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Würzburger Krebsforscher ausgezeichnet

15.06.2007 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Auch Fische können Hautkrebs bekommen. Wie das genau vor sich geht, untersuchen Manfred Schartl und sein Team am Biozentrum der Uni Würzburg. Für seine Gesamtleistung auf diesem Gebiet hat der Professor jetzt eine Auszeichnung des Japanischen Kaiserhauses erhalten, den Prinz-Hitachi-Preis 2007 für vergleichende Krebsforschung. Der Prinz-Hitachi-Preis wurde 1995 von der Japanischen Stiftung für Krebsforschung ins Leben gerufen. Anlass war der 60. Geburtstag des Prinzen, der heute Ehrenpräsident der Stiftung ist. Der Preis genießt in Fachkreisen ein hohes Renommee und wird einmal jährlich verliehen. Manfred Schartl (54), Inhaber des Lehrstuhls für Physiologische Chemie I, bekam ihn bei einer Feier im Bankiersclub Canto in Tokio verliehen. Neben einer Medaille und einer kalligraphisch gestalteten Urkunde wurde dem Würzburger Forscher dort auch eine handgefertigte Vase aus der kaiserlichen Porzellanmanufaktur überreicht. Prinz Masahito überbrachte eine Grußbotschaft des Kaiserhauses, die japanische Vizeministerin für Erziehung, Kultur, Wissenschaft, Sport und Technologie, Yasuko Ikenobo, sprach ein Grußwort.

Schon seit den 1920er-Jahren ist bekannt, dass nach der Kreuzung bestimmter Arten von Aquarienfischen, die zu den Zahnkarpfen gehören, bei den Nachkommen stets Hauttumoren entstehen. Durch die Kreuzung gerät nämlich ein Gen außer Kontrolle und löst die Krebsbildung aus. Die entstehenden Tumoren entsprechen dem bösartigen Melanom beim Menschen.

Manfred Schartl hat dieses Krebsgen identifiziert und seine Eigenschaften beschrieben. Es enthält den Bauplan für ein Protein, das unter anderem die Zellteilung und die Zellwanderung in Gang setzt. Aufgrund einer Mutation ist das Protein bei den betroffenen Fischen fälschlicherweise dauernd aktiv. Als Folge entstehen schnell wachsende Hauttumoren, die sich stark ins umliegende Gewebe ausbreiten.

An diesem Modell untersucht der Preisträger die biochemischen Veränderungen, die beim Übergang von einer gesunden Zelle zu einer Tumorzelle auftreten. Der Fisch Xiphophorus - so heißt das Untersuchungsobjekt des Professors - gilt aufgrund dessen Arbeit heute als eines der am besten bekannten Modelle zur Krebsentstehung, wie es in der Laudatio hieß. Viele Moleküle, denen Schartl und seine Mitarbeiter beim Fisch eine Beteiligung an diesem krankhaften Prozess nachweisen konnte, hätten sich auch als bedeutsam für die Entstehung von Hautkrebs beim Menschen erwiesen.

Für bestimmte experimentelle genetische Eingriffe eignen sich Xiphophorus-Fische nicht besonders gut. Um dennoch ihr Wissen über die Krebsentstehung weiter vertiefen zu können, übertrugen Schartl und seine Mitarbeiter das Krebsgen auf Medaka-Fische. Von diesen etablierten sie dann in ihrem Labor embryonale Stammzellen, mit deren Hilfe sie nun die normale und die gestörte Entwicklung von Pigmentzellen vergleichen - aus diesem Zelltyp entwickelt sich der Hautkrebs. Außerdem gelang es den Wissenschaftlern, das Krebsgen des Fisches in Pigmentzellen von Mäusen zu bringen. An diesem Modell wollen sie prüfen, wie stark die Verhältnisse beim Fisch denen bei Säugetieren einschließlich des Menschen ähneln.

Manfred Schartl, 1953 in Friedberg in Hessen geboren, studierte Biologie und Chemie in Gießen. Er absolvierte dort das Staatsexamen fürs Lehramt an Gymnasien und das Diplom. Bei dem Forscherehepaar Fritz und Annerose Anders machte er seine Diplomarbeit - schon darin befasste er sich mit der Entstehung von Hautkrebs bei Xiphophorus - und seine Doktorarbeit, die er 1980 abschloss. Im Labor seiner Betreuer gingen führende Experten aus der Vergleichenden Krebsforschung ein und aus, was den jungen Biologen sehr stimulierte.

Nach der Promotion wechselte Schartl ans Nationale Krebsforschungsinstitut der USA in Bethesda in Maryland. Dort blieb er bis 1985 und übernahm dann die Leitung einer unabhängigen Nachwuchsgruppe im Genzentrum des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried. Während dieser Zeit habilitierte er sich an der Uni München. 1991 folgte er schließlich dem Ruf an die Medizinische Fakultät der Uni Würzburg.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Manfred Schartl, T (0931) 888-4148, phch1@biozentrum.uni-wuerzburg.de

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