud Pickhan vom Arbeitsbereich Geschichte des Osteuropa-Instituts der Freien Universität. An dem Projekt beteiligt sind auch Wissenschaftler in Polen, Ungarn und der Slowakei. Welchen gesellschaftspolitischen Stellenwert hatte Jazzmusik in den Staaten des "Ostblocks"? Das ist im Kern die Frage, mit der sich Wissenschaftler am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin sowie in Polen, Ungarn und der Slowakei beschäftigen werden. Jazz gilt als die Musik der Freiheit und Demokratie sowie als Symbol des American way of life - "gefährlich" also für die staatssozialistischen Gesellschaften Ost- und Ostmitteleuropas. Letztlich kann wohl kaum ein Zweifel daran bestehen, dass die Existenz einer von den Regierungen schwer zu kontrollierenden Jazz-Szene diese Musik und ihr Umfeld unweigerlich zu einem Politikum ersten Ranges machten, das zudem durch die Verbindung der Musik mit ihrem Ursprungsland geprägt wurde. So bewirkte der Transfer US-amerikanischer Kulturformen eine ideelle Stärkung oppositioneller Kreise, während die US-amerikanische Propaganda den Jazz ihrerseits als eine politische Waffe im Kalten Krieg einsetzte.

Wie also "wirkte" Jazzmusik in jenen Ländern, welchen "Widerstandsgehalt" hatte er? Dies herauszufinden, wollen sich die Forscher den Interpreten des Jazz nähern und musikalische Ausdrucksformen, Handlungsspielräume, Medien und Institutionen des Jazz untersuchen - und zwar für den Zeitraum vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch der staatssozialistischen Regime in Polen, der DDR, Ungarn und der Tschechoslowakei. Insgesamt acht aufeinander bezogene Teilstudien sind geplant; allein vier behandeln die Stellung des Jazz in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und der DDR. Ein fünftes Projekt soll am Beispiel des polnischen Jazz aufzeigen, wie die Musik selbst transatlantische Bezüge herstellte und insofern eine Möglichkeit für Widerständigkeit bildete. In einem weiteren Teilprojekt geht es um Jazz als "jüdische Musik". Zwei vergleichend angelegte Teilstudien thematisieren zum einen das Verhältnis von je eigenen nationalen Musiktraditionen und transatlantischen Einflüssen auf die Gestaltung eigenständiger Jazzmusiken und zum anderen die Funktion des Jazz als Waffe der US-amerikanischen Propaganda und deren Wirkung im Rezeptionsprozess.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gertrud Pickhan, Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin, Arbeitsbereich Geschichte, Telefon: 030 / 838-52469, E-Mail: pickhan@zedat.fu-berlin.de

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