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Bettnässen verstehen und behandeln

31.03.2003 - (idw) Universität Leipzig

Nach wie vor ist das Bettnässen für viele ein Tabuthema. Das führt dazu, dass Kinder und Eltern sich oft mit diesem Problem herumschlagen, ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit einer Veranstaltung für Eltern, Erzieher, Ärzte und medizinisches Personal wollen die Experten aufklären und Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu erläutern.

Bettnässen ist eines der häufigsten Probleme im Kindesalter. Es betrifft über 20% der Fünfjährigen und 10 % der Siebenjährigen. Jungen sind häufiger als Mädchen betroffen. Nach wie vor ist das Bettnässen für viele ein Tabuthema. Das führt dazu, dass Kinder und Eltern sich oft mit diesem Problem herumschlagen, ohne ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit einer Veranstaltung für Eltern, Erzieher, Ärzte und medizinisches Personal wollen die Experten aufklären und Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu erläutern.

Zeit: 09.04.2003, 17.00 Uhr
Ort: Hörsaal des Kinderzentrums


Oft werden psychische Ursachen hinter dem Bettnässen vermutet; diese sind aber fast immer die Folge, kaum jemals die Ursache. Was genau hinter dem unwillkürlichen nächtlichen Einnässen oder Enuresis nocturna steckt, ist noch nicht endgültig geklärt. Wissenschaftlich diskutiert werden Reifungsverzögerung der Blasenkontrolle, hormonelle oder erbliche Ursachen. Wahrscheinlich kommt auch mehreres zusammen. Die Experten sprechen von multifaktorieller Ursache. Auf jedem Fall besteht kein Grund sich zu schämen.

Aber immer noch ¼ der Kinder und Eltern reden nicht über das Thema Bettnässen. Noch 70 % der Bevölkerung glauben außerdem nicht daran, dass Enuresis nocturna behandelbar ist und das es sich von ganz allein geben muss. Es ist tatsächlich so, dass einige Kinder ohne jedes Zutun nachts trocken werden. Allerdings betrifft das nur ca. 15 %. Aber mit ärztlicher Hilfe kann bedeutend mehr Kindern geholfen werden.

Allerdings gibt es nicht nur eine allgemeingültige Behandlungsmethode. Da die Enuresis nocturna eine multifaktorielle Krankheit darstellt, muss die jeweilige Behandlung auf die Ursache der Erkrankung abgestellt sein. Die Klärung der Ursache ist deshalb eine der Grundlagen der Behandlung. Die zweite Grundlage ist Geduld. Was über Jahre gefestigt ist, kann nicht von heute auf morgen beseitigt werden. Der Kinderarzt tritt deshalb nicht nur als Diagnostiker und Therapeut in Erscheinung, sondern auch als Aufklärer, der für eine vernünftige Einstellung gegenüber der Enuresis und für die nötige Geduld bei der Behandlung der Erkrankung wirbt.

In der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie der Universität Leipzig versucht man der Enuresis nocturna immer mehr auf den Grund zu gehen, um ihre Ursachen besser zu erkennen und davon abgeleitet zielgerichtete Therapien zu entwickeln. Den Experten geht es dabei besonders um den wissenschaftlichen Beleg für den Zusammenhang der ursächlichen Faktoren mit der Wahl der Therapiemethode. "Das ist die Behandlung der Zukunft", erklärt Prof. Rolf-Bode Tröbs, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie.

Das Bettnässen ist keineswegs eine Erkrankung, der man erst in der Gegenwart Bedeutung beimisst. Schon im Alten Ägypten hat man sich mit dieser Störung im Kindesalter beschäftigt und festgestellt, dass sie eine medizinische Behandlung erfordert. 1550 vor Chr. wurde das im Papyrus Ebers festgehalten.


weitere Informationen:
Prof. Ralf-Bodo Tröbs
und
Dr. Joseph Nounla
Telefon: 0341 97 703
E-Mail: joseph-n@foni.net
WWW: http://www.uni-leipzig.de/~kindchir/
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