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"Geisteswissenschaften in der Bewährung"

21.12.2007 - (idw) Universität Erfurt

Publikation der Christoph-Martin-Wieland-Vorlesungen der Universität Erfurt als Beitrag zum Jahr der Geisteswissenschaften Kurz vor Ablauf des Jahres der Geisteswissenschaften hat die Universität Erfurt die Publikation ihrer diesjährigen Christoph-Martin-Wieland-Vorlesung vorgelegt. "Das freie, selbstbestimmte Denken, oder: Geisteswissenschaften in der Bewährung" hieß im Juni 2007 das Thema der siebenten Christoph-Martin-Wieland-Vorlesung der Universität Erfurt. "Das war im 'Jahr der Geisteswissenschaften', ausgerufen von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, das grundlegende Thema, mit dem sich all diejenigen beschäftigen, die die Rolle der Geisteswissenschaften für den heutigen Menschen und ihre Funktion im Kanon aller Wissenschaften untersuchen", so der Herausgeber Wolfgang Bergsdorf. "Die Universität Erfurt, eine geistes- und sozialwissenschaftlich ausgerichtete Hochschule, begreift ihre Ausrichtung als Chance im Wettbewerb der Hochschulen, dem sie nicht nur im eigenen Bundesland, sondern auch überregional, national und international ausgesetzt ist. Die Geisteswissenschaften aus ihrer apologetischen Ecke herauszuholen und den Begriff positiv zu füllen und offensiv zu vertreten, ist daher ihr besonderes Anliegen", so der zum Ende des Jahres aus dem Amt scheidende Präsident der Universität.

Der Germanist und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Wolfgang Frühwald gibt in seinem im Frühsommer in Erfurt gehaltenen Vortrag den Geisteswissenschaften mit seinen Überlegungen den Platz, der ihnen gebührt - nicht nur den, sinnstiftend unterstützend zu wirken für die übrigen technischen, naturwissenschaftlichen, lebenswissenschaftlichen Fächer. Wolfgang Frühwald zuzuhören bzw. zu lesen, ist ein Genuss. Scharfsichtig, reflektiert, präzise und dennoch bildreich, klar und glänzend formuliert, dabei völlig unprätentiös, so breitet er seinen Gegenstand vor dem Zuhörer und Leser aus, stellt seine Überlegungen vor und bezieht Position. Man versteht, warum er nie Probleme mit desinteressierten Studierenden hatte. Auch das Publikum der Wieland-Vorlesung in Erfurt quittierte seine Darlegungen mit einer lebhaften Diskussion und noch vielen Fragen nach der Veranstaltung. Beiträge aus der Diskussion, die der Generalbevollmächtigte der Thüringer Aufbaubank in Brüssel Dr. Jürgen Aretz, der Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Professor Dr. Klaus Dicke, der Dekan des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt, Professor Dr. Hans Joas sowie der Chefredakteur des Rheinischen Merkur, Professor Michael Rutz, unter Moderation des Präsidenten der Universität führten, komplettieren die Publikation, die zum Preis von 7,90 Euro über den Buchhandel zu beziehen ist (ISBN-13: 978-3-86680-212-4).

Die Christoph-Martin-Wieland-Vorlesungen der 1994 wiederbegründeten Universität Erfurt erinnern mit ihrem Namen an den aufklärerischen Dichter, Übersetzer und Herausgeber und seine Jahre als Professor in Erfurt. Mit den Wieland-Vorlesungen überwindet die Universität Erfurt die Grenzen der Disziplinen und präsentiert der interessierten Öffentlichkeit Themen, die über den Kreis der Wissenschaft hinaus Anspruch auf Aufmerksamkeit erheben können. Erster Wieland-Redner, Ende 1999, war der Lyriker, Essayist, Herausgeber und streit¬bare Intellektuelle Hans Magnus Enzensberger, der "das digitale Evangelium" entzau¬berte. (Vgl.: Peter Glotz (Hrsg.), Hans Magnus Enzensberger, Das digitale Evangelium, Propheten, Nutznießer, Verächter). Die zweite Wieland-Vorlesung war dem für Deutsche und Europäer so wichtigen Thema Russland gewidmet. Dafür konnte der international anerkannte Russland-Forscher und Publizist Wolfgang Leonhard gewonnen werden. Im folgenden Jahr, 2002, beschäftigte sich die Wieland-Vorlesung mit den Herausforde¬rungen des europäischen Integrationsprozesses. Der luxemburgische Premierminister Jean Claude Juncker diskutierte die Perspektiven der Europäischen Union mit so aus¬gewiesenen Experten für die europäische Entwicklung. Die vierte Vorlesung: "Islam und Demokratie", 2003, griff ein virulentes Thema auf. Gastredner war der renommierte Teheraner Geistliche Professor Mohammad M. Shabestari. 2004 untersuchte der Harvard-Professor Charles S. Maier, ein profunder Kenner der europäischen Geschichte und Politik, das Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten: "Unbegrenzte Möglichkeiten?". Im Jahr 2006 widmete sich der große französische Politikwissenschaftler und Publizist Alfred Grosser, ein unermüdlicher Brückenbauer zwischen den beiden Staaten, den aktuellen deutsch-französischen Beziehungen. Am Vorabend des Wahlkampfes in Frankreich war dies ein besonders spannendes Thema, und Grosser legte in seiner oft assoziativen Art, aber immer fundiert, manche Hintergründe offen, die auch bei gründlicher Lektüre der Presse nicht leicht zugänglich sind. Alle Vorlesungen sind im Sutton Verlag, Erfurt, erschienen und über den Buchhandel erhältlich. "Der VolkswagenStiftung gebührt der Dank der Universität Erfurt für die großzügige Förderung dieser Vorlesungsreihe, die einen wichtigen Beitrag für den in Deutschland so seltenen Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst und Politik leistet", so Herausgeber Bergsdorf, der zum Jahresende aus dem Amt als Präsident der Universität Erfurt scheidet.


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