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Mit Betastrahlung gegen den Herzinfakt

03.04.2003 - (idw) Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

PTB-Kolloquium zu neuesten Entwicklungen in der Strahlentherapie

Herzinfarkt! Die gefürchtete Diagnose trifft vor allem Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen. Um sie dauerhaft zu erweitern, reicht eine Behandlung mit dem Ballon-Katheter oftmals nicht aus, sondern die aufgeweiteten Arterien müssen zusätzlich bestrahlt werden. Die entsprechenden Bestrahlungsmethoden - und dabei vor allem die messtechnischen Aspekte - sind das Thema eines Kolloquiums am 10. April um 14 Uhr im Hörsaal der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Über 100 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einer Verengung der Herzkranzgefäße. Ihnen kann mit der so genannten Ballon-Dilatation geholfen werden: Mit Hilfe eines Herzkatheters wird ein Ballon in die betroffene Arterie geschoben und an der Stelle des Verschlusses aufgeblasen. Allerdings verengt sich bei mehr als der Hälfte der Patienten ein solches Gefäß nach wenigen Monaten erneut. Um das zu vermeiden, führt man direkt nach der Aufweitung ein kleines Gerät in die Arterie ein, das an Ort und Stelle eine gezielte Dosis Betastrahlung abgibt. Diese Beta-Brachytherapie verhindert in bis zu 70 % der Fälle den erneuten Verschluss.

In dem PTB-Kolloquium berichtet Prof. Dr. Ulrich Quast vom radiologischen Zent-rum des Universitätsklinikums Essen über den Stand der Dinge in diesem hochaktuellen Bereich der Medizin und der Medizinphysik - unter anderem über die Suche nach den genauen Wirkungsmechanismen sowie über Kalibrierung und Dosimetrie der Strahler. Das Kolloquium findet anlässlich des 60. Geburtstages von Dr. Jürgen Böhm statt, der als einer der Pioniere der Betadosimetrie bezeichnet werden kann. Er entwickelte die später nach ihm benannte Böhm-Extrapolationskammer, die auch heute noch weltweit für präzise Beta-Dosismessungen im Strahlenschutz verwendet wird. Als 1979 beim Reaktorunfall in Three Miles Island (USA) erhöhte Strahlenbelastungen durch Betastrahlung die Öffentlichkeit beunruhigten, übernahm das amerikanische Schwesterinstitut der PTB, das NIST (National Institute of Standards and Technology) kurzerhand das Know-how der PTB samt Extrapolationskammer. Heute ist Jürgen Böhm Leiter der Abteilung "Ionisierende Strahlung" der PTB.


Fotos:
Im Internet (www.ptb.de unter Presse/Aktuelles > Presseinfos) finden Sie zwei Fotos zu dieser
Presseinfo, die Sie als größere Dateien (300 dpi) bei erika.schow@ptb.de bestellen können.
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