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Hilfe für das iranische Weltkulturerbe von der TU Dresden: Die Professur für Tragwerksplanung hilft beim Wiederaufbau de

07.12.2007 - (idw) Technische Universität Dresden

Im Dezember 2003 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterskala die im historischen Kern der iranischen Stadt Bam gelegene Zitadelle. Um die Brisanz der Gefährdung des historisch bedeutsamen Komplexes zu unterstreichen, erklärte die UNESCO das Festungswerk mit der darin liegenden Altstadt 2004 zum Weltkulturerbe und setzte es gleichzeitig auf die "Rote Liste". Mit Mitteln der UNESCO, des iranischen Staates und weiterer Länder wird die Zitadelle seitdem enttrümmert, gesichert und teilweise rekonstruiert.

An den Arbeiten ist auch die Professur für Tragwerksplanung der Technischen Universität Dresden beteiligt. Seit 2006 sind Dresdner Architekten und Ingenieure in regelmäßigen Kampagnen auf der Riesenbaustelle, um im Rahmen eines Pilotprojekts eines der Schlüsselbauwerke, das Sistani Haus, erdbebensicher nach historischem Vorbild wieder aufzubauen. Sie wollen dabei all jene denkmalpflegerischen und technischen Fragen klären, die sich bei den weiteren Bau- und Sicherungsmaßnahmen stellen. In den nächsten Tagen bricht nun Christian Fuchs, Mitarbeiter an der Professur für Tragwerksplanung von Prof. Wolfram Jäger, zum vierten Mal in Richtung Bam auf, um die Arbeiten voranzutreiben und den Baufortschritt am Sistani Haus zu überwachen.

Unterstützt wird das Projekt dabei vom Kulturerhaltprogramm des Auswärtigen Amtes, dem Japan Funds-in-Trust for World Cultural Heritage, der UNESCO und Irans landeseigener Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus. Auf dem permanent stark erdbebengefährdeten Gelände sollen die zerstörten Bauwerke gesichert und einige Lehmbauwerke wiedererrichtet werden. Der praktische Bauprozess am Sistani Haus begann im Juni 2007. Seitdem geht es vor allem darum, Baumaterial - durch Palmfasern verstärkte Lehmsteine - zu produzieren, das vorhandene Mauerwerk mit Ankern und Nadeln zu verstärken sowie die Rekonstruktion voran zu treiben. Zusätzlich haben die Dresdner entschieden, die Mauer des Sistani-Hauses mit acht Millimeter dicken Glasfaserstäben zu bewehren. Dafür wurden an der TU Dresden praktische Labortests durchgeführt und eine aufwändige Einsturzsimulation gerechnet, die nachweisen sollte, dass ein so bewehrtes Gebäude einem neuerlichen starken Erdbeben standhalten würde.

Während seiner letzten Besuche hat Christian Fuchs, Architekt in der Baudenkmalpflege, nicht nur im architekturhistorischen, sondern auch im verhandlungstechnischen Bereich einiges dazugelernt. Es galt, die lokalen Entscheidungsprozesse möglichst zu beschleunigen und auch politisch geschickt zu interagieren, um den Baufortschritt zu sichern. Fuchs arbeitete dabei parallel zu anderen Hilfsprojekten, die etwa aus Frankreich oder Italien finanziert werden, suchte geeignete Lehmgruben vor Ort, beschaffte Maschinen für die Aufbereitung der Palmfasern und leitete den eigentlichen Wiederaufbau an. Er hat gemeinsam mit den am Pilotprojekt Beteiligten vor Ort eine kollegiale Arbeitsatmosphäre erreicht und steht in ständigem Kontakt mit Mitarbeitern des Wiederaufbauprojektes vor Ort. Voraussichtlich im Januar wird Prof. Jäger dann selbst nach Bam fliegen und sich vom Stand der Arbeiten ein Bild machen. Auf diese Weise, hoffen die Dresdner, kann das einzigartige, 2.500 Jahre alte Kulturdenkmal in absehbarer Zeit wieder von der Roten Liste der UNESCO verschwinden.

Informationen für Journalisten: Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger, Tel. 0351 463-35010, E-Mail: Lehrstuhl.Tragwerksplanung@mailbox.tu-dresden.de


Bildunterschriften:

0103: Die zerstörte Zitadelle von Bam, einer Oasenstadt am Rand der Lut-Wüste. Die Stadt Bam hat heute ca. 100.000 Einwohner; bei dem verheerenden Erdbeben 2003 starben zwischen 30.000 und 60.000 Menschen. Die über 2.500 Jahre alte Zitadelle selbst ist seit ca. 100 Jahren unbewohnt, seit 50 Jahren laufen Restaurierungsmaßnahmen.

6894: Die ca. 1 m dicke Mauer mit einer Kaminnische. Im Moment 1,20 m hoch, werden die Wände später rund vier Meter an Höhe messen; danach wird das eingewölbte Dach aus gefügten Lehmsteinen aufgesetzt.

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