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US-Ökologen zeichnen Otto L. Lange aus

19.12.2007 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Erstmals seit 1953 hat die Ökologische Gesellschaft von Amerika ihren Eminent Ecologist Award an einen Nicht-Amerikaner vergeben: Der stolze Preisträger ist Professor Otto Ludwig Lange, der bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 einen Botanik-Lehrstuhl an der Universität Würzburg innehatte. Die Auszeichnung aus den USA ist als Anerkennung für das hervorragende Lebenswerk von "Senior-Ökologen" gedacht. Lange, heute 80 Jahre alt, ging offiziell vor 15 Jahren in den Ruhestand - aber untätig ist er deswegen bis heute nicht: Unter anderem entwickelte er in dieser Zeit eine automatische Messkammer, die fortlaufend den Kohlendioxid-Austausch zwischen Pflanzen und deren Umgebung registriert. Dieses Gerät sei inzwischen ein wichtiges Werkzeug zur Untersuchung von Kohlenstoff-Flüssen in Ökosystemen, heißt es in der Laudatio.

Schon zuvor hatte Lange technische Entwicklungen vorangetrieben. In Kooperation mit Spezialfirmen tüftelte er Messinstrumente aus, mit denen sich unter anderem die Photosynthese von Blättern ermitteln lässt. Für die Entwicklung des so genannten Porometers wurde er 1990 zusammen mit Elektromeister Heinz Walz aus Effeltrich ausgezeichnet. Gemeinsam erhielten sie den Adalbert-Seifriz-Preis für vorbildlichen Technologietransfer zwischen Handwerk und Universität.

Groß sind Langes Verdienste als Wissenschaftler. "Er ist einer der Gründungsväter der pflanzenphysiologischen Ökologie, und sein Einfluss auf dieses Gebiet war entscheidend", lobt die Ökologische Gesellschaft. In den vergangenen Jahren hat sich der Professor besonders mit so genannten biogenen Bodenkrusten beschäftigt. Diese bestehen aus Flechten, Cyanobakterien, Algen und Moosen. Sie überziehen den Boden vor allem in Trockengebieten wie eine lebende Haut und schützen ihn gegen die Erosion durch Wind und Wasser. Über dieses Thema hat Lange 2001 mit einer amerikanischen Kollegin ein Buch herausgegeben.

Mit Messungen im Freiland und mit Experimenten im Labor hat der Würzburger Ökologe ein weites Feld beackert: Er beschäftigte sich mit der Waldschadensproblematik ebenso wie mit der Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegen Hitze, Kälte und Austrocknung. Er forschte in der Antarktis, wo ein 2.435 Meter hoher Berg nach ihm benannt ist, in Alaska, im Regenwald Panamas, in der Negev-Wüste in Israel, in Australien und Neuseeland. Seine Arbeit ist in 368 Publikationen dokumentiert; allein 92 davon hat er im Ruhestand veröffentlicht. Zudem ist er Mitautor oder -herausgeber vieler Bücher und Zeitschriften.

Otto Ludwig Lange, 1927 in Dortmund geboren, studierte Biologie, Chemie und Physik in Göttingen und Freiburg. Nach der Promotion blieb er bis 1961 als wissenschaftlicher Assistent in Göttingen, wo er sich für das Fach Botanik habilitierte. Nach einer Tätigkeit an der Technischen Hochschule Darmstadt folgte er 1963 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Forstliche Botanik und Technische Mykologie an der Uni Göttingen, wo er zudem Direktor des Forstbotanischen Gartens war. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung hatte er dann den Würzburger Lehrstuhl für Botanik II mit ökologischer und geobotanischer Arbeitsrichtung inne. In dieser Zeit leitete er auch den Botanischen Garten.


Der Eminent Ecologist Award vergrößert die Liste der hohen Auszeichnungen, die Lange zuteil wurden. 1986 bekam er gemeinsam mit seinem Würzburger Botaniker-Kollegen Professor Ulrich Heber den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen. 1988 folgte dann der Balzan-Preis für Angewandte Botanik, den er zusammen mit Professor Michael Evenari aus Jerusalem erhielt. Neben weiteren Auszeichnungen bekam Lange drei Ehrendoktortitel verliehen - aus Bayreuth, Lissabon und Darmstadt.

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