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Förderpreis für Schmerzforschung an Düsseldorfer und Mainzer Forscher verliehen

25.10.2007 - (idw) Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Bei der Behandlung von Rückenschmerzen müssen Mediziner umdenken. Untersuchungen mittels quantitativer sensorischer Testung - einer Reihe einfacher Sinnestests durch leichte Berührungen der Haut - brachten eine Überraschung: Die bislang als zwei getrennte Krankheitsbilder betrachteten und verschieden behandelten radikulären und pseudoradikulären Rückenschmerzen sind gar nicht so klar von einander zu unterscheiden. In beiden Fälle sind entgegen bisheriger Annahmen Nerven geschädigt. Für ihre Studie wurden der Düsseldorfer Wissenschaftler Priv.-Doz. Dr. Rainer Freynhagen und der Mainzer Forscher Dr. Roman Rolke beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin gemeinsam mit dem mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2007 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V.. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen). Sind Nerven beschädigt oder nicht?
Wenn der untere Rücken schmerzt, weil Nervenwurzeln eingeklemmt sind, strahlt der Schmerz oft in Bereiche der Beine aus, die von den betroffenen Rückenmarksnerven versorgt werden. Sind Nerven selbst beschädigt, sprechen Mediziner von radikulären Rückenschmerzen. Zur Diagnosestellung werden vermeintlich charakteristische Symptome herangezogen: etwa eine Schmerzausstrahlung über das Knie hinaus, motorische oder sensible Defizite und Reflexausfälle. Sind die Grenzen der Schmerzausbreitung unscharf oder fehlen weitere Symptome, werden die Rückenschmerzen als pseudoradikulär bezeichnet. Man ging bis heute davon aus, dass hierbei keine Nervenfasern geschädigt sind, und geht bei der Behandlung entsprechend anders vor. "Radikuläre Patienten bekommen optimalerweise eine Medikation, die sich auch gegen Nervenschmerzen richtet (Antidepressiva und Antikonvulsiva), während pseudoradikuläre meistens nur mit NSAIDs, Muskelrelaxantien und/oder Opioiden behandelt werden", erklärt Dr. Freynhagen.

Kein Unterschied zwischen beiden Patientengruppen
Um dieses Vorgehen zu überprüfen, untersuchten die Düsseldorfer Spezialisten 30 Patienten und 16 gesunde Kontrollpersonen mittels quantitativer sensorischer Testung (QST). Dabei wird die Sensibilität der Haut durch Berührungen z.B. mit feinen Haaren, leichte Vibrationen oder Reizung mit verschiedenen Temperaturen genau bestimmt. Auf diese Weise lassen sich das Vorhandensein und das Ausmaß von Nervenschädigungen sehr einfach und präzise nachweisen. Es zeigte sich, dass auch bei Patienten mit diagnostizierten pseudoradikulären Rückenschmerzen die Funktion der Nerven beeinträchtigt war. "Die sensorischen Profile beider Patientengruppen spiegelten den gleichen Verlust der Funktion von Nervenfasern wider, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt", fasst Dr. Freynhagen zusammen. "Wir haben aber keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen gefunden."

Fließender Übergang
Was die Diagnostik und Behandlung von Rückenschmerzen angeht, müssen Ärzte also umdenken: Die Studie legt nahe, dass pseudoradikuläre und radikuläre Rückenschmerzen nicht zwei unterschiedliche Erkrankungen, sondern eher ein fließendes Krankheitskontinuum sind und gegebenenfalls auch entsprechend behandelt werden müssen. Mit den gewöhnlich angewandten diagnostischen Methoden lassen sich die verschiedenen Schmerzkomponenten nicht sicher unterscheiden. Die Testbatterie QST ist in der Lage, auch klinisch nicht auffällige Beeinträchtigungen von Nervenfasern nachzuweisen.


Ansprechpartner
Priv.-Doz. Dr. Rainer Freynhagen, Leitender Arzt Schmerztherapie und Palliativmedizin, Klinik für Anästhesiologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Tel. 0211/81-16157, E-Mail: freynhagen@med.uni-duesseldorf.de

Dr. Roman Rolke, Institut für Physiologie und Pathophysiologie und Klinik für Neurologie, Johannes Gutenberg Universität Mainz, Tel: 06131-175984,
E-Mail: rolke@uni-mainz.de

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