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Ein Krankenhaus für Simulanten: In Münster entsteht das bundesweit erste Studienhospital

12.06.2007 - (idw) Universitätsklinikum Münster

Der 13. Rang von 36 möglichen ist eine gute Platzierung. Prof. Volker Arolt und Dr. Bernhard Marschall, Dekan und Studiendekan der Medizinischen Fakultät Münster, sind dennoch nicht damit zufrieden: Die anderen 14 Teilnoten, die die ärztli-che Ausbildungsstätte beim jüngsten Universitätsvergleich des Centrums für Hoch-schulentwicklung (CHE) erhielt, liegen deutlich darüber. Einzig der "Praxisbezug des Studiums" ist ein Ausreißer. Damit Münster künftig auch in dieser Kategorie einen Spitzenplatz belegt, entsteht am dortigen Universitätsklinikum (UKM) ein Krankenhaus für Ausbildungszwecke. Mit der Grundsteinlegung fiel heute der offizielle Startschuss für das bundesweit einmalige Projekt. Das in ruhiger Lage am Malmedyweg, einer Seitenstraße der Waldeyerstraße, gelegene Ge-bäude rangiert bis zur endgültigen Benennung unter der Bezeichnung Studienhospital. Der Name deutet seinen Zweck bereits an: Auf den zwei Geschossen des Z-förmigen Baus sol-len Studierende der Medizin künftig lernen und trainieren, was sie an praktischen und kom-munikativen Fertigkeiten für die Ausübung ihres Berufes benötigen. "Das reicht vom Blut-druckmessen über Ultraschalluntersuchungen bis zu komplizierten Operationstechniken", umreißt Dr. Marschall die Ausrichtung des Studienhospitals.
Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten müssen die angehenden Mediziner auch jetzt schon be-herrschen. Die praktische Ausbildung an der Fakultät ist jedoch auf verschiedene Gebäude, Räume und Zeiten verteilt. Dank des Studienhospitals kann künftig alles unter einem Dach stattfinden, was Logistik und Effizienz verbessert. "Das ist aber nur ein willkommener Ne-benaspekt", sagt der Studiendekan. Entscheidend sei das Lernen im situativen Kontext. An-ders als bei den üblichen Funktionsräumen oder Trainingslaboren für die medizinpraktische Ausbildung, so genannten Skills Labs, werde beim Studienhospital Münster eine realistische Krankenhausatmosphäre geschaffen, bis hin zu Details wie dem Handwaschbecken im Ope-rationssaal. "Das ist bundesweit einmalig", freut sich der Chirurg.
Dank der detailgenauen Einrichtung und Ausstattung lasse sich im Studienhospital künftig jede ärztliche Arbeitssituation simulieren: "Das Lernen in der konkreten Situation ist keine Spielerei, sondern, wie Untersuchungen zeigen, ein wesentlicher Faktor für den Lernerfolg". Diesem Ziel dient auch die innere Struktur des Studienhospitals: Das münstersche Konzept des Unterrichts in Kleingruppen kann darin nahtlos fortgesetzt werden. Hierfür schufen Archi-tekt Christoph Lüttmann vom Büro Wörmann in Ostbevern sowie die UKM-Bauabteilung un-ter Leitung von Gerd Schoon die Voraussetzungen. Beispielsweise kann das Geschehen im Behandlungszimmer dank verdunkelbarer Innenfenster von einer zweiten Gruppe im Neben-raum beobachtet werden. Neben der Ausbildung ist die Fortbildung von Medizinern, Pflege- und Verwaltungskräften als weitere Nutzung vorgesehen.
Schon zum kommenden Wintersemester werden die ersten Bereiche in Betrieb gehen kön-nen. Dieser rasche Baufortschritt resultiert aus der Tatsache, dass das Studienhospital nicht als Neubau entsteht, sondern durch Umbau eines Schwesternwohnheimes. Der Altbau aus dem Jahr 1960 wird in drei Bauabschnitten auf seine künftigen Aufgaben vorbereitet und dabei auch eine architektonische Aufwertung erfahren: Ein vorgelagerter Glaskubus soll ei-nen Eingangsbereich schaffen, der Spinde aufnimmt und zudem Platz für eine Ausstellung zur Geschichte der Medizintechnik bietet.
Der erste, jetzt begonnene Bauabschnitt umfasst rund ein Drittel der späteren Nutzfläche von 1.700 qm und hat ein Investionsvolumen von 480.000 Euro. Die Kosten für die beiden fol-genden Abschnitte sind schwerer zu beziffern, denn das Studienhospital entsteht unter Ein-beziehung der Wirtschaft: Hersteller aus dem Baubereich und aus der Medizintechnik erhal-ten die Möglichkeit, sich an dem Projekt zu beteiligen. Das hat Vorteile für beide Seiten: "Die öffentliche Hand spart Kosten. Andererseits können die Kooperationspartner ihren Kunden hier ihre Produkte präsentieren, und zwar unter Praxisbedingungen, was in einem normalen Krankenhausbetrieb nicht möglich wäre", so Dr. Marschall.

Mit dem sauerländischen Leuchtenhersteller Trilux, der das Bauvorhaben mit einer größeren Summe unterstützt, ist der erste Sponsor bereits gefunden. Die Verhandlungen mit weiteren Interessenten verliefen Erfolg versprechend, berichtet Medizindekan Prof. Arolt. Nach seiner Vorstellung sollten die Hersteller ihre eingebauten oder aufgestellten Produkte kontinuierlich aktualisieren, um den Studierenden und Interessenten stets den aktuellen Stand der Technik zu zeigen: "In diesem Sinne ist das Studienhospital ein Projekt, das niemals fertig wird".

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