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Jena 1803: Krisenjahr einer Universität

21.03.2003 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wissenschaftsgeschichtliche Tagung vom 26.-27. März an der Uni Jena

Jena (20.03.03) Die Kassen sind leer, die politischen Verhältnisse unsicher, andere Unis werben die besten Professoren ab: Was wie der Albtraum eines Hochschulrektors von heute klingt, hat die Jenaer Alma Mater schon vor 200 Jahren zu spüren bekommen. Wie die damals renommierteste Universität Deutschlands in die Krise geriet, sie als Chance zum Neuansatz nutzte und sich schließlich einem gewandelten Wissenschaftsverständnis öffnete, ist Thema der Tagung "1803 - Krise oder Paradigmenwechsel?", die vom 26.-27. März an der Friedrich-Schiller-Universität Jena stattfindet.

"1803 war nicht nur ein Krisenjahr für die Jenaer Universität, sondern steht auch für eine Umbruchszeit in den Wissenschaften allgemein", sagt der Organisator der Tagung, Dr. Gerhard Müller vom Jenaer Sonderforschungsbereich (SFB) "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800". "Geistes- und Naturwissenschaften begannen sich auseinander zu entwickeln, und eine immer stärkere Differenzierung des Wissens setzte ein", erklärt Müller. Diese Veränderungen wurden grundlegend für die Moderne. "Am Beispiel des kleinen, aber lebendigen und weltoffenen Kulturraums Weimar-Jena lassen sie sich wie unter einem Vergrößerungsglas beobachten - und zwar am besten, wenn sich Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fächern zusammensetzen und ihre Perspektiven miteinander abstimmen", so der Jenaer Historiker. Um das Gespräch zwischen den Disziplinen zu erleichtern, sollen ihre verschiedenen Ansätze durch die Tagung unter einer übergreifenden Fragestellung gebündelt werden - mit dem Ziel, die Krise und den Neuansatz von 1803 so detailliert wie möglich in den Blick zu bekommen.

Auch in der alltäglichen Arbeit des Sonderforschungsbereichs "Ereignis Weimar-Jena" wird Interdisziplinarität groß geschrieben. "Unser SFB ist einer der wenigen in Deutschland, in dem Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler ein gemeinsames Projekt verfolgen", unterstreicht Prof. Dr. Klaus Manger. Der Germanist von der Friedrich-Schiller-Universität ist Sprecher der seit 1998 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Einrichtung, an der außer der Uni Jena auch die Stiftung Weimarer Klassik und die Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar beteiligt sind. "Im Ereignis Weimar-Jena überlagerten sich Aufklärung, Klassizismus, Klassik, Idealismus und Romantik. Der SFB soll diese Konstellation in ihrer Gesamtheit neu bestimmen - und zwar durch miteinander verflochtene Teilprojekte aus Literatur-, Sozial- und Politischer Geschichte, aus Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und den Naturwissenschaften. Nur so lässt sich die Kulturverdichtung in Weimar-Jena um 1800 angemessen verstehen", fasst Manger die Ziele des Sonderforschungsbereichs zusammen.

Dieser weit gespannte Ansatz spiegelt sich auch im Programm der Tagung zur Krise von 1803. So werden die Teilnehmer zum Beispiel Fragen der Philosophie- und Frauengeschichte, aber auch das Vorlesungsangebot der Jenaer Medizinischen Fakultät von 1803 und die Zusammenlegung der Lehrstühle für Physik und Mathematik thematisieren. Besonders gespannt ist Manger auf den Vortrag "Goethes 'Faust' und die Natur. Urbild, Trugbild oder Leitbild?", den Prof. Dr. Luciano Zagari von der Universität Pisa halten wird. "Luciano Zagari ist einer der Stars der italienischen Germanistik. Mit ihm konnten wir einen der besten Kenner der Kultur um 1800 als Tagungsgast gewinnen", freut sich SFB-Sprecher Manger.

Die Tagung des Sonderforschungsbereichs, zu der die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist, findet im Senatssaal des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) statt. Informationen zum Programm unter: http://www.uni-jena.de/ereignis/fr_tagung.htm.

Kontakt:

Prof. Dr. Klaus Manger
Friedrich-Schiller-Universität Jena
SFB 482: Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800.
Humboldtstr. 34, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944050; Fax: 03641 / 944052
E-Mail: elke.mueller@uni-jena.de
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