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Lieber Kompetenz als Ideale

28.03.2003 - (idw) Universität zu Köln

Eine Wählerschaft, die die Not der Nachkriegszeit überwunden hatte und ihre Bindung zur Kirche allmählich lockerte, beendete 1956 die sicher geglaubte Vorherrschaft der CDU in Köln. Wie Dr. Winfried Herbers aus dem Seminar für Neuere Geschichte der Universität zu Köln in einer Studie zeigt, waren die Kölner Wähler zehn Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs pragmatischer und in weitaus stärkerem Ausmaß zu politischem Wechsel bereit, als dies die CDU-Stadtpolitiker erwartet hatten. Die Studie untersucht die Entwicklung der CDU in Köln zwischen 1945/46 und 1964. Sie stützt sich auf bislang kaum genutzte Bestände im Historischen Archiv der Stadt Köln und in zahlreichen anderen Archiven. Damit entwirft sie ein genaues Bild des Innenlebens der Partei.

Lieber Kompetenz als Ideale
Der politische Niedergang der Kölner CDU zwischen 1945/46 und 1964

Eine Wählerschaft, die die Not der Nachkriegszeit überwunden hatte und ihre Bindung zur Kirche allmählich lockerte, beendete 1956 die sicher geglaubte Vorherrschaft der CDU in Köln. Wie Dr. Winfried Herbers aus dem Seminar für Neuere Geschichte der Universität zu Köln in einer Studie zeigt, waren die Kölner Wähler zehn Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs pragmatischer und in weitaus stärkerem Ausmaß zu politischem Wechsel bereit, als dies die CDU-Stadtpolitiker erwartet hatten. Die Studie untersucht die Entwicklung der CDU in Köln zwischen 1945/46 und 1964. Sie stützt sich auf bislang kaum genutzte Bestände im Historischen Archiv der Stadt Köln und in zahlreichen anderen Archiven. Damit entwirft sie ein genaues Bild des Innenlebens der Partei.

Wie die Untersuchung zeigt, grenzten sich CDU und SPD in den 50er Jahren auf landes- und bundespolitischer Ebene in ihren Standpunkten klar voneinander ab. Themen wie die deutsche Wiederbewaffnung oder die Westintegration polarisierten die politischen Vertreter. Auf kommunaler Ebene hingegen verlor die Unterscheidung zwischen den Parteien an Bedeutung. In vielen Sachfragen, besonders, wenn es um den "Wiederaufbau" Kölns ging, waren sich CDU und SPD weitgehend einig. Gerade diese gute Zusammenarbeit kostete die Kölner CDU schließlich die Macht. Die Partei unterschied sich auf kommunaler Ebene zunehmend zu wenig von der SPD. Die Wähler fühlten sich nicht mehr so sehr an die CDU gebunden. So wählte 1956 eine Mehrheit "versuchsweise" die SPD und beendete damit die Vorherrschaft der CDU in Köln.

Auch die christlichen Werte, die in der Notzeit nach Kriegsende von großer Bedeutung gewesen waren, überzeugten die Kölner Wähler nicht mehr, nachdem sie die Armut der Nachkriegszeit überwunden hatten. Das katholische Milieu in Köln verlor zehn Jahre nach dem Krieg an Bedeutung durch Änderungen in der sozialen, konfessionellen und landsmannschaftlichen Zusammensetzung in der Kölner Bevölkerung. Weltlich orientierte Protestanten, Frauen und Arbeiter konnte die Partei mit ihrer vom Christentum geprägten Weltanschauung immer weniger überzeugen.

Selbst der "Adenauer-Bonus" konnte die Partei nicht vor dem Stimmenverlust bewahren: Gerade, weil die CDU in Land und Bund Erfolge feierte, wanderten viele gute CDU-Politiker in die interessantere Landes- und Bundespolitik ab. Dazu verfügte die Kölner SPD in der Kommunalpolitik über Sympathieträger wie zum Beispiel Theo Burauen.

Die Niederlage der CDU auf kommunaler Ebene nahm den Machtverlust der Partei auf Landes- und Bundesebene zehn Jahre später vorweg. In Köln lernte die christliche Partei jedoch aus dem Schock ihrer Wahlniederlage: Personelle, organisatorische und inhaltliche Verbesserungen waren die Folge. In den 50er Jahren löste die zurückgekehrte Soldatengeneration die alten, schon in der Weimarer Republik aktiven Politiker ab. Der Politikstil wurde sachorientierter, demokratischer und effektiver. Statt einer 'Weltanschauungsgemeinschaft' begann sich die CDU als politischer Dienstleister zu sehen. Früher als auf landes- und bundespolitischer Ebene führte die Partei in der Kommunalpolitik dringend benötigte parteiinterne Reformen durch. Den Kölner Wähler überzeugte das bis 1999 nicht - für die Partei war es jedoch ein wichtiger Anstoß in ihrer Entwicklung.

Verantwortlich: Sarah Zöllner

Für Rückfragen steht Ihnen Herr Dr. Winfried Herbers unter der Telefonnummer 0202/75 29 73 zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi.
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