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Ein Ort für Trauer und Dank

29.06.2007 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Medizinstudenten der Universität Heidelberg ehrten Körperspender mit einem feierlichen Begräbnis auf dem Kirchheimer Friedhof Sie haben ihren Körper nach dem Tod für die Ausbildung junger Medizinerinnen und Mediziner in Heidelberg zur Verfügung gestellt - nun wurden sie von ihnen gemeinsam mit den Angehörigen in feierlichem Rahmen geehrt. Am 27. Juni 2007 fand ein ökumenischer Trauergottesdienst in der evangelischen Peterskirche in Heidelberg-Kirchheim statt. Danach wurden 39 Körperspender auf dem Friedhof Heidelberg-Kirchheim im Ehrengrab der Universität Heidelberg beerdigt.

Die Gestaltung der Trauerfeier hatten die Medizin- und Zahnmedizinstudenten selbst übernommen, unterstützt von den Seelsorgern des Universitätsklinikums. "Das Engagement der Studenten ist sehr groß", so Professor Dr. Joachim Kirsch, Geschäftsführender Direktor am Institut für Zellbiologie und Anatomie der Universität Heidelberg, der die Trauerfeier jedes Jahr koordiniert. "Es melden sich immer spontan eine ganze Reihe von Freiwilligen, die die Ansprache und musikalische Beiträge vorbereiten wollen".

Engagement der Studenten ist jedes Jahr sehr groß

Auch in diesem Jahr fanden sich viele Musiker: Ein Streichquartett, Flötisten und Harfenspielerinnen sowie der Kammerchor "Camerata Carolina" der Universität Heidelberg sorgten für einen würdigen Rahmen. "Hier können sich die Studierenden bei den Verstorbenen für ihre Spende bedanken. Zudem dürfen sie nun die notwendige Distanz zu dem Körper, an dem sie ein Semester lang gelernt haben, aufgeben und Betroffenheit empfinden", erklärt Joachim Buchwald, evangelischer Seelsorger am Universitätsklinikum.

Denn betroffen sind die meisten Studenten, wenn sie zum ersten Mal einen menschlichen Körper öffnen, weiß Professor Kirsch: "Das Sezieren einer Leiche ist ein Tabu-Bruch, der auf diese Weise wieder gut gemacht werden kann. Die Spender werden vollständig beerdigt und erhalten ihre Namen zurück. Die Namen, die den Studenten während des Kurses nicht bekannt waren, werden verlesen und stehen auch auf den Urnen. Für jeden Spender wird eine Rose in ein Gesteck eingefügt."

Angehörige werden zur Trauerfeier eingeladen

Angehörige werden persönlich zur Trauerfeier eingeladen. "Manche von ihnen mussten bis zu zwei Jahre auf die Beerdigung warten, das ist oft nicht leicht. Nun bekommen sie einen Ort für ihre Trauer und im Rahmen dieses sehr feierlichen Gottesdienstes die Möglichkeit, sich zu verabschieden", so Professor Kirsch. Auf Wunsch können die Urnen von den Angehörigen auch individuell im Familiengrab oder im näheren Umkreis der Familie beigesetzt werden.

Die Beerdigungskosten für die Bestattung im Ehrengrab übernimmt das Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Heidelberg. "Viele Menschen spenden ihre Körper, weil sie ihren Angehörigen nicht die Kosten für eine Beerdigung zumuten wollen oder weil sie keine Familie haben", berichtet Professor Kirsch. In den meisten Fällen sei aber laut einer Umfrage Dankbarkeit gegenüber der Medizin die Motivation für die Spende.

Die Körperspenden werden für die Ausbildung der Studierenden von Medizin und Zahnmedizin im Anatomiekurs, der im ersten Semester stattfindet, eingesetzt sowie für die Weiterbildung von Ärzten in neuen Operationsmethoden. Pro Jahr nimmt das Institut für Anatomie und Zellbiologie 80 Vermächtnisse für Körperspenden entgegen, die Bereitschaft ist allerdings deutlich höher: Rund 600 Menschen pro Jahr aus ganz Deutschland wollen ihren Körper nach dem Tod der Universität Heidelberg zur Verfügung stellen.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Joachim Kirsch
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Im Neuenheimer Feld 307
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 54 86 57

E-Mail: sekretariat.zellbiologie@urz.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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