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Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung (inims) in Hamburg eröffnet

06.07.2007 - (idw) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Gemeinsame Pressemitteilung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung

- "inims" und Klinik für neurologie richten erste Multiple-Sklerose-Tagesklinik in Deutschland ein
- Neue Therapie-Ansätze in der Entwicklung Mit einer Veranstaltung in Gegenwart von Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger, Ph. D. (Cornell U.), wurde heute das "inims" im Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) feierlich eröffnet. Neue Therapien für alle Stadien und Verlaufsformen der Multiplen Sklerose (MS) zu entwickeln: Das ist das zentrale Forschungsziel des neu gegründeten "Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung" (inims) in Hamburg. Das neue Institut ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen dem UKE und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Das UKE hatte in einem bundesweiten Wettbewerb der Stiftung unter sieben Bewerbern den Zuschlag für die über fünf Jahre bereitgestellten 1,25 Millionen Euro Fördermittel der Hertie-Stiftung erhalten und selbst zehn Personalstellen plus drei Millionen Euro beigesteuert. Geleitet wird das Institut von Prof. Dr. Roland Martin, der am 1. September 2006 seine Tätigkeit als Institutsdirektor und Professor (W3) für Neuroimmunologie und Klinische MS-Forschung aufgenommen hatte. Professor Martin war bis 2005 in den USA Direktor der "Cellular Immunology Section" der renommierten National Institutes of Health. Der Hertie-Stiftung ist es über eine Stiftungsprofessur gelungen, ihn zurück nach Deutschland zu holen.

Ziel des neuen Instituts ist es, MS-Erkrankten einen optimalen Zugang zu bewährten, neuen und experimentellen Diagnose- und Therapieverfahren zu bieten und - noch wichtiger - neue Therapien zu entwickeln. Das Forscherteam des inims beschäftigt sich mit den Ursachen der Multiplen Sklerose, der Frage, welche Zellen des Immunsystems und des Nervensystems für die im Gehirn entstehenden entzündlichen Herde verantwortlich sind, und insbesondere mit der Entwicklung neuer Behandlungsformen: Im frühen Stadium soll mit Hilfe einer Toleranzinduktion die gestörte Immunantwort, die sich bei MS-Erkrankten gegen Strukturen der Markscheiden des Gehirns und Rückenmarks richtet, wieder in den Normalzustand versetzt werden. Einen vielversprechenden Ansatz bietet ein natürliches Phenol, das aus Olivenöl und Olivenblättern isoliert werden kann. Es überschreitet die Blut-Hirn-Schranke und soll neben neuroprotektiven Wirkungen eine Reihe anderer, für die Multiple Sklerose vorteilhafter Wirkungsmechanismen haben. Die neuroprotektive Wirkung des Phenols und die gute Verträglichkeit wurden bereits in Vorstudien bestätigt. Hoffnung gibt es auch für Patienten mit besonders aggressiver Verlaufsform der MS. In Kooperation mit der Interdisziplinären Klinik und Poliklinik für Stammzelltransplantation des UKE wurde mit der autologen hämatopoetischen Stammzelltransplantation begonnen. Die Behandlung zielt darauf ab, durch Chemotherapie das gestörte Immunsystem und alle beteiligen Zellen zu eliminieren. Durch Reinfusion autologer Stammzellen soll ein neues, tolerantes Immunsystem generiert werden.
Patientenversorgung, klinische Forschung und Grundlagenforschung werden dabei optimal vernetzt: Die Patientenversorgung findet in Kooperation mit der Klinik für Neurologie von Prof. Dr. Christian Gerloff auf dem UKE-Gelände statt, nur wenige Gehminuten vom ZMNH entfernt. Als Inhaber der Stiftungsprofessur ist Professor Martin zugleich Leiter einer MS-Einheit in der Klinik für Neurologie. Damit wird die bereits seit 1995 am UKE bestehende MS-Sprechstunde gestärkt. Zudem wurde im Frühjahr 2007 die erste MS-Tagesklinik Deutschlands eingerichtet, in der Infusionsbehandlungen und Untersuchungen ambulant durchgeführt werden können.

Multiple Sklerose ist in Mitteleuropa die häufigste autoimmun-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. In Deutschland sind mindestens 100 000 Menschen von ihr betroffen. Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch immer unbekannt. Die Hertie-Stiftung möchte mit der Einrichtung des "inims" die klinische Forschung zur Multiplen Sklerose auf hohem Niveau fördern
und das ärztliche Behandlungsangebot für MS-Erkrankte verbessern.

Prof. Dr. Roland Martin war zuletzt als Professor für Immunologie und Neurologie am Hospital Universitari Vall d'Hebron in Barcelona, Spanien, tätig. Davor hatte er von 1994 bis 2005 als Professor und Leiter einer Forschungseinheit an den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, USA, gearbeitet, einem der weltweit führenden wissenschaftlichen Institute.
Nach Promotion (1982) und Facharztausbildung in Würzburg hatte Martin bereits von 1989 bis 1991 an den NIH einen zweijährigen Forschungsaufenthalt als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verbracht. Von 1991 bis 1994 hatte er am Universitätsklinikum Tübingen als Oberarzt eine Forschungsgruppe für Neuroimmunologie und MS geleitet.
Martin ist international ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der MS-Forschung und wurde für seine Leistungen mit zahlreichen Preisen und Ehrungen, unter anderem einer Heisenberg-Professur der DFG, dem "NIH Director's Award" und dem "Heinrich Pette-Preis" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, ausgezeichnet. Seine wissenschaftlichen Arbeiten konzentrieren sich auf die Entstehungsmechanismen der MS, die mit der Erkrankung verbundenen Störungen des Immun- und des Nervensystems sowie die Entwicklung neuer Behandlungen.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ist der größte private Förderer der Hirnforschung in Deutschland. Die Stiftung möchte das Wissen über das Gehirn und seine Funktionen mehren, um so den Menschen nutzende Erkenntnisse zu gewinnen und Erkrankungen des Gehirns effektiv angehen zu können. Dafür werden seit dem Jahr 2000 durchschnittlich mehr als neun Millionen Euro pro Jahr aufgewandt. Die Hertie-Stiftung will mit der Förderung der Forschung helfen, das Wissen über die Entstehung der Multiplen Sklerose voranzubringen und kausale Therapiestrategien zu entwickeln. Seit ihrer Gründung hat die Hertie-Stiftung 43 Millionen Euro für die MS-Forschung und die Unterstützung MS-Erkrankter aufgewandt.


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