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Informatik zum Anfassen - Nachbau der historischen Chiffriermaschine Enigma

24.10.2007 - (idw) Hochschule Ravensburg-Weingarten

An der Hochschule Ravensburg-Weingarten läuft schon seit mehreren Jahren ein Projekt der besonderen Art. Professor Dr. Wolfgang Ertel vom Studiengang Angewandte Informatik initiierte und koordiniert den Nachbau der historischen Chiffriermaschine Enigma I. Die Lehrlinge des Kooperationspartners KaVo Biberach haben mittlerweile die ersten Walzen des hochkomplexen Gerätes fertig gestellt. Professor Ertel freut sich schon darauf, die Enigma seinen Studenten in der Vorlesung Datensicherheit als Anschauungsobjekt zu präsentieren. Professor Dr. Wolfgang Ertel beugt sich mit leuchtenden Augen über den Tisch in der Lehrwerkstatt der Firma Ka Vo. Vor ihm liegen mehr als 50 Plastiktütchen prall gefüllt mit silbernen Metallröhrchen, winzigen goldfarbenen Schräubchen, Plättchen mit unterschiedlichen Bohrungen sowie drei Stapel Stahlringe mit eingravierten Ziffern. Aus all diesen Einzelteilen soll später einmal ein ganz besonderes Werkstück entstehen: die Enigma I. In einem Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Ravensburg-Weingarten und der Biberacher Firma wird die historische Chiffriermaschine originalgetreu nachgebaut.

Das Wort Enigma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Rätsel - ein passender Name für die hochkomplizierte Rotor-Schlüsselmaschine. Auf den ersten Blick erinnert sie an eine Schreibmaschine, doch im Inneren verbirgt sich eine Technik, die geheime Kommunikation möglich macht. Das Verschlüsselungsverfahren galt lange Zeit als unknackbar und wurde im zweiten Weltkrieg zur Übertragung von Funksprüchen der deutschen Armee eingesetzt. Nur durch hochkomplizierte Mathematik, Fehler in der Handhabung und Spionage gelang es schließlich den Alliierten, das Rätsel zu lüften - ein entscheidender Umstand für den weiteren Verlauf des Krieges.

"Die drei Faktoren Mathematik, Handhabung und Spionage spielen heute noch eine große Rolle, wenn es in der Informatik um Datensicherheit geht", erklärt Dr. Wolfgang Ertel. Schon seit vielen Jahren träumt der Professor für Informatik davon, seine Vorlesung zum Thema Datensicherheit durch eine originale Enigma anschaulicher zu machen. "Die gesamte Informatik ist heutzutage abstrakt, bei der Enigma hingegen klickt und knackt es - das ist quasi Informatik zum Anfassen", freut sich Ertel. Da die Anschaffung der Maschine viel zu teuer wäre, suchte er nach einer anderen Lösung und fand schließlich in Walter Herzhauser von der Biberacher Firma Ka Vo einen optimalen Kooperationspartner. Das Unternehmen ist in der Dentalbranche tätig und verfügt deshalb über Maschinen, mit denen sich präzise Kleinstteile fertigen lassen.

Vom Bau der Enigma profitieren nicht nur die Weingartner Informatiker, sondern auch die Lehrlinge von KaVo. Da die Baupläne nicht ohne Weiteres zugänglich sind, hat ein Student ein Enigma-Modell aus dem wehrtechnischen Museum in Koblenz zerlegt, vermessen und skizziert, eine weitere Studentin fertigte aus diesen Skizzen CAD-Vorlagen an. Diese ungewöhnliche Vorgehensweise birgt so manche Fehlerquelle. "Unsere Lehrlinge lernen dabei, nicht blind nach Zeichnung zu arbeiten, sondern sie müssen immer überpüfen, ob die Vorlagen auch stimmen", betont Walter Herzhauser. Der wirklich spannende Moment komme dann aber, wenn die Einzelteile zu einem Ganzen zusammengesetzt werden. Bis dahin wird schätzungsweise noch ein Jahr vergehen.
Weitere Informationen: http://www.enigma.fh-weingarten.de/ - weitere Informationen über das Enigma-Pprojekt
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