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Hormone in der Umwelt

19.03.2003 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

Eine Gefahr für Mensch und Tier? Prof. Dr. Werner Kloas trägt an der Urania vor

Hormone versetzen uns in Angst. Sie machen uns verliebt und regeln unsere Fortpflanzung. Und sie können krank machen. Gerät zum Beispiel die Hormonproduktion in der Schilddrüse außer Kontrolle, dann drohen schwerste Krankheiten: von Herzrhythmusstörungen über geistigen Verfall bis hin zum Schlaganfall. Immer häufiger gelangen Hormone in die Umwelt, sei es aus weggeworfenen Arzneimitteln oder über die Ausscheidungen von Menschen und Tieren, die Hormonpräparate einnehmen. Hinzu kommen Substanzen, die im Organismus so ähnlich wirken wie Hormone oder deren normale Bildung verhindern, beispielsweise Industrie- und Agrochemikalien.

Solche hormonell wirksamen Stoffe lassen sich in Gewässern nachweisen. Werner Kloas geht am Berliner Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) seit Jahren der Frage nach, wie stark sie Tiere schädigen und ob auch Gefahren für den Menschen zu erwarten sind. Unter anderem untersucht der Wissenschaftler Froschlarven (Kaulquappen), die hormonell wirksamen Stoffen ausgesetzt wurden. "Diese Substanzen werden tatsächlich in Gewässer eingebracht, zum Beispiel durch Industrie- und Agrochemikalien", sagt Kloas. Zwei Hormonsysteme sind hiervon vor allem betroffen: die Fortpflanzung und das Schilddrüsensystem. Die Fortpflanzung wird überwiegend durch Stoffe, die wie die männlichen bzw. weiblichen Geschlechtshormone wirken oder deren Wirkungen verhindern, negativ beeinflusst. Dadurch kommt es zu Vermännlichungs- oder auch Verweiblichungsphänomenen, was bei manchen Tiergruppen wie Fischen und Amphibien sogar zu einer dramatischen Verschiebung des Geschlechterverhältnisses führt. Beim Menschen werden in diesem Zusammenhang die steigende Quote der Unfruchtbarkeit wie auch Veränderungen geschlechtertypischer Verhaltensweisen diskutiert.

Die Schilddrüse beeinflussenden Stoffe hemmen fast alle die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Die Folge ist an Froschlarven sichtbar: ein Kropf. Der Kaulquappen-Test ermöglicht es, die Umweltwirkung von Chemikalien vor der Zulassung zu prüfen. Er zeigt aber auch, welche Gefahren den Menschen drohen: "Durch eine Hemmung der Schilddrüsenhormone während der Entwicklung im Mutterleib kommt es zu schweren geistigen Behinderungen, dem Kretinismus, und bei Erwachsenen zur Kropfbildung", erläutert Kloas.

Prof. Dr. Werner Kloas vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin wird am Dienstag, 25. März, um 17.30 Uhr in der Urania zum Thema "Hormone in der Umwelt: eine Gefahr für Mensch und Tier?" vortragen. Werner Kloas steht vorab für Interviews zur Verfügung. Auf Wunsch kann auch Fotomaterial von Kaulquappen zur Verfügung gestellt werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Werner Kloas (ab Donnerstag): 030 / 6 41 81-630 (werner.kloas@igb-berlin.de)
Dr. Ilka Lutz: 030 / 6 41 81-638 (ilka.lutz@igb-berlin.de)

Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es betreibt multidisziplinäre Grundlagenforschung zur Struktur und Dynamik aquatischer Ökosysteme. Das IGB erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen für neue Ökotechnologien, für nachhaltige Binnenfischerei und für ökotoxikologische bzw. -physiologische Bestimmungskriterien der Gewässergüte. Die Forschungen werden an Grundwasser, Seen, Flüssen und deren Einzugsgebieten überwiegend im nordostdeutschen Tiefland betrieben. Das Institut hat rund 170 Mitarbeiter und einen Etat von zirka elf Millionen Euro.

Der Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB) ist Träger von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Forschungsinstituten in Berlin, die alle wissenschaftlich eigenständig sind, aber im Rahmen einer einheitlichen Rechtspersönlichkeit gemeinsame Interessen wahrnehmen. Diese Pressemitteilung ist auch, mit Umlauten, von den Internet-Seiten des Forschungsverbundes Berlin herunterzuladen: http://www.fv-berlin.de (Stichwort: Pressemitteilungen)

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