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Chemie-Physik-Kolloquium anlässlich der diesjährigen Nobelpreise

05.12.2007 - (idw) Universität des Saarlandes

am Dienstag, dem 11. Dezember 2007, um 16.15 Uhr
im großen Hörsaal des Gebäudes C6 3
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die diesjährigen Nobelpreise in Physik und Chemie gingen an zwei Deutsche und einen Franzosen. Der Professor für physikalische Chemie Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl aus Berlin erhielt den Preis im Fach Chemie für seine Forschungen zu Reaktionen an Oberflächen. Der Professor für Technische Chemie an der Universität des Saarlandes, Dr. Wilhelm F. Maier, hält zu diesem Thema einen Vortrag mit dem Titel "Chemie auf Oberflächen - Kurios oder wichtig?"

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Grünberg aus Jülich wurde zusammen mit dem Franzosen Albert Fert mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Beide entdeckten unabhängig voneinander den so genannten Riesenmagneto-Widerstandseffekt (GMR), mit dessen Hilfe die Speicherkapazität von Festplatten erheblich gesteigert werden konnte. Darüber spricht der Professor für Experimentalphysik der Saar-Uni, Dr. Uwe Hartmann. Der Titel seines Vortrags lautet: "Wenn der Widerstand riesig wird - die Entdeckung des Riesen-Magnetowiderstandseffekts".

Die Begrüßung übernimmt Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Linneweber. Im Anschluss an die Veranstaltung sind alle Teilnehmer zu einem Umtrunk im angrenzenden Foyer der naturwissenschaftlich-technischen Bibliothek eingeladen.

Die beiden deutschen Nobelpreisträger haben wichtige Entdeckungen gemacht, die auch das tägliche Leben prägen. So trugen die Erkenntnisse von Prof. Gerhard Ertl zur Chemie an Oberflächen dazu bei, wichtige chemische Prozesse, wie sie sich unter anderem in Katalysatoren ereignen, besser zu verstehen.

Um Moleküle miteinander in Verbindung zu bringen, sind oft so genannte Katalysatoren nötig. Besonders effektiv verlaufen solche katalytischen Prozesse an Oberflächen von Metallen. So bewirken Katalysatoren im Auspuff von Autos die Umwandlung der hochgiftigen Abgase Kohlenmonoxid und Stickoxid in Kohlendioxid und Stickstoff. Die hohe katalytische Wirkung von Metallverbindungen auf Oberflächen wird schon lange für viele wichtige industrielle Verfahren genutzt. Allerdings ist ihre genaue Funktionsweise vielfach noch nicht verstanden, deshalb ist eine gezielte Entwicklung nur begrenzt möglich. Die Arbeiten von Prof. Ertl stellen wichtige Grundlagen für das Verständnis von solchen chemischen Prozessen dar. Reaktionen an Oberflächen von Stoffen spielen auch sonst in der chemischen Industrie eine wichtige Rolle, zum Beispiel beim Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten Haber-Bosch-Verfahren zur Ammoniak-Synthese. Ammoniak ist ein Ausgangsprodukt für Kunstdünger, ohne das der Lebensmittelbedarf der Weltbevölkerung nicht zu decken wäre. Prof. Ertls Untersuchungen haben zum exakten Verständnis dieser Reaktion ebenfalls entscheidend beigetragen.

Auch die Entdeckung des Riesenmagneto-Widerstandseffekts durch die Professoren Peter Grünberg und Albert Fert spielt in der Praxis eine wichtige Rolle. Mit Hilfe dieser neuen Technik konnte die Speicherkapazität für Computer, Videorekorder und MP3-Player in den Gigabyte-Bereich gesteigert werden. Beim Riesenmagneto-Widerstand "kommunizieren" zwei magnetische Schichten miteinander über eine Zwischenschicht, die nur wenige Nanometer dünn ist. Diese Konstruktion reagiert empfindlich auf äußere Magnetfelder und verändert dabei ihren elektrischen Widerstand. Der Effekt wird genutzt, um Computerfestplatten über Magnetfeldsensoren auszulesen. Durch den Riesenmagneto-Widerstandseffekt konnten die Sensoren noch kleiner gemacht werden, was die lesbare Speicherkapazität erheblich erhöhte. So wurden Gigabyte-Festplatten überhaupt erst möglich. Die Grundlagenforschung von Prof. Grünberg wurde außerdem schnell in die Praxis umgesetzt. IBM stellte bereits 1997 das erste Laufwerk her, dass den GMR-Effekt nutzte. Heute basieren rund 90 Prozent aller Computer-Festplatten auf dem Effekt.


Peter Grünberg hatte in den 60er Jahren an der Technischen Hochschule Darmstadt promoviert. Betreut wurde er dabei von Prof. Dr. Stefan Hüfner, der später viele Jahre an der Universität des Saarlandes Professor für Experimentalphysik (1975-2003) sowie Vizepräsident für Planung und Strategie (2001-2003) war.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Karsten Kruse
Tel. 0681/302-2763
E-Mail: k.kruse@physik.uni-saarland.de
oder
Francine Jurecka (Sekretariat)
Tel. 0681/302-3963
E-Mail: f.jurecka@mx.uni-saarland.de

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