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Sozialräumliche Vernetzung gegen Kinderarmut

21.08.2007 - (idw) Fachhochschule Erfurt

Der Professor für "Menschen in besonderen Lebenslagen" am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Erfurt, Dr. Ronald Lutz, sieht die derzeitige Debatte zu möglichen Reaktionen auf die weiter steigende Kinderarmut als nicht umfassend genug. Es reiche nicht aus, Kinderarmut lediglich mit geldlichen Leistungen zu bekämpfen. Als mögliche Wege aus der Kinderarmut sieht er zwei Ebenen von Maßnahmen, gesellschaftspolitische sowie lokalpolitische und sozialpädagogische.
Professor Lutz setzt, neben den diskutierten Erhöhungen von Leistungen, vor allem auch auf lokalpolitische und sozialpädagogische Maßnahmen. Lutz: "Ich sage ja zur Erhöhung des Kindergeldes und anderer Leistungen. Wir müssen aber ernsthaft hinterfragen, ob dieses Geld auch wirklich in allen Fällen bei den Kindern ankommt. Auch müssen wir die Folgen von Benachteiligung in den Blick nehmen, und dies zeige sich besonders als Einschränkung kindlicher Autonomie und in deren Chancen Zugänge zu Bildung zu erhalten." Seiner Meinung nach spielt dabei auch die innerfamiliäre Ressourcenverteilung und die gesamte Lebenslage eine wichtige Rolle; er denkt dabei an Familien, in denen Hartz IV das gesamte Leben prägt. Es gehe darum "arme Kinder in ihrer originären Lebenswelt zu stärken, um sie damit zu befähigen die ihre Lebenschancen einengenden "Teufelskreise" zu unterbrechen", wie er in einem Aufsatz mit dem Titel "Wege aus der Kinderarmut. Zur Bedeutung sozialräumlicher Vernetzung" formuliert.
Professor Lutz forscht seit mehreren Jahren zur Kinderarmut. In Zusammenarbeit mit der Stadt Erfurt entstand unter seiner Leitung ein Konzeptpapier "Entwicklung und Aufbau einer Integrativen Sozialraumplanung in der Landeshauptstadt Erfurt", das Vernetzungen in den Sozialen Räumen vorschlägt. In einem vernetzten Vorgehen im Sozialraum sieht Prof. Lutz eine wesentliche Bedingung um die Folgen von Kinderarmut abzumildern. Er fordert vor allem eine Stärkung der Kinder durch entsprechende Maßnahmen, hier wird in der Fachdebatte von Resilienz gesprochen, um deren Lebens- und Bildungschancen zu erhöhen. Dies könne nur in einer engen Kooperation verschiedener Einrichtungen in den Sozialen Räumen realisiert werden. Als Basis und Ausgangspunkt nennt Prof. Lutz dabei die Kindertagesseinrichtung, die dann aber zum Familienzentrum ausgebaut werden müsste. Deren Aufgabe sieht er dann zum einen in frühkindlicher Bildung, die besonders Kinder aus benachteiligten Lebenslagen fördert, und zum anderen im Aufbau von Angeboten für Eltern. Neben Beratung könnten dies auch Trainings in Wirtschafts- und Haushaltskompetenzen sein. Über die Kindertageseinrichtung könnten dann auch Hausbesuche, in Abstimmung mit anderen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe organisiert werden. Pof. Lutz sieht darüber hinaus auch die Notwendigkeit den Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule zu begleiten. Allerdings müssten benachteiligte Kinder in die Kindertageseinrichtungen gehen. Politische Maßnahmen Eltern stattdessen Geld zu geben hält er für nicht sehr sinnvoll.

Kontakt: 0361 6700-510, lutz@fh-erfurt.de
Aufsatz und Konzept auf http://www.fh-erfurt.de/so/homepages/lutz/index.htm
bzw. http://www.fh-erfurt.de/aktuell/WegeAusKinderArmutIII.pdf

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