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Odysseus und das Leid mit den Sirenen

21.08.2007 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Der Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg veranstaltet vom 3. bis 5. September eine Tagung zum Thema "Jon Elsters Theorie rationaler Bindungen" in der Leucorea in Wittenberg. Welche Leistungen kennzeichnen das Lebenswerk des norwegisch-amerikanischen Soziologen Jon Elster, der heute am Collège de France als Professor lehrt? Wie einflussreich ist sein Werk auf die zeitgenössische sozialwissenschaftliche Literatur? Mit Fragen wie diesen wollen sich die rund 20 Wissenschaftler aus ganz Deutschland drei Tage lang in Wittenberg beschäftigen. In seinen Hauptwerken "Ulysses and the Sirens" und "Ulysses Unbound" setzt sich Elster insbesondere mit dem Phänomen der Selbstbindung auseinander. Dahinter steht die Frage, wie sich Menschen an einmal getroffene Entscheidungen binden können - auch wenn es ihnen schwer fällt. Anhand der Geschichte um die bekannte griechische Heldengestalt Odysseus und seinen genialen Einfall, sich an den Mast seines Schiffes fesseln zu lassen, zeigt Elster die Wichtigkeit von Selbstbindungen auf. Dadurch konnte Odysseus dem Gesang der Sirenen lauschen, gefährdete aber weder Schiff und Mannschaft noch sein eigenes Leben wie so viele vor ihm.

"Im übertragenen Sinn begegnen uns modernen Menschen ähnliche Situationen jederzeit. Wir binden uns zum Beispiel selbst, wenn wir keine Schokolade im Haus haben, um gar nicht erst die Versuchung zum Naschen aufkommen zu lassen. Unser ganzer Alltag ist voll von individuellen und kollektiven dieser Art. Indem wir beispielsweise Pfand auf Flaschen bezahlen, können wir leichter der Versuchung widerstehen, diese einfach in den Restmüll zu werfen", sagt Prof. Dr. Ingo Pies, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität. "Die Beschäftigung mit den Bedingungen und Möglichkeiten von Selbstbindungen durchzieht Elsters Werk wie ein roter Faden. Dabei handelt es sich um ein zentrales Problem der Sozialwissenschaften: Nur wenn wir Gesetze als kollektive Selbstbindungen verstehen können, lassen sie sich demokratisch legitimieren. Es ist Elsters Verdienst, diesen Sachverhalt eingehender beleuchtet zu haben."

Die Konferenz reiht sich ein in die 14-jährige Tradition der Tagungsreihe "Konzepte der Gesellschaftstheorie". Alljährlich wird das Werk eines ausgewählten sozialwissenschaftlichen Autors von Wissenschaftlern aus dem gesamten deutschen Sprachraum erörtert und vor dem Hintergrund aktueller sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse interpretiert. So sind im Laufe der Geschichte der Tagung schon manche "Geistesriesen" debattiert worden. Darunter auch der Nobelpreisträger der Ökonomie aus dem Jahr 2006, Thomas Schelling. Aber auch Wissenschaftler wie Karl Marx, Karl Popper und Friedrich August von Hayek finden sich in der Liste der behandelten Autoren.

Die Ergebnisse der diesjährigen Konferenz werden - wie jedes Jahr - in einem Tagungsband im renommierten Mohr Siebeck Verlag veröffentlicht. Dieser enthält die gesammelten Beiträge, die von den Herausgebern Prof. Dr. Ingo Pies und Prof. Dr. Martin Leschke in den Gesamtzusammenhang gestellt werden und in ihrem Überblickscharakter auch für den Leser, der nicht vom Fach ist, interessant sein dürften.


Tagungsort:
Leucorea, Seminarraum 1/2
Collegienstraße 62
06886 Lutherstadt Wittenberg

Ansprechpartner:
Roland Frank
Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik
Tel.: 0345 55 23423 oder 01520 3603123
E-Mail: roland.frank@wiwi.uni-halle.de
Weitere Informationen: http://www.verwaltung.uni-halle.de/DEZERN1/PRESSE/tagungen/2007-09-jon-elster.pdf Das Programm der Tagung als Download (PDF-Dokument)
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