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Erster Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft geht an Dr. David Roesner (Exeter)

23.10.2007 - (idw) Universität Bayreuth

Der mit 1500,- ¤ dotierte Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft - Thurnau Award for Music Theatre Studies 2007 geht an Dr. David Roesner (Exeter). Der Preis wird anlässlich des dreißigjährigen Bestehens des FIMT am 22. November 2007 während eines Festaktes, u. a. in Anwesenheit des bayerischen Wissenschaftsministers Dr. Thomas Goppel, verliehen. Über die Vergabe des Preises hat jetzt eine international zusammengesetzte Jury mit Gundula Kreuzer (Yale University), Prof. Dr. Anselm Gerhard (Universität Bern), Prof. Dr. Thomas Betzwieser (Bayreuth) und Prof. Dr. Anno Mungen (Bayreuth/Thurnau) entschieden. Bayreuth/Thurnau (UBT). Der mit 1500,- ¤ dotierte Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft - Thurnau Award for Music Theatre Studies 2007 geht an Dr. David Roesner (Exeter). Der Preis wird anlässlich des dreißigjährigen Bestehens des FIMT am 22. November 2007 während eines Festaktes, u. a. in Anwesenheit des bayerischen Wissenschaftsministers Dr. Thomas Goppel, verliehen. Über die Vergabe des Preises hat eine international zusammengesetzte Jury mit Gundula Kreuzer (Yale University), Prof. Dr. Anselm Gerhard (Universität Bern), Prof. Dr. Thomas Betzwieser (Bayreuth) und Prof. Dr. Anno Mungen (Bayreuth/Thurnau) entschieden.
Mit dem Preis wird Roesners Aufsatz "The politics of the polyphony of performance. Musicalization in contemporary German theatre" belohnt, der mit einem modernen methodischen Ansatz zugleich herausragendes wissenschaftliches Potential beweist. Roesner ist mit seiner wissenschaftlichen Arbeit zum Musiktheater des 20. Jahrhunderts in Fachkreisen kein Unbekannter. In seinem nun prämierten Aufsatz interpretiert er die Formen der Musikalisierung insbesondere im so genannten Sprechtheater als eine der wesentlichen zukunftsweisenden Tendenzen des zeitgenössischen Theaters.
David Roesners Artikel beschreibt und untersucht das Phänomen der Musikalisierung im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater als eine (Wieder-) Entdeckung der Musikalität von Sprache, Bewegung, Geräusch, Licht und anderen theatralen Ausdrucksmitteln und nicht als bloße Steigerung des Musikanteils in Schauspielproduktionen. Anhand der Arbeiten von Ruedi Häusermann, Sebastian Nübling, Heiner Goebbels, Christoph Marthaler und Einar Schleef beobachtet Roesner wie Musikalisierung in Bezug auf den Probenprozess, die Aufführung und die Rezeption durch das Publikum neue Erfahrungsräume eröffnet. Darsteller und Zuschauer verhandeln ihre Erwartungen und ihre Gewohnheiten der Bedeutungsproduktion auf dem Theater neu. Im Fall von Heiner Goebbels beispielsweise ermöglicht die "Polyphonie der theatralen Ausdrucksmittel" (Goebbels) dabei ein Theatererlebnis, das von den traditionellen Arbeits- und Bedeutungshierarchien (also das Primat des Regisseurs und des Textes) befreit ist.
Der Preisträger Dr. David Roesner, 1972 in Stuttgart geboren, studierte "Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis" in Hildesheim, Bath und Bologna. 1998 schloss er sein Studium mit einer Diplomarbeit über "Körper - Komik - Kunst - Kommerz: Elemente der Commedia dell'Arte in den Silent Slapstick Comedies" ab. Vier Jahre später promovierte er über das Thema "Theater als Musik. Verfahren der Musikalisierung in chorischen Theaterprojekten bei Christoph Marthaler, Einar Schleef und Robert Wilson".
Darüber hinaus arbeitete Roesner als Theatermusiker und Regisseur für eine Vielzahl verschiedener Theaterproduktionen, darunter genauso theaterpädagogische wie professionelle Projekte, insbesondere in Kooperation mit dem Stadttheater Hildesheim. Nach mehreren Lehraufträgen war Roesner von 2002 bis 2005 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien und Theater der Universität Hildesheim. Es folgten Gastdozenturen an der Universität Bern und der Universität Mainz. Seit 2005 ist Roesner Lecturer in Drama an der University of Exeter, Großbritannien
Der Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft wurde erstmals in der dreißigjährigen Geschichte des Forschungsinstituts für Musiktheater (FIMT) an der Universität Bayreuth ausgelobt. Er möchte neue Standards in der Musiktheaterwissenschaft mit diesem Wettbewerb anregen.
Eingesandt werden konnten Aufsätze und Essays zu allen relevanten Themenbereichen: von der Oper zum Musical, vom Vaudeville oder der Revue zum Musik-Film und zur Filmmusik, vom Ballett über das Tanztheater zur Tanzperformance, von der Aufführungs-Analyse zur Analyse von Partituren oder Librettos.
Das Forschungsinstitut für Musiktheater (FIMT) an der Universität Bayreuth ist eine international einmalige Forschungseinrichtung, die sich mit dem Musiktheater in seinem weitest denkbaren Verständnis befasst. Das Institut in der Schlossanlage im oberfränkischen Thurnau verfügt über eine einzigartige Bibliothek und umfangreiche dokumentarische Sammlungen, die von Wissenschaftlern und Praktikern aus aller Welt konsultiert werden.
Im November dieses Jahres feiert das Institut "30 Jahre FIMT in Thurnau". Zum Auftakt des Jubiläums stellen sich Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen in einer Ringvorlesung der Frage "Was ist Musiktheater?". Dabei wird es um nicht weniger als um die Positionierung der Musiktheaterforschung in einen größeren interdisziplinären Zusammenhang sowie um die Profilierung neuer methodischer Verfahren gehen. Darüber hinaus findet vom 21. bis 23. November ein Nachwuchswissenschaftler-Kongress mit dem Thema "Musiktheater: Von der Wissenschaft zur Praxis" statt.

Der Festakt am 22. November wird mit einem Gesprächskonzert unter dem Titel "Töchter, Tänzer und Teufel - Bühne und Ballsaal im Salon" flankiert.

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