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Erdmann-Nachlass in Halle zusammengeführt

09.11.2007 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Umfangreiche Korrespondenz aus dem persönlichen schriftlichen Nachlass des Theologen und Philosophen Johann Eduard Erdmann (1805-1892), ehemals Professor an der halleschen Universität, wurde jetzt von den Erben an die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Sachsen-Anhalt übergeben. Vorausgegangen waren langjährige Bemühungen der Bibliothek zur Zusammenführung des Erdmann-Nachlasses, der sich verstreut in Familienbesitz befand. Dr. Fritz Jürgen Kroeger, einer der Erben des Nachlasses, übergab die Korrespondenz nun an die ULB.

Der Großneffe des Philosophen Johann Eduard Erdmann, der Pianist Eduard Erdmann (1896-1958), als einer der vorherigen Besitzer des Nachlasses, gab diesen an verschiedene Zweige der Familie. Wie der nun wieder zusammengeführte Nachlass an den Musiker und Komponisten gelangte, ist unbekannt. Ein Teil der erdmannschen Korrespondenz, der sich im Besitz des Philosophen und Erdmannbiographen Hermann Glockner (1896-1979) befand, verbrannte im Zweiten Weltkrieg während eines Luftangriffes auf Gießen. Seinen schriftlichen Nachlass hatte Erdmann selbst testamentarisch der Universitätsbibliothek vermacht. Er wird hier unter der Signatur Yi 4 aufbewahrt.

Johann Eduard Erdmann wurde 1805 in Wolmar (Livland) geboren. Sein Grab befindet sich auf dem halleschen Stadtgottesacker. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Dorpat und Berlin, war Erdmann von 1828 bis 1832 Pfarrer in Livland, promovierte 1830 zum Dr. phil. in Kiel und habilitierte sich 1834 für Philosophie in Berlin. Er folgte dann einem Ruf nach Halle, wurde 1836 a. o. Professor und 1839 Ordinarius.

Erdmann verstand sich selbst als Rechtshegelianer. Als Philosophiehistoriker, der sich von der Hegelschen Geschichtskonstruktion zu befreien suchte, hat Erdmann besondere Verdienste um Leibniz und die Edition seiner Werke gehabt. Seine philosophischen Vorlesungen über den Staat sind ein wichtiges theoretisches Zeugnis für die Ideenpolitik der preußischen Konservativen nach 1848. In den 60er Jahren erfolgte eine teilweise Revision seiner Ansichten, indem er sich öffentlich zu Bismarcks "Realpolitik" bekannte.

Ansprechpartnerin:
Dr. Marita von Cieminski
Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt
Sondersammlungen
Tel.: 0345 55 22158
E-Mail: marita.voncieminski@bibliothek.uni-halle.de

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