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Von A wie Artischocke bis Z wie Zeitlose

03.03.2003 - (idw) Universität Leipzig

Der Apothekergarten der Universität Leipzig ist seit 1. März wieder öffentlich zugänglich. Damit begann die dritte Saison der Anlage. Eines der zu bewundernden Gewächse wird die Artischocke sein, die Medizinalpflanze des Jahres 2003.


Prof. Morawetz mit eienr Artischocke aus dem vergangenen Jahr Apothekergarten der Universität Leipzig öffnet wieder seine Pforten

Zeit: geöffnet ab 1. März, 9.00 bis 18.00 Uhr
Ort: Am Hospitaltore

Die Vögel zwitschern lauthals und die Schneeglöckchen schieben vorsichtig ein paar grüne Spitzen aus dem Erdreich. Aber richtig Frühling ist noch nicht in Apothekergarten der Universität Leipzig. Noch dominiert das Braun der wintertrocknen Kräuter und das Tannengrün der Eindeckungen über den empfindlichen Pflanzen.

Doch die Natur steht in den Startlöchern. Deshalb öffnete der Garten am 1. März wieder seine Pforte und lädt Studenten wie Spaziergänger, Kleingärtner wie Heilpflanzenexperten zu wissenschaftlichem Arbeiten und genüsslichem Erkunden. Damit begann die dritte Saison der im Jahre 2001 geschaffenen Anlage. "Inzwischen wächst der Garten in die Gestalt hinein, die uns bei der Planung vorschwebte", so Prof. Dr. Wilfried Morawetz, Direktor des Botanischen Gartens der Universität Leipzig.

In den Startlöchern stehen auch die Mitarbeiter des Apothekergartens, die gerade die Erläuterungstafeln erneuert haben. Doch schneller als der Frühling es zulässt, können auch sie nicht sein. Noch stecken Gruppen von Schildern funktionslos an den Beeträndern. Erst wenn keine Nachtfröste mehr zu befürchten sind, ziehen die dazugehörigen Pflanzen aus den Gewächshäusern des Botanischen Gartens hierher um. Die Anzucht der Einjährigen hat dort schon begonnen.

Die wissenschaftlich Arbeit für den Apothekergarten ruht allerdings nie. Jede der rund 250
zusammengetragenen Arten ist ausgeschildert nach dem aktuellen Stand der Forschungen. "Wenn beispielsweise Studien irgendwo in der Welt erbringen, dass eine Pflanze giftiger ist, als bisher angenommen oder neue Wirkstoffe in ihr entdeckt wurden", so Prof. Morawetz, "dann wir sofort die Beschriftung hier im Garten geändert. Immerhin sollen unsere Studenten, die Apotheker und alle Gäste immer auf dem neuesten Stand informiert werden."

Jedes Jahr werden zudem andere Pflanzen in die besondere Aufmerksamkeit der Besucher gerückt. Die Medizinalpflanze des Jahres 2003 ist die Artischocke (Cynara scolymus), die auch in Leipzig zu sehen ist. Noch allerdings ruhen die Stauden abgedeckt und stecken allein die vertrockneten Blüten des Vorjahres aus dem Winterschutz. "Aber wir haben ein paar schöne Exemplare und werden sie mit speziellen Erläuterungen versehen, " so Prof. Morawetz. "Denn die Artischocke ist nicht nur pharmazeutisch hoch interessant, sondern auch ein herrliches Gemüse für Feinschmecker."

Mit der Saison-Eröffnung im Apothekergarten beginnen auch wieder die Führungen, die durch das Institut für Pharmazie der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie unter Leitung Prof. Dr. Kurt Eger organisiert werden. Der meisten Gruppen begleitet Dr. Heidemarie Horn, Mitarbeiterin des Instituts. "Natürlich sind es hauptsächlich Pharmazie- oder Biochemiestudenten, die sich für die Pflanzen interessieren. Aber ich führe gern auch andere Wissensdurstige. So hat sich für die kommende Saison schon ein Kneipp-Verein aus Bayern und eine Gruppe aus dem Umweltamt hier angemeldet. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass beispielsweise Köche hier viele Anregungen finden."

Der Garten ist im März, April und Oktober von 9 bis 18 Uhr geöffnet, von Mai bis September von 9 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Anmeldungen zu Führungen unter 0341 - 97 36800. Die Gebühr für eine solche Exkursion beträgt 30 Euro, die Summe wird dem Förderverein des Botanischen Gartens überwiesen.

Bleibt nur die eingangs eventuell aufgetauchte Frage, was ein Schneeglöckchen in einem Apothekergarten zu suchen hat. Dazu Prof. Morawetz: "Ein Teil unserer Anlage ist die originalgetreue Nachbildung eines Kräutergartens der Renaissance, der ja den historischen Ausgangspunkt für unsere jetzige Sammlung bildet. Erwiesenermaßen hatten die damaligen Apotheker auch Schneeglöckchen auf ihren Beeten. Ab sie die nun wirklich zu Medikamenten verarbeitet haben oder sie einfach nur mochten, ist nicht ganz sicher."

Marlis Heinz

weitere Informationen:

Prof. Dr. Wilfried Morawetz
Telefon: 0341 97 38591
E-Mail: morawetz@rz.uni-leipzig.de
und
Prof. Dr. Kurt Eger
Tel.: 0341 - 97 36800
E-Mail: eger@rz.uni-leipzig.de
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