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Kunst und Diakonie

09.07.2007 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Universität Heidelberg startet demnächst zwei internationale Masterstudienstudiengänge: Kunstgeschichte und Museologie und "Diakonie - Führungsverantwortung für christliche soziale Praxis" "Vorangebracht werden müssen die gemeinsamen Master-Studiengänge mit leistungsfähigen anderen, insbesondere europäischen Universitäten", heißt es im Strategiepapier der Universität Heidelberg. Ziel eines internationalen Masterstudiengangs ist es nicht nur, das vorhandene Angebot zu erweitern und den Erwerb verfeinerter Sprachkenntnisse sowie interkulturelle Kompetenz zu ermöglichen. Studierende sollen gerade auch andere Herangehensweisen an Themen erfahren. Zwei Studiengänge, die Heidelberg mit entwickelt hat, sind fast schon serientauglich.

Da ist zum einen das Institut für Europäische Kunstgeschichte. Die Idee, einen internationalen Studiengang aufzubauen, hatte Professor Raphael Rosenberg während seiner Berufungsphase vor zwei Jahren zusammen mit seinen Kontakten nach Frankreich an die Ruperto Carola mitgebracht. Nun startet ab kommendem Wintersemester in Zusammenarbeit mit der École du Louvre Paris ein viersemestriger internationaler Masterstudiengang für Kunstgeschichte und Museologie. Bereits jetzt testen fünf Heidelberger Studierende vorab dieses Angebot, das die Kompetenzen beider international angesehener Institutionen verbindet. Voraussetzungen für dieses Studium sind außer sehr guten Deutsch- und Französischkenntnissen auch Auslandserfahrung sowie ein Bachelor oder - in einer Übergangszeit - zumindest die Zwischenprüfung plus ein Oberseminar in Kunstgeschichte.

Praxisorientierter Teil in Paris, Theorie in Heidelberg

Das Einzigartige an dem Studiengang? "Auf der einen Seite der praxisorientierte Ausbildungsteil in Paris, der sehr stark strukturiert ist. In Werkstätten der Restauratoren und mit Spezialisten aus verschiedenen Abteilungen der Museen lernen die Studierenden dort den Umgang mit dem Objekt. Auf der anderen Seite liefert das wissenschaftliche, forschungsorientierte Arbeiten, in dem die Universität Heidelberg seine Stärken hat, den theoretischen Hintergrund", erklärt Miriam Wissen, die Erasmus- und Sokratesbeauftragte am Kunsthistorischen Institut.

Zunächst stehen in Paris Kurse in Museologie, Denkmalpflege sowie Restaurierung an. Die Dozenten sind meist führende Mitarbeiter an den Museen, die an der École de Louvre unterrichten. Die Ausbildung konzentriert sich somit auf sammlungsgeschichtliche und konservatorische Fragen sowie auf Konzeption und Aufbau von Ausstellungen. Täglich können die Studierenden im Louvre oder anderen Pariser Museen Kunstwerke und ihre Präsentation analysieren. In einem empfohlenen Praktikum sowie einer mehrtägigen Exkursion sollen sie zudem ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Im anschließenden zweiten Studienjahr in Heidelberg verfeinern die Studierenden schließlich ihre methodischen Grundlagen, also wissenschaftliche Recherche und kritische Analyse - klassische deutsche Stärken, die dem Humboldt'schen Bildungsideal entsprechen. Diese Fähigkeiten benötigen sie auch für ihre Masterarbeit, die sie im zweiten Teil des Jahres kolloquienbegleitet am hiesigen Institut für Europäische Kunstgeschichte verfassen. "Der Internationale Master für Kunstgeschichte und Museologie", so Frau Wissen stolz, "ist der weltweit erste integrierte internationale Studiengang auf Masterebene im Bereich Kunstgeschichte und wird von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) bereits anerkannt und gefördert. Die Studierenden erhalten für die Dauer ihres Aufenthaltes in Paris ein Stipendium." Welche Erfahrungen haben die fünf Studien-Pioniere bislang gemacht? Sie sind zufrieden: individuelle Betreuung, geringe Studierendenzahlen und der exklusive Charakter der Ecole de Louvre verfehlen ihre Wirkung nicht. Und Raphael Rosenberg hofft, dass "nach der jetzigen Erprobungsphase" der Studiengang zum "Normalfall einer exzellenten Ausbildung" wird.

European Master of Arts in Value Based Social Services

Auf ebenso gutem Wege ist auch das Diakoniewissenschaftliche Institut. Voraussichtlich ab dem Wintersemester 2008/09 wird es einen internationalen, vom DAAD geförderten European Master of Arts in Value Based Social Services anbieten. Auf deutscher Seite arbeitet die Ruperto Carola mit den evangelischen Fachhochschulen Darmstadt, Freiburg sowie Reutlingen-Ludwigsburg zusammen, hinzu kommen Partnerschaften mit den Universitäten in Prag, Oslo und Uppsala sowie die diakonischen Hochschulen Helsinki und Oslo. Professor Heinz Schmidt berichtet: "Zwischen diesen Institutionen bestehen schon seit 1998 rege Kontakte und gemeinsame Forschungsprojekte."

Schon der deutsche Titel des ebenfalls viersemestrigen Studiums weist deutlich auf das anschließende Berufsziel hin: "Diakonie - Führungsverantwortung für christliche soziale Praxis". Das Studium ist interdisziplinär angelegt. Neun Module und ein sechswöchiges Praktikum müssen vor der Masterarbeit absolviert werden. Dabei sollten die Studierenden ein, besser zwei Semester in einem anderen Land nach ihrer Wahl verbringen. Alle Universitäten und Hochschulen bieten die gleichen fünf Kernmodule in Ethik, Europäische Geschichte der Wohlfahrt, Soziale Sicherungssysteme, Management und Wissenschaftstheorie an. Die übrigen Kurse sind länderspezifisch. Ziel ist es, auch Module in der jeweiligen Landessprache zu belegen, da diese später im Beruf unabdinglich ist, auch wenn englischsprachige Kurse zum Teil vorgesehen sind.

Die bis zu 30 Studierenden erwerben mit diesem Abschluss einen so genannten joint degree, der in allen teilnehmenden Ländern anerkannt wird. Sie sollen soziale, ethische, theologische und gesellschaftswissenschaftliche Qualifikationen mit Führungskompetenzen vereinen und so europäische Wohlfahrtssysteme vergleichen und dabei auch kritisch hinterfragen. Momentan werden Gespräche mit Südeuropa geführt, auf das der Masterstudiengang zukünftig ausgeweitet werden soll. Mit Murcia in Spanien und der Lateranuniversität würde die Kooperation dann nicht nur ein weit verzweigtes europäisches Ländergeflecht, sondern überdies ein Netzwerk über die Konfessionen hinweg umfassen.

Ulrike Bliß

Rückfragen von Journalisten bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Irene Thewalt
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

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