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Internationale Tagung des Forschungsverbunds "Textproduktion und Schreibkompetenz"

11.07.2007 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Die Tagung "Texte - Schreiben - Lernen. Textqualitäten, literale Kompetenzen und Perspektiven der Intervention", die am 12. und 13. Juli 2007 im Gästehaus der Universität Gießen (Rathenaustraße 24, 35394 Gießen, ab 14 Uhr) stattfindet, ist eine Initiative des Forschungsverbunds "Textproduktion und Schreibkompetenz", in dem sich deutsche, österreichische und Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammengeschlossen haben, um den Erwerb und die Entwicklung von Textproduktion und Schreibkompetenz im Schulalter zu untersuchen. Dafür werden linguistische, didaktische und psychologische Fragestellungen und Forschungsansätze verbunden. An der Tagung teilnehmen werden Vertreter der Bildungsforschung, der Sprachwissenschaft, der Sprachdidaktik und der psychologischen Schreibforschung. Für eine spracherwerbsbezogene und didaktische Schreibforschung werden von der Tagung, die der Gießener Germanist Prof. Dr. Helmuth Feilke organisiert, wichtige Impulse erwartet. Drei Themenaspekte stehen bei der Tagung im Vordergrund: Am ersten Tag werden Aspekte der Bereiche Bildungsforschung und Qualitätsentwicklung thematisiert. Prof. Dr. Eckhard Klieme (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt), berichtet über Methoden und Ergebnisse der DESI-Studie im Hinblick auf Schreibfähigkeiten im Fach Deutsch. Prof. Dr. Manfred Prenzel (derzeitiger Hauptkoordinator und Leiter der PISA-Studie; Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften, Kiel) legt ausgehend von Kompetenzmodellen für das Bildungsmonitoring Anregungen für die Schreibforschung dar.

Am zweiten Tag werden zwei weitere Themenaspekte behandelt. Der erste Themenaspekt betrifft textlinguistische und Spracherwerbsperspektiven. Prof. Dr. Angelika Redder (Universität Hamburg) referiert über Strukturen, Prozeduren und sprachliches Wissen schriftlicher Texte, Prof. Dr. Uta Quasthoff (Universität Dortmund) spricht über die Rolle von Genres und Modalitäten beim Erwerb von Textproduktionskompetenz, und Prof. Dr. Helmuth Feilke (Universität Gießen) berichtet über Fragen und Perspektiven des Forschungsverbunds "Textproduktion und Schreibprozess". Beim zweiten Themenbereich des zweiten Tages geht es um Forschungsperspektiven der Schreibdidaktik und Intervention. Prof. Dr. Andrea Bertschi-Kaufmann (Zentrum Lesen, Aargau) präsentiert Resultate einer Interventionsstudie zur Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen und entwickelt Orientierungen zur Förderung von Schreibfähigkeiten. Prof. Dr. Gert Rijlaarsdam (Graduate School of Teaching and Learning/Universität Amsterdam) schließlich referiert unter dem Titel "Writing - Learning to Write - Writing to Learn" Ergebnisse empirischer Studien zum Erwerb und zur Förderung von Textkompetenzen.

Die Ziele des Forschungsverbunds "Textproduktion und Schreibkompetenz" sind
1. die Bestimmung von Textqualität: Anhand welcher Kriterien lässt sich die Qualität von Texten objektiv messen?
2. die Modellierung von Schreibkompetenz: Welche Teilfähigkeiten brauchen Schreiber, um gute Texte zu schreiben?
3. die Modellierung von Schreibentwicklung: Wie entwickeln sich Schreibfähigkeiten und wie können sie gefördert werden?
Der Forschungsverbund reagiert auf ein praktisches Problem und eine Forschungslücke: Das praktische Problem hängt mit den manifesten Schwierigkeiten von Schülern beim Verfassen von Texten und den Problemen von Lehrern zusammen, die Schüler in dieser Hinsicht angemessen zu fördern. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Forschungslücke ist ebenfalls klar ersichtlich: In der deutschsprachigen Forschung sind Fragen des Erwerbs und der Entwicklung von Schreibfähigkeiten und Perspektiven einer didaktischen Förderung bislang nicht in größerem Zusammenhang untersucht worden. Es dominiert die Untersuchung der Lesefähigkeiten; die PISA-Studie ist nach wie vor in aller Munde. Das Schreiben dagegen blieb weitgehend unbeachtet. Dabei sind die Schreibfähigkeiten von mindestens gleichrangiger Bedeutung: Die Schule ist eine Schule des Lesens, wesentlich aber auch des Schreibens von Texten. Die von Schülern geschriebenen Texte sind ein Hauptbezugspunkt für die Bewertung ihrer Sprachkompetenz und eine Schlüsselgröße für ihren schulischen Erfolg, ihren Erfolg im Studium und ihren beruflichen Erfolg. In der Bildungsforschung beginnt sich diese Erkenntnis langsam durchzusetzen. So wurden zum Beispiel im Rahmen der in den Jahren 2003 und 2004 im Auftrag der Kultusminister der Länder durchgeführten DESI-Studie (Deutsch-Englische-Schülerleistungen International) umfangreiche Schreibleistungsmessungen durchgeführt, um für große Schülerzahlen verschiedener Schularten einen Stand der Schreibfähigkeiten zu ermitteln.


Kontakt:

Prof. Dr. Helmuth Feilke
Institut für Germanistik
Otto-Behaghel-Straße 10 B, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-21904
E-Mail: helmuth.feilke@germanistik.uni-giessen.de

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