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Leuphana Universität Lüneburg ernennt Ehrendoktoren

11.07.2007 - (idw) Leuphana Universität Lüneburg

Sie sind die ersten Ehrendoktoren der neuen Leuphana Universität Lüneburg: Im Rahmen des "dies academicus" am 4. Juli 2007 verliehen Universitätspräsident Professor Dr. Sascha Spoun und die Dekane der drei Fakultäten die Ehrendoktorwürde der Leuphana Universität Lüneburg an Professor Dr. Margit Osterloh, Professor Dr. Andrei Steven Markovits und Dr. Hermann Scheer. "Mit dieser Ehrung würdigt die Leuphana Universität Lüneburg international renommierte und überaus hochrangige externe Wissenschaftler", so Professor Dr. Sascha Spoun. "Wir sind stolz darauf, sie als neue Mitglieder unserer Hochschulgemeinschaft willkommen heißen zu können." Professor Dr. Margit Osterloh wurde 1943 in Brandenburg an der Havel geboren. Sie studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin und schloss ihr Studium 1970 mit dem Ingenieur-Diplom ab. Danach arbeitete sie mehrere Jahre lang bei einem mittelständischen Unternehmen in Nürnberg als Direktionsassistentin. Von 1976 bis 1981 war sie Stipendiatin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und erwarb 1981 an der Freien Universität Berlin ihren Doktortitel. 1990 habilitierte sich Margit Osterloh an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bevor sie dann einem Ruf an die Universität Zürich folgte, hatte sie eine außerordentliche Professur für Personalwirtschaft an der Universität Lüneburg inne. An der Universität Zürich ist sie seit 1991 Ordinaria für Betriebswirtschaftslehre; im Rahmen verschiedener Fellowships forschte sie unter anderem an der University of Canberra, Australien, am Institute for Advanced Study Collegeium Budapest und war Gastprofessorin an der Universität Wien.

Margit Osterlohs wissenschaftliche Interessen erstrecken sich über ein breites Spektrum an Themenfeldern. An ihrem Züricher Lehrstuhl für Organisation, Technologie- und Innovationsmanagement befasst sie sich unter anderem mit Organisationslehre, Frauen in der Unternehmung, Wissensmanagement, Unternehmens- und Wirtschaftsethik und Motivationsthemen. Mit ihren Publikationen und Vorträgen zu Manager-Entschädigungen, Motivation der Mitarbeiter und Corporate Governance ist Osterloh immer wieder Impulsgeberin für akademische und gesellschaftliche Debatten. Sie untersucht seit mehr als fünfzehn Jahren den Umgang mit Menschen und Wissen in Organisationen und setzt sich unter anderem für verbesserte Karrierechancen von Frauen ein.

Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist Margit Osterloh in einer Vielzahl von Gremien aktiv. Sie ist u.a. Beirätin der Zeitschrift "Ethik und Sozialwissenschaften", Mitglied in der Schweizerischen Managementgesellschaft, in der Schmalenbach-Gesellschaft für Personenführung, in der Internatinal Society for Innovation Management und der amerikanischen Academy of Management. Seit 2005 ist sie Mitglied des Deutschen Wissenschaftsrates. Daneben ist Osterloh Aufsichts- bzw. Verwaltungsrätin der M&W Zader Holding AG, Stuttgart/Nürnberg und der SV Group AG, Zürich.

Professor Dr. Andrei Steven Markovits wurde am 6. Oktober 1948 in Timisoara, Rumänien, geboren. Markovits' Vielsprachigkeit und sein lebendiges Interesse für verschiedene Kultur- und Staatsformen reichen bis in seine frühe Kindheit zurück: Als einziges Kind einer jüdischen Familie sprach er zuhause deutsch und ungarisch und lernte als Schüler rumänisch, englisch und französisch, bevor seine Familie nach Wien und später nach New York emigrierte.
Nach der Matura, die er 1967 in Wien ablegte, schrieb sich Markovits an der Columbia University ein. An seiner Alma Mater erlangte er innerhalb von kaum zehn Jahren fünf akademische Abschlüsse: Mit einem B.A., einem M.B.A., einem M.A., einem M.Phil und dem Ph.D. des Department of Political Science wurde er 1976 Research Associate am Center for European Studies in Harvard.

Zwischen 1977 und 1983 arbeitete Markovits als Assistant Professor am Department of Government der Wesleyan University, später wechselte er als Associate Professor an die Boston University. 1992 wurde er Professor für Politikwissenschaft an der University of California in Santa Cruz - dort war er drei Jahre lang Lehrstuhlinhaber des Department of Politics und bis 1999 Fakultätsmitglied. Seit acht Jahren ist Markovits Professor an der University of Michigan in Ann Arbor, wo er Politikwissenschaft und Soziologie unterrichtet und die Karl W. Deutsch Collegiate Professur für Comparative Politics and German Studies innehat.

Im Laufe seiner akademischen Karriere erhielt Markovits eine Vielzahl bedeutender Auszeichnungen, Stipendien und Ehrenmitgliedschaften. Er war Gastprofessor und Visiting Scholar an Universitäten in der ganzen Welt, unter anderem in St. Gallen, an der London School of Economics, an der Hebrew Univeristy in Jerusalem, an der Aranne School of History in Ramat Aviv, am Wissenschaftskolleg zu Berlin, an den Universitäten Innsbruck, Osnabrück und Bochum sowie in Berkeley und Harvard. 2006 war er Gambrinus Gastprofessor für Fußballstudien an der Universität Dortmund.

Die Themen, mit denen sich Markovits als Wissenschaftler befasst, reichen von deutscher und österreichischer Politik, Antisemitismus und Antiamerikanismus über soziale Demokratie und gesellschaftliche Bewegungen bis hin zur Beschäftigung mit der europäischen Rechten und der europäischen Linken. Zudem hat sich Markovits ausführlich mit dem Vergleich der Sportkultur in Europa und Nordamerika beschäftigt und sich in zahlreichen Publikationen dem Fußball, insbesondere in Deutschland, Österreich und den USA, gewidmet. Markovits' wissenschaftliches Werk umfasst heute 19 Bücher, über 100 wissenschaftliche Artikel, mehr als 50 Rezensionen, etwa 80 Zeitungsbeiträge in der amerikanischen und europäischen Presse und über 400 Conference Papers und Gastvorträge an Universitäten in aller Welt.

Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre setzt Markovits Maßstäbe: In diesem Jahr wurde er von den Undergraduate-Studentinnen und -Studenten der University of Michigan mit dem 17. Golden Apple Award für den "besten Professor auf dem Campus" geehrt. Darüber hinaus erhielt er den 2007 TRONSTEIN AWARD für hervorragende Lehre in der Fakultät für Politikwissenschaft.

Dr. Hermann Scheer wurde am 29. April 1944 in Wehrheim am Taunus geboren. Von 1951 bis 1953 lebte er mit seinen Eltern und drei Geschwistern in Heidelberg, später in Fulda und dann in Berlin. Nach dem Abitur am Freiherr-von-Stein-Gymnasium in Spandau ging Scheer für drei Jahre zur Bundeswehr nach Hannover, wo er zum Leutnant ausgebildet wurde. Während dieser Zeit entwickelte sich seine kritische Haltung gegenüber der Atomenergie. Nach der Bundestagswahl 1965, noch während seiner Offiziersausbildung, trat er in die SPD ein. 1967 nahm er ein Studium der Rechts- und Politikwissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg auf.

Während seines Studiums begann Scheers politische Karriere: Zunächst wurde er Präsident des Studentenparlaments und Wortführer der jungen Linken, legte dann 1972 - inzwischen an der Freien Universität Berlin immatrikuliert - sein Examen ab und arbeitete danach als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politikwissenschaften der Universität Stuttgart. 1973 wurde er Landesvorsitzender der JuSos, 1974 ihr stellvertretender Bundesvorsitzender und 1975 Mitglied im SPD-Parteirat. In der Zeit von 1976 bis 1980 war Scheer als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kernforschungszentrum in Karlsruhe tätig. Mit seiner Dissertation "Parteien kontra Bürger" promovierte er 1979 zum Dr. rer.pol. 1980 wurde Scheer erstmals in den Bundestag gewählt. Eine hohe politische Sensibilität und ein ausgeprägtes Gespür für Zusammenhänge und Entwicklungen kennzeichnen bis heute seine parlamentarische Arbeit. Sein 1986 veröffentlichtes Buch "Die Befreiung von der Bombe. Weltfrieden, europäischer Weg und die Zukunft der Deutschen" war ein erster politischer Vorstoß für die Betrachtung der Sonnenenergie unter einer generellen umwelt-, wirtschafts- und technologiepolitischen Perspektive. Mit der Gründung von Eurosolar, der europäischen Sonnenenergievereinigung, und der seit 1990 vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift "Solarzeitalter" startete Hermann Scheer seine Kampagne für die Nutzung Erneuerbarer Energien. Seine Initiativen und Ideen - sei es auf dem Gebiet der Photovoltaik, der Biomasse, der Architektur oder der Erneuerbaren Energien für die dritte Welt - wurden europa- und weltweit aufgenommen und weiter getragen.

Scheers Einsatz für die Solarenergie brachte ihm bis heute eine Reihe bedeutender Ehrungen ein. 1997 wurde er Ehrendoktor der Technischen Universität in Varna/Bulgarien; 1998 erhielt er auf der zweiten Welt-Photovoltaik-Konferenz in Wien den ersten Welt-Solarpreis. 1999 wurde ihm in Stockholm der Alternative Nobelpreis verliehen, dem 2000 der Weltpreis für Bioenergie folgte. Seit 2001 ist Scheer General Chairman des World Council for Renewable Energy; 2002 wurde er durch das TIME-Magazine als "Hero of the Green Century" geehrt.


Die drei neuen Ehrendoktoren freuen sich auf die Zusammenarbeit mit der Leuphana Universität Lüneburg: Sozialwissenschaftler Markovits will im Sommersemester nächsten Jahres ein Seminar anbieten, Professor Margit Osterlohs Interesse gilt vor allem der Universitätsentwicklung und Dr. Hermann Scheer will sich künftig auch an der Leuphana für das Thema Erneuerbare Energien engagieren.
Weitere Informationen: http://www.leuphana.de/index.php?id=4912
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