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Kommentierte Edition der Melodien zu den lateinischen Osterfeiern und Osterspielen des Mittelalters

10.08.2007 - (idw) Universität Augsburg

DFG fördert auf drei Jahre ein Projekt des Augsburger Mittelaltergermanisten Johannes Janota zu den Vorläufern des volkssprachigen geistlichen Dramas.
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Mit einer auf drei Jahre angelegten Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) beginnen derzeit unter Leitung des ehemaligen Inhabers des Augsburger Lehrstuhls für deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters, Prof. Dr. Johannes Janota, die Arbeiten an einer kommentierten Edition der Melodien zu den lateinischen Osterfeiern und -spielen des Mittelalters. Wie bereits bei der Erarbeitung des 2004 erschienen umfangreiche Kommentars zur Augsburger Handschrift von Adam Reißner (siehe http://idw-online.de/pages/de/news92683) arbeitet Janota auch bei diesem neuen Projekt mit der Münchner Musikwissenschaftlerin Dr. Ute Evers und seiner Augsburger Mitarbeiterin Alexandra Schmidt zusammen. Standortvorteil Augsburg

"Ausschlaggebend für meinen Projektantrag - und letztlich wohl auch für dessen Bewilligung durch die DFG - war die ausgezeichnete hymnologische Forschungssituation auf der Grundlage der Bestände in der Universitätsbibliothek Augsburg und in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg", erklärt Janota, dessen Vermittlung es zu danken ist, dass sich die wissenschaftlichen Nachlässe der renommierten Hymnologen Walther Lipphardt und Konrad Ameln im Besitz der Universitätsbibliothek Augsburg befinden Bei diesen Nachlässen und insbesondere bei den vielfältigen Materialien, die Lipphardt im Zusammenhang mit seiner neunbändigen Textedition der lateinischen Osterfeiern und -spiele (1975-1990) gesammelt hat, handelt es sich um Forschungsinstrumente, die für die anstehende Projektarbeit unerlässlich sind. "Hilfreich bei der Lösung komplexer Probleme", so Janota, "werden auch die einschlägigen internationale Kontakte sein, die Frau Ewers als Expertin für das einstimmige Lied des Mittelalters und der Frühen Neuzeit pflegt und auf die ich selbst aufgrund meiner weit zurückreichenden Forschungen und Publikationen zum geistlichen Lied und zum geistlichen Drama des Mittelalters zurückgreifen kann."

Übersichtliche Textüberlieferung, aber kein Überblick über die Melodien

Die Textüberlieferung der lateinischen Osterfeiern und -spiele des Mittelalters, aus denen letztlich das volkssprachige geistliche Drama dieser Zeit hervorgegangen ist, lässt sich seit einiger Zeit anhand der monumentalen Ausgabe Lipphardts detailliert überblicken: Sie setzt in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts im ost- und westfränkischen Gebiet ein und reicht mit etwa 850 bekannten Überlieferungszeugnissen bis ins 16., teilweise sogar bis ins 18. Jahrhundert. Zwischen Spanien und Skandinavien verbreitet, liegt ihr Schwerpunkt in Deutschland. Während des langen Zeitraums haben sich verschiedene Typen und Varianten dieser Feiern ausgebildet. Keinen verlässlichen Überblick gibt es dagegen über die mehr als 300 Melodien, obwohl sie ein substantieller Teil der lateinischen Osterfeiern und -spiele sind: Es fehlt sowohl eine umfassende Edition wie eine differenzierte Kommentierung der Melodien, wie sie von verschiedenen Disziplinen der Mittelalterforschung seit langem immer wieder gefordert werden. Diesem desiderat wird das neue Augsburger Projekt abhelfen.

Drei Projektschritte

Das Projekt und die darauf aufbauende Publikation sind dreigeteilt: In einem ersten Schritt werden die Melodien auf wissenschaftlicher Grundlage nach einheitlichen Kriterien ediert werden. Dabei stellen die unterschiedlichen Notationsformen vor allem der Frühzeit (adiastematische und diastematische Neumen) eine besondere Herausforderung dar. Als zweiter Schritt folgt die Kommentierung jeder Melodie nach einem festen Raster (u. a. Angaben zur Quelle, editorische Probleme, Herkunft der Quelle mit regionaler und institutioneller Eingrenzung, Melodietradition, stilistische Diskussion und kritische Bewertung der bisherigen Forschungsergebnisse). Dittens schließlich soll auf der Grundlage der Einzelkommentare eine Geschichte und eine Typologie der Melodien entwickelt und parallel dazu gefragt werden, inwieweit die neu erarbeiteten Melodietypologien mit den bereits vorliegenden Texttypologien übereinstimmen.

Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte

Das Projekt "Kommentierte Edition der Melodien zu den lateinischen Osterfeiern und Osterspielen des Mittelalters" wird zum einen erstmals die zeitlich lange wie typen- und variantenreiche Überlieferung in einer kommentierten Edition der musikwissenschaftlichen wie der philologischen Forschung zur Verfügung. Es wird darüber hinaus anhand dieses europäischen und nationalen Langzeitphänomens aber auch differenzierte Einblicke in Zusammenhänge zwischen Melodie- und Kulturtransfer in überregionalen und regionalen wie in institutionellen Kontexten (Dome, Pfarr- und Klosterkirchen) eröffnen und damit auf disziplinärer Basis einen Beitrag zur Kulturgeschichte in Europa und in Deutschland leisten.

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Kontakt und weitere Informationen: johannes.janota@phil.uni-augsburg.de

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