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MHH ehrt 146 Doktoranden

02.11.2007 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

Freundegesellschaft und Hannoversche Leben vergeben Preise und Stipendium / Promotionsfeier am Freitag, 2. November, um 15 Uhr in Hörsaal F 146 Gründe zum Feiern: Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) lädt für Freitag, 2. November 2007, um 15 Uhr zum dreizehnten Mal Doktoranden und deren Angehörige in den Hörsaal F zur Promotionsfeier ein. MHH-Präsident Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann wird die Urkunden für die Doktorarbeiten 63 jungen Ärztinnen und 69 Ärzten, einer Zahnmedizinerin und fünf Zahnmedizinern sowie sechs Humanbiologinnen und einem Humanbiologen überreichen. Zum ersten Mal in der Geschichte der MHH wird zudem eine Doktorandin den Titel Doktor Public Health (Dr. PH) erhalten. Elf Doktoranden haben ihre Promotionen "mit Auszeichnung" abgeschlossen. Unter den 146 Doktorranden sind 71 Frauen und 75 Männer.

Die beiden Promotionspreise gehen an Dr. med. Manuela Friederike Lehmann, 27, MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie und an Dr. med. Heinz Arnold, 29, Klinik für Kinderheilkunde, Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie. Die Auszeichnungen sind mit je 2.500 Euro dotiert und werden von der Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e.V. vergeben - wie auch das mit 12.500 Euro dotierte Hannelore-Munke-Forschungs-Stipendium 2007 zur Förderung der Krebsforschung. Stipendiatinnen sind Dr. med. Kerstin Püllmann, 34 Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation sowie Dr. med. Imke Satzger, 35, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Das Unternehmen Hannoversche Leben verleiht während der Promationsfeier den mit 10.000 Euro dotierten Sir Hans Krebs-Preis - in diesem Jahr an PD Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, 46 - und würdigt damit besondere Leistungen in der Grundlagenforschung. Den mit 2.500 Euro dotierte Promotionspreis Tumorforschung, verliehen von der Freundegesellschaft, erhält in diesem Jahr Dr. med. Jan-Henning Cornelius Klusmann, 28.
Die Preisträger und ihre Arbeiten im Einzelnen:

Promotionspreise

Hepatitis C bei Hochrisikopatienten
Dr. med. Manuela Friederike Lehmann, 27, MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, untersuchte in ihrer Dissertation Aspekte von Hepatitis C bei jugendlichen männlichen Gefängnisinsassen der Jugendanstalt in Hameln. Hepatitis C ist eine entzündliche Lebererkrankung, die durch Viren verursacht und durch Blut übertragen wird - bei Menschen mit intravenösem Drogenkonsum kommt sie häufig vor. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden epidemiologische, virologische, suchtmedizinische und immunologische Daten bei zumeist drogenabhängigen Gefängnisinsassen gesammelt, deren wissenschaftliche Auswertung international auf großes Interesse gestoßen ist.
Die Medizinerin konnte nachweisen, dass sich der Gesundheitszustand der Patienten nach Haftantritt relativ schnell verbesserte. Die Untersuchung zeigte auch, dass in der Gruppe der Spätaussiedler aus der Sowjetunion eine signifikante Häufung der Hepatitis-C-Fälle auftritt. Bei den Untersuchungen zum Verlauf der Erkrankung wurden unterschiedliche spontane Ausheilungsraten in Abhängigkeit vom Virussubtyp nachgewiesen, die schließlich Auswirkungen auf die empfohlenen Therapien hatten. Außerdem wurden einzelne Patienten identifiziert, bei denen die Infektion symptom- und folgenlos ausgeheilt werden konnte, wobei die erwartete Bildung von Antikörpern ausblieb.

Prävention chronischer Lungeninfekte bei Mukoviszidose Patienten Dr. med. Heinz Arnold, 29, MHH-Klinik für Kinderheilkunde, Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie, untersuchte am Mausmodell die Prävention der chronischen Lungeninfektion bei Mukoviszidose (Cystischer Fibrose). Für Patienten mit Cystischer Fibrose ist die chronische Infektion der Atemwege mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa eines der häufigsten Probleme - auch mit dem Einsatz von Antibiotika gelingt es in der Regel nicht, den Infekt zu heilen. Dr. Arnold und seine Kollegen suchten deshalb nach einer Strategie, um in der Schleimhaut der Atemwege die Immunabwehr gezielt zu stärken. Da die Schleimhaut des Darms mit der der Lunge verbunden ist, wurde zunächst im Darm die Immunabwehr stimuliert. Als "Transporter" für den Impfstoff dienten genetisch modifizierte, nicht krankheitserregende Salmonellen, die wie bei einer Schluckimpfung verabreicht wurden. Die dort vor Ort "geprägten" Immunzellen wandern dann über das Blut in die Lunge und können hier durch die Produktion von Antikörpern die weitere Ausbreitung des Pseudomonas aeruginosa hemmen. Der neu entwickelte Impfstoff bietet gemeinsam mit einer anschließenden Auffrischimpfung eine viel versprechende Impfstrategie gegen eine chronische Infektion mit Pseudomonas aeruginosa bei Mukoviszidosekranken, wie eine klinische Studie zeigte. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass außer einem Impfschutz auch die krankheitserregende Wirkung des Keims zumindest abgeschwächt werden kann.

Hannelore-Munke-Forschungs-Stipendien

Neue Therapieansätze bei Schleimhautmelanomen
Dr. med. Imke Satzger, 35, MHH-Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, erforscht spezielle Formen von bösartigen Erkrankungen der Haut. Das maligne Melanom - bekannt auch als schwarzer Hautkrebs - entsteht in der Regel an lichtexponierten Regionen der äußeren Haut, in seltenen Fällen aber auch im Bereich der Schleimhäute. Insbesondere dann handelt es sich häufig um sehr aggressive, frühzeitig metastasierende Tumoren, die zudem häufig sehr spät erkannt werden. Die Therapiemöglichkeiten sind bisher begrenzt. Da Schleimhautmelanome nicht lichtexponiert sind, spielt - anders als bei Hautmelanomen - das UV-Licht als Risikofaktor bei dieser Melanomgruppe offensichtlich keine Rolle. Eine aktuelle Publikation legt nahe, dass Schleimhautmelanome auch ein anderes genetisches Profil haben und berichtet von einer möglichen Bedeutung des so genannten KIT-Gens. In der Klinik für Dermatologie sind die kompletten Verläufe von etwa 40 hier behandelten Patienten mit Schleimhautmelanomen dokumentiert, von diesen Patienten wurde auch Tumorgewebe gesammelt. Im vorliegenden Projekt wird dieses Gewebe daraufhin untersucht, ob die vom KIT-Gen codierten Bausteine (das so genannte c-KIT) verändert ist. Dazu werden Methoden der Immunhistochemie genutzt. Zudem wird das KIT-Gen molekular charakterisiert, um mögliche Mutationen festzustellen. Sollte sich die pathogenetische Rolle des KIT-Gens bei Schleimhautmelanomen bestätigen, wäre damit eine rationale Begründung für den Einsatz neuartiger Therapieansätze ("Targeted Therapy") gegeben.

Neue Diagnosemethoden bei Erkrankungen des blutbildenden Systems Dr. med. Kerstin Püllmann, 34, MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, gelang es zu zeigen, dass Granulozyten -eine bestimmte Form der weißen Blutkörperchen - vom Menschen und auch der Maus eine große Vielzahl eines variablen Immunrezeptors ausbilden, der unter bestimmten Bedingungen variieren kann. Damit wurde erstmalig der Nachweis erbracht, dass Granulozyten über die molekulare Ausrüstung für eine variable Immunabwehr verfügen. Letztere wird seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausschließlich den Lymphozyten zugeschrieben.
Bei den jetzigen Arbeiten handelt sich um ein Forschungsprojekt aus der Hämatologie, bei dem die Rolle dieser Immunrezeptor tragenden Granulozyten bei Erkrankungen des blutbildenden Systems, im besonderen der myeloischen Zellreihe, näher untersucht werden soll. Die so genannten myelodysplastischen und myeloproliferativen Syndrome - schwerwiegende Erkrankungen, die alle im weiteren Verlauf auch in eine Akute Myeloische Leukämie (AML) übergehen können - zeichnen sich durch eine fehlgesteuerte Regulation der Ausreifung dieser speziellen weißen Blutzellen aus. Durch die molekularbiologische Analyse des TCR (T-Zell-Rezeptors) auf Granulozyten können nun mehrere Fragestellungen bearbeitet werden. Zum einen kann untersucht werden, ob noch unbekannte immunologische Prozesse bei der Entstehung einer solchen veränderten Blutbildung eine Rolle spielen. Zum anderen kann eine solche Analyse in Zukunft auch diagnostisch genutzt werden, indem sie es ermöglicht, im weiteren Verlauf der Erkrankung das Verhalten einer veränderten myeloischen Zelle mit einfachen Mitteln zu verfolgen.

Promotionspreis Tumorforschung

Leukämie bei Kindern mit Down-Syndrom: Molekulare Grundlagen der Krebsentstehung Dr. med. Jan-Henning Cornelius Klusmann, 28, MHH-Klinik für Kinderheilkunde, Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, erforscht die molekularen Grundlagenforschung der Krebsentstehung von Leukämien bei Kindern. Kinder mit Down Syndrom haben-ein 400fach gesteigertes Risiko, eine akute myeloische Leukämie zu entwickeln. Kürzlich wurden Mutationen eines Transkriptionsfaktors (GATA1) als eine spezifische Ursache entdeckt. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Professor Stuart Orkin in Bosto, wurde im Mausmodell die besondere Bedeutung dieses veränderten Gens in der embryonalen Blutbildung nachgewiesen. Darüber hinaus hat der Preisträger die prädisponierende Rolle des Chromosoms 21 bei der Entstehung der Leukämie untersucht und konnte die Dysregulation von Genen (RUNX1) zeigen, die eine entscheidende Rolle in der Blutbildung (Hämatopoese) spielen. Hierbei scheint es enge Zusammenhänge zu den kürzlich entdeckten microRNAs zu geben. Insbesondere durch die verstärkte Expression mit der auf Chromsom21 kodierten microRNA-125b in hämatopoetischen Stammzellen konnten wichtige Merkmal akuter Leukämien reproduziert werden. Aktuelle Untersuchungen an Leukämiezellen von Patienten sollen diesen Zusammenhang weiter belegen.

Sir Hans Krebs-Preis 2006

Vom Labor in die Klinik: Erfolg im Kampf gegen schwangerschaftsbedingte Herzschwäche Den mit 10.000 Euro dotierten Sir Hans Krebs-Preis der Hannoverschen Leben überreicht Vorstandssprecher Frank Hilbert an PD Dr. Denise Hilfiker-Kleiner (46), MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie. "Die Grundlagenforschung bekommt in der Öffentlichkeit oft nicht die Beachtung, die sie verdient. Ich freue mich daher sehr, im Namen der Hannoverschen Leben den Sir Hans Krebs-Preis an Dr. Hilfiker-Kleiner zu überreichen und die besondere Leistung für ihr Fach und die Allgemeinheit zu würdigen", betonte Frank Hilbert. Der Preis wird bundesweit ausgeschrieben, um ihn zu erhalten, gehen zahlreiche hochkarätige Bewerbungen ein. Der Forscherin im Team von Professor Drexler gelang es, einen neuen Pathomechanismus der Kardiomyopathie aufzuzeigen, bei dem ein Spaltprodukt des Stillhormons Prolaktin, das so genannte 16kDa Prolaktin, eine schwangerschaftsbedingte Herzschwäche (postpartum Kardiomyopathie, PPCM) auslöst. Demnach schädigt das 16kDa Prolaktin die Blutgefässe im Herzmuskel und schränkt dessen Leistungsfähigkeit drastisch ein. Dies führt im schlimmsten Fall zu Herzversagen und Tod. In einem genetischen Mausmodell der PPCM ließ sich die Krankheit durch eine medikamentöse Blockade der Prolaktinfreisetzung verhindern. Der dabei verwendete Wirkstoff Bromocriptin ist ein seit langem erprobtes Medikament, dass Frauen beim Abstillen hilft. Die schwangerschaftsbedingte Herzschwäche ist eine relativ seltene Krankheit, von der Frauen am Ende ihrer Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Kindes betroffen sind. Die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten der PPCM bei der nächsten Schwangerschaft ist sehr hoch. Bei einer kleinen Patientengruppe mit einem hohen Risiko für eine erneute PPCM nach einer Erkrankung in der vorangegangen Schwangerschaft erzielte das Forscherteam erste Behandlungserfolge mit Bromocriptin. In einzelnen Heilversuchen zeigte sich auch eine positive Wirkung von Bromocriptin in der akuten PPCM. Mit der sehr direkten Übertragung der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung bei diesem Projekt könnte das Forscherteam um PD Dr. Hilfiker-Kleiner eine neue spezifische Therapie für die PPCM entdeckt haben. In geplanten größeren randomisierten Studien will die Forscherin nun die Wirksamkeit von Bromocriptin bei der PPCM weiter testen.


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