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Bayreuther Theologieprofessor Joachim Kügler fordert Priesterweihe für Frauen

23.07.2007 - (idw) Universität Bayreuth

Die Priesterweihe für Frauen hat der Bayreuther Bibeltheologe Professor Dr. Joachim Kügler (Lehrstuhl Katholische Theologie I) bei einem Internationalen Pastoraltheologischen Kongress im oberfränkischen Vierzehnheiligen gefordert. Bei dem Kongress mit Teilnehmern aus Deutschland, Kamerun, Nigeria, Österreich, und Simbabwe ging es mit dem Titel "Pastoral und Geschlecht" um die Rolle der Frau in den christlichen Kirchen. Prof. Kügler betonte, dass gerade eine traditionsverbundene Kirche wie die katholische sich nicht länger gegen bessere Einsicht wehren könne. Beim Ausschluss der Frauen vom Weiheamt handele es sich um eine frauenfeindliche Ideologie, die die eigenen Ursprünge verleugne. Bayreuth/Vierzehnheiligen (UBT). Die Priesterweihe für Frauen hat der Bayreuther Bibeltheologe Professor Dr. Joachim Kügler (Lehrstuhl Katholische Theologie I) gefordert. Bei einem Internationalen Pastoraltheologischen Kongress im oberfränkischen Vierzehnheiligen, der sich im Juli mit Teilnehmern aus Deutschland, Kamerun, Nigeria, Österreich, und Simbabwe mit dem Thema "Pastoral und Geschlecht" befasste und sich vor allem der widmete, sagte Kügler, allen "Lippenbekenntnissen zum Trotz gibt es damit immer noch keine echte Gleichberechtigung in der Kirche. Die Frauen sind von der strukturellen Herzmitte der Kirche ausgeschlossen."
Bei dem Kongress wurde auch beklagt, dass es in der katholischen Kirche, aber auch in den orthodoxen Kirchen, immer noch keine Bemühungen gibt, Frauen in voller Weise gleichberechtigt am kirchlichen Leben zu beteiligen. In Afrika sei ein Versagen der Kirchen angesichts der HIV/AIDS-Problematik zu beklagen. Weil man sich scheue, die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen zu fördern, leiste man der Ausbreitung der Seuche Vorschub.
Von verschiedenen europäischen Teilnehmern wurde besonders der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt, das nach katholischem Verständnis von zentraler Bedeutung für die Kirche ist, beklagt. Etliche Teilnehmerinnen sahen darin einen "echten Skandal, der die Kirche als Anwältin der Menschenrechte unglaubwürdig" mache und auch für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung die falschen Signale aussende.
In seinem bibelwissenschaftlichen Beitrag ging Professor Kügler auf das Taufbekenntnis ein, das Paulus im Galaterbrief zitiert. Er hob hervor, dass die einfache Unterscheidung von Sex (Geschlecht) und Gender (Geschlechtsrolle) nicht ausreiche. Allein in dem kurzen Bekenntnistext in Gal 3, den urchristliche Gemeinden zur Taufe sprachen, müsse "grammatikalisches Geschlecht", "Erlösungsgeschlecht" und "kirchliches Geschlecht" unterschieden werden. Für aktuelle Fragestellungen sei besonders relevant, dass das "kirchliche Geschlecht" keinerlei Unterschied zwischen Männern und Frauen kenne. Frauen nahmen deshalb unterschiedslos an allen Ämtern und Funktionen der Urkirche teil.
Der Bayreuther Theologieprofessor betonte, dass gerade eine traditionsverbundene Kirche wie die katholische sich nicht länger gegen bessere Einsicht wehren könne. "Der Ausschluss der Frauen vom Weiheamt hat inzwischen nichts mehr mit Theologie zu tun. Es handelt sich nur noch um eine frauenfeindliche Ideologie, die die eigenen Ursprünge verleugnet."
In der lebhaften Diskussion wurde auch behandelt, was die kirchliche Diskriminierung von Frauen für die öffentlich-rechtliche Stellung der Kirche bedeute. Etliche Beiträge warfen die Frage auf, ob der "Tendenzschutz" so weit gehen könne, dass der Staat, der sich selbst ein striktes Diskriminierungsverbot auferlegt hat, hier wirklich alles dulden könne. Prof. Kügler meinte dazu, er sehe "zumindest die Besoldung der Bischöfe aus allgemeinen Steuermitteln in diesem Zusammenhang als problematisch an. Ist es wirklich vom Grundgesetz gedeckt, dass der Staat Stellen finanziert, die Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts nicht erreichen können? Mich wundert, dass da noch niemand geklagt hat."

Die Ergebnisse des Kongresses werden in der Reihe "Werkstatt Theologie" demnächst veröffentlicht.

Weitere Informationen bei
Professor Dr. Joachim Kügler
Tel. 09575-921380
e-mail: joachim.kuegler@uni-bayreuth.de

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