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Frühwarnsystem gegen ärztliche Behandlungsfehler

27.03.2003 - (idw) Universität zu Köln

Strafrechtliche Maßnahmen sind zur Vermeidung von ärztlichen Behandlungsfehlern allein nicht wirksam. Dies zeigte eine Studie von Dr. Marion Goeke am Institut für Rechtsmedizin der Universität zu Köln. Statt das Misstrauen zwischen Ärzten und Patienten durch eine einseitige Hervorhebung von Behandlungsfehlern weiter zu verstärken, bietet sich inhaltliche und strukturelle Prävention an - eine Art Frühwarnsystem gegen Kunstfehler.

Frühwarnsystem gegen ärztliche Behandlungsfehler
Hohe Arbeitsbelastung und kritischere Patienten

Strafrechtliche Maßnahmen sind zur Vermeidung von ärztlichen Behandlungsfehlern allein nicht wirksam. Dies zeigte eine Studie von Dr. Marion Goeke am Institut für Rechtsmedizin der Universität zu Köln. Statt das Misstrauen zwischen Ärzten und Patienten durch eine einseitige Hervorhebung von Behandlungsfehlern weiter zu verstärken, bietet sich inhaltliche und strukturelle Prävention an - eine Art Frühwarnsystem gegen Kunstfehler.

Verbessertes "Risk Management" bedeutet also: Eine kontinuierliche, überregionale und interdisziplinäre Fallsammlung und Auswertung von Gutachten, die tatsächlich fehlerhafte und problematische ärztliche Maßnahmen sichtbar macht. In diesem Zusammenhang sind die rechtsmedizinisch begutachteten Fälle eine wichtige Datengrundlage in der Diskussion um ärztliche Behandlungsfehler. Von Bedeutung für eine sachliche Diskussion ist außerdem eine Unterscheidung zwischen dem erhobenen Vorwurf bezüglich eines Behandlungsfehlers und einem bestätigten Fehlverhalten.

In deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern nimmt die Zahl an registrierten Vorwürfen bezüglich ärztlicher Behandlungsfehler zu. Wie die Kölner Studie zeigt, werden aber nicht die Ärzte schlechter; vielmehr sind ihre Patienten kritischer und im Schnitt älter, also anfälliger für Komplikationen. Ihr oft sehr komplexes Krankheitsbild erfordert vielfältige Behandlungsmethoden und damit eine Arbeitsteilung zwischen den Medizinern. Dabei kann es unter den Spezialisten zu Lücken im Informationsfluss kommen. Zusätzlich kann der Patient zu dem behandelndem Arzt nicht immer ein Vertrauensverhältnis aufbauen - anders als zu seinem, ihm oft seit Jahren vertrauten, Hausarzt. Zunehmende medizinische Aufklärung in den Medien stärkt darüber hinaus das Selbstbewusstsein der Patienten. Der Arzt ist nicht mehr der "Halbgott in Weiß", sondern ein Dienstleister am menschlichen Körper, der bei Versagen zur Rechenschaft gezogen werden kann und gezogen wird.

Die oft belastenden Arbeitsbedingungen in Kranken- und Notaufnahmestationen können außerdem das Misstrauen der Patienten und deren Angehörigen verstärken. Arbeitszeiten von bis zu dreißig Stunden am Stück und extreme Arbeitsbelastung gefährden die Kommunikation zwischen Ärzten, medizinischem Personal, Patienten und deren Angehörigen. In diesem Klima wird im Fall einer Komplikation der Arzt schnell zum Schuldigen.
Eine sinnvolle Zeitplanung an Kliniken (kürzere Arbeitszeiten und Erholungspausen für Mediziner) und mehr aufklärende Gespräche zwischen Ärzten und Patienten sind demnach ein weiteres Mittel, um die Zahl der Vorwürfe bezüglich ärztlicher Behandlungsfehler zu senken.

Verantwortlich: Sarah Zöllner

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Hildegard Graß unter der Telefonnummer 0221/478-4278, der Faxnummer 0221/478-3496 und unter der Email-Adresse hildegard.grass@medizin.uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi.
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