Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 19. Dezember 2014 

Zwischen Markt und Mission

31.01.2008 - (idw) Cologne Business School

Im Auditorium Maximum der Cologne Business School (CBS) stand im Rahmen des Studium Generale jetzt ein ganz besonderer Leckerbissen auf dem Programm: Erich Läufer, katholischer Theologe und lange Zeit Chefredakteur der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, hielt einen spannenden Gastvortrag zur Darstellung der Kirche in der Öffentlichkeit. Ein Prälat der katholischen Kirche auf dem Campus? Ein sicher nicht ganz alltägliches Ereignis, das aber genau dem Prinzip des Studium Generale entspricht, Studierenden den Blick über den Tellerrand zu ermöglichen, indem Inhalte vermittelt werden, die nicht im Lehrplan und schon gar nicht in Skripten und Downloads stehen. Vom ersten Moment an gelang es dem Gast, die jungen Leute, die in der vom rheinischen Katholizismus geprägten Stadt Köln International Business studieren, mit interessanten Fragen zu fesseln. Besteht die Pressearbeit der Kirche aus frommen Traktätchen oder ist sie ernst zu nehmen? Was versteht die Kirche von Marketing? Wie bewegt sie sich auf dem öffentlichen Markt, während sie zugleich einen Auftrag zu erfüllen hat? Und warum überhaupt sollte sie sich in den öffentlichen Kommunikationsprozess einbringen? Erich Läufer hatte viele Antworten auf solche, für seine Zuhörer ungewohnten, Fragen im Gepäck.

Die Beteiligung am öffentlichen Kommunikationsprozess ist ein unverzichtbarer Auftrag für die Kirche, "damit das Wort des Herrn seinen Lauf nimmt", wie schon im Neuen Testament zu lesen ist. Noch bis Anfang des vorigen Jahrhunderts konnte die Kirche sich auf einem Meinungsmonopol weitgehend ausruhen, aber im Zeitalter der Massenmedien gibt es unzählige Anbieter, die ihre Meinung in der Öffentlichkeit vertreten. Während sie sich manchmal noch nach den guten alten Zeiten zurücksehnen, mussten Kirchenvertreter unter Schmerzen lernen, dass sie sich in die öffentliche Kommunikation einbringen müssen, weil sie und ihre Sache sonst einfach außen vor bleiben. Schließlich ist ihre Botschaft keine magische Geheimlehre, die sich wie von selbst im Bewusstsein der Gesellschaft verankert.

Dabei steht die Kirche einer heterogenen Öffentlichkeit gegenüber, deren einzige erkennbare Kontinuität der Wandel ist, die nicht religiös geprägt und damit radikal von der Kirche verschieden ist. In einer Gesellschaft, in der jede Weltanschauung ihren Platz hat und keine öffentlich Verbindliches für sich reklamieren kann, ist die eigene Öffentlichkeitsarbeit "eine den Lebensnerv berührende Herausforderung für die Kirche", wie Erich Läufer es ausdrückt.

Die Kirche hat sich dem Phänomen einer medialen Öffentlichkeit zu stellen, die uns vermitteln möchte, was zeitgemäßes Denken ist. Wer feststellt, dass seine Meinung an Boden verliert, verfällt in Schweigen, während die so genannten "politisch Korrekten" die Medien erobern und so noch stärker wirken, als sie eigentlich sind. Noch hat die Kirche scheinbar nicht verstanden, dass die Medien selektieren, was öffentlich wird, und so unser Bewusstsein beeinflussen. "Wenn ein Bischof heute Mist erzählt, dann steht es sofort in der Zeitung", fasst Erich Läufer zusammen. "Wir müssen uns selbst Gehör verschaffen. Sonst dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Kirche aus der Öffentlichkeit verschwindet."

Dabei genüge es längst nicht, so Läufer, wenn Priester und Bischöfe in Talkshows auftreten. Das erhöhe nur die Distanz zwischen Amtsträgern und dem ganz normalen Katholiken. "Was hilft es, wenn Nonnen Interviews zum Thema Abtreibung geben? Da sollte man doch lieber Frauen fragen, die mit beiden Beinen in der Welt stehen."

Doch wie nun reagiert die Kirche auf die große Herausforderung, sich durch eigene Öffentlichkeitsarbeit in der massenmedial geprägten Gesellschaft Gehör zu verschaffen? Sie hat inzwischen längst erkannt, dass es noch viel zu wenig kompetente Journalisten gibt, die aktuelle Themen des Glaubens interessant aufbereiten und so erfolgreich sein können im scharfen Wettbewerb um Leser, Hörer und Zuschauer. Bis in die 60er Jahre hinein hat es gedauert, bis die Kirche begann, sich mit Medienarbeit zu beschäftigen. Dann aber fingen Bischöfe allmählich an, publizistische Kommissionen zu bilden, um Medientrends zu beobachten. Längst sind nicht mehr nur Kleriker, sondern auch Medienfachleute und Journalisten beteiligt. In München gibt es eine Zentralstelle für Medien, die Handlungsmodelle erstellt. "Einen Bischof muss man erst trainieren, bevor er in den Medien auftritt, damit er nicht so geschwollen redet", lacht Erich Läufer. Ebenfalls in München gibt es ein Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses, das pro Jahr etwa 40 gut ausgebildete Journalisten entlässt.

Nicht zuletzt durch ihre eigenen Printmedien versucht die Kirche, ihre Themen in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit insgesamt 130 Titeln und einer Gesamtauflage von sieben Millionen ist sie jedoch kein Presseriese. Eine kirchliche Tageszeitung gibt es bis heute nicht. Lediglich die "Tagespost" erscheint dreimal wöchentlich - alle anderen Printmedien sind Wochen- oder Monatszeitungen und Magazine. Dabei sind alle reine Abonnentenblätter, die nicht am Kiosk erhältlich sind. "Dieses Feld liegt einfach brach", bemängelt Zeitungsmann Läufer.

Den Kern der kirchlichen Presse bilden die 24 Titel der deutschen Bistümer. Die Kölner Kirchenzeitung beispielsweise, die der CBS-Gast wie seine Westentasche kennt, erscheint einmal pro Woche mit einer Stärke von 52 Seiten. Die regionale Zersplitterung der kirchlichen Medien führt ganz automatisch zu Problemen, finanzstarke Anzeigenkunden zu finden. "Da haben wir es eher mit Rheumadecken als mit Mercedes zu tun."

Nicht allein die Tatsache, dass Kirchenzeitungsabos an der Haustür verkauft werden, hat dazu geführt, dass Jahr für Jahr fast fünf Prozent weniger Leser eine Kirchenzeitung auf dem Wohnzimmertisch liegen haben. Zugleich nämlich schwindet die Zahl der Gläubigen, die regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen um etwa vier Prozent. Die Zielgruppe also wird merklich kleiner.

Zwischen Markt und Mission bleibt für Erich Läufer und seine Kollegen viel zu tun. Obwohl Kirchenzeitungen heute längst nicht mehr nur die Sprachrohre von Bischöfen sind, wie das Kölner Beispiel eindrucksvoll bewiesen hat, sondern interessante Medien, in denen kontroverse Meinungen diskutiert werden, hat sich die hohe Bedeutung der Medienarbeit noch nicht hinreichend durchgesetzt. Warum sonst gibt es immer mal wieder Debatten um eine Schließung der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) in Bonn? Ihre Arbeit sei teuer und aufwändig, meinen Kritiker. "Eine Schließung wäre fatal", weiß Erich Läufer, der die Zeichen der Zeit erkannt und der den Studierenden der CBS interessante Einblicke in ein spannendes Thema gewährt hat.


uniprotokolle > Nachrichten > Zwischen Markt und Mission
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/150737/">Zwischen Markt und Mission </a>