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Nichts als Muskeln im Kopf: Fransenflügler

27.03.2003 - (idw) Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft

Wichtiger Schädling in Landwirtschaft und Gartenbau


Fransenflügler und Tospoviren sind ein gefährliches Gespann, das sich in den letzten Jahren zu einer globalen Bedrohung in Landwirtschaft und Gartenbau entwickelt hat. Auf der diesjährigen Tagung der Insektenkundler in Halle wurden neueste Ergebnisse zur Übertragung der Pflanzenviren vorgestellt. Fransenflügler können nur als Larve vor der ersten Häutung die Viren aufnehmen und später auf die Pflanzen übertragen. Spätere Larvenstadien oder Erwachsene können sich zwar mit dem Virus infizieren, es aber nicht verbreiten.

Bei Fransenflüglern, auch Thripse genannt, kommen weltweit 5.300 Arten vor. 200 sind als Schaderreger an Pflanzen eingestuft. Viele Fransenflügler werden auf den Quarantänelisten der EU geführt. Sie schädigen die Pflanze einmal direkt, indem sie oberirdische Pflanzenteile ansaugen und das Blattgrün zerstören. Außerdem übertragen sie Tospoviren, die an Kürbisgewächsen, Tomaten und anderen Gemüsearten großen Schaden anrichten können. Auch an Zierpflanzen sind die Ausfälle erheblich. Zehn Thripsarten sind als Überträger von Tospoviren bekannt.

In Halle sind Fransenflügler ganz offensichtlich wichtig, schon weil sie Teil des Logos der Tagung sind. Am Institut für Zoologie der Universität arbeitet eine Gruppe intensiv über dieses Insekt. Prof. Dr. Gerald Moritz, der Leiter des Zoologischen Instituts: "Das Wissen, wie das Virus vom Thrips aufgenommen und verbreitet wird, ist ein wichtiger Schritt in Richtung Bekämpfung."

Warum kann nur die junge, aus dem Ei geschlüpfte Larve das Virus aufnehmen? Die Hallenser Forscher konnten zeigen, dass die Viren direkt vom Mitteldarm in die Speicheldrüsen übergehen. Möglich ist dies, da bei der Erstlarve das Gehirn des Insektes nicht im Kopf, sondern im Brustkorb liegt. Dadurch rückt die Speicheldrüse nah an den Darm heran. Das Hirn hat im Kopf keinen Platz, weil sich die Fransenflügler mit Hilfe von Stechborsten ernähren und für diese Form der Nahrungsaufnahme sehr kräftige, den Kopf ausfüllende Muskeln notwendig sind. Bei den winzigen Erstlarven ist im Kopf einfach kein Platz für das Gehirn. Nach der ersten Häutung, durch die die Larven größer wird, liegt das Hirn wieder im Kopf. Ein Übergang vom Darm in die Speicheldrüse ist dann nicht mehr möglich.

Tospoviren sind vor allem deshalb so gefährlich geworden, weil sich der Kalifornische Thrips (Frankliniella) über die gesamte Welt ausgebreitet hat. Dieser Thrips saugt an einer großen Anzahl von Wirtspflanzen. Gleichzeitig sind die Tospoviren wenig spezialisiert. So kann das Tomatenwelkevirus 1.500 Wirtspflanzen befallen. Dazu kommt, dass Viruskrankheiten generell nicht mit chemischen Mitteln bekämpft werden können. (BBA)

Siehe Kurzfassung der Vorträge und Poster, Seite 152
Vortrag Sektion 6, Nr. V0603, Donnerstag, den 27. März 2003
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