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Wie die Eltern - so die Kinder?

10.01.2008 - (idw) Technische Universität Dresden

Psychologen der TUD entschlüsseln Entstehungsbedingungen bei Angsterkrankungen Aus heiterem Himmel auftretende Angstanfälle - oft verbunden mit Todesangst und der Befürchtung, eine Herzerkrankung zu haben - sind häufig Hauptmerkmale der wohl schwerwiegendsten Angsterkrankung: der Panikerkrankung. Mehr als drei Prozent aller Männer und sechs Prozent aller Frauen weltweit sind von dieser quälenden und komplikationsreichen Erkrankung betroffen. Die Angst vor diesen für Betroffene zumeist unerklärlichen Panikattacken führt nahezu immer zu gravierenden Folgeproblemen in Beruf und Alltag. Die Angst vor dem nächsten Anfall führt zur Vermeidung aller möglichen "normalen" Tätigkeiten. Bus, Auto, Einkäufe und Erledigungen außer Haus werden aus Angst vermieden, es könnte wieder ein solcher Anfall auftreten und man könne daran sterben. Allein die Vorstellung solcher Situationen führt nahezu immer zu sofortigen Angstreaktionen - ein Bild, das Kliniker als Agoraphobie oder Platzangst bezeichnen. Um die Angst vor der Angst zu mindern, werden Beruhigungsmittel eingenommen, die das Risiko einer Abhängigkeit mit sich bringen. Das Gefühl des Ausgeliefertseins führt zu Demoralisation und Verzweiflung, die nicht selten in eine schwere Depression münden.

Die Ursachen dieser Erkrankung waren bislang weitgehend unklar. In einer der weltweit größten familiengenetischen Studien an mehr als 3.000 Familien, deren Kinder bis zum 34. Lebensjahr beobachtet wurden, konnte nun eine Forschergruppe um Professor Hans-Ulrich Wittchen am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden nachweisen, dass die Panikstörung familiär gehäuft auftritt.
In der nächsten Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift "Depression and Anxiety" berichten die Psychologen, dass Kinder panikkranker Eltern ein 2-3-fach erhöhtes Risiko haben, ebenfalls eine Panik oder Agoraphobie zu entwickeln. Wenn zumindest ein Elternteil von einer Panik-Agoraphobie betroffen war, entwickelten 23 Prozent der Kinder auch eine Panikattacke, nicht belastete dagegen nur in 8,3 Prozent der Fälle. Zudem entwickeln Risikokinder die Panikerkrankung nicht nur häufiger, sondern auch wesentlich früher als Kinder aus unbelasteten Familien. Da ein früher Beginn mit einem schlechteren Verlauf verbunden ist, gilt dies als ein besonders kritischer Befund.

"Wir prüfen nun neben den möglichen genetischen Mechanismen vor allem die Frage, über welche elterlichen Verhaltensweisen im Umgang mit den Kindern diese außerordentliche Risikoerhöhungen zustande kommen" - so Professor Hans-Ulrich Wittchen. "Dies würde es uns ermöglichen, noch gezielter und vor allem früher präventiv - also bei den ersten Anzeichen - in das sich entwickelnde Krankheitsgeschehen einzugreifen". Bis derartige frühe Interventionen zum Einsatz kommen können, gilt es aber vor allem, den zumeist langjährig chronisch erkrankten Eltern besser als bisher zu helfen. "Denn erfolgreich behandelte Eltern sind die beste Prävention!" Nur weniger als jeder dritte Krankheitsfall wird derzeit in Deutschland auch im Versorgungssystem erkannt und angemessen behandelt. "Dies gilt es dringend zu ändern!", fordert Professor Wittchen, "denn mit der kognitiven Verhaltenstherapie steht eine hochwirksame Therapie zur Verfügung, die aber leider nur selten auch den Betroffenen bekannt ist und selten von spezialisierten Therapeuten angeboten wird. Um dies zu ändern, wird derzeit in einer bundesweiten Mulizenter-Studie mit Förderung des BMBF unter Leitung der TU Dresden an sechs Zentren an einer optimierten Paniktherapie geforscht.


Informationen für Journalisten:
Prof. Hans-Ulrich Wittchen, Tel. 0351 463-36985
E-Mail: wittchen@psychologie.tu-dresden.de

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