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Prof. Dr. Yifu Lin, designierter Chefökonom der Weltbank : Prof. Dr. Yifu Lin, designierter Chefökonom der Weltbank

19.02.2008 - (idw) Universität Hohenheim

Chinas führender Ökonom im Fachgespräch mit Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Hohenheim / Erster Pressetermin in Deutschland Seit 30 Jahren erfährt China ein jährliches Wachstum von durchschnittlich fast 10 Prozent - und dies könne die kommenden 30 Jahre so weitergehen. Diese Einschätzung teilten Prof. Dr. Yifu Lin, künftiger Weltbank-Chefökonom mit Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Hohenheim auf seiner ersten Pressekonferenz in Deutschland. Von Chinas Aufschwung könnten Deutschlands Wirtschaft und Arbeitsmarkt jedoch weiter profitieren, so auch die Einschätzung von Prof. Dr. Harald Hagemann, Experte für Beschäftigungspolitik der Universität Hohenheim. Voraussetzung sei allerdings, Deutschlands Stärken im Hochtechnologie-Bereich zu pflegen. Von den Chancen könnten auch Mittelständler profitieren, zum Beispiel in der hochentwickelten Umwelt-Technologie. Gefahren sieht der Ökonom vor allem für den Niedriglohn-Bereich (siehe auch Experten-Gespräch in separater Pressemitteilung).

Gemessen an Kaufkraft werde China bis 2030 der größte Wirtschaftsmarkt der Welt sein und die USA auf den zweiten, Europa auf den dritten Platz verweisen. Diese Prognose äußerte Chinas führender Wirtschafts-experte und designierter Chefökonom der Weltbank bei seinem heutigen Besuch an der Universität Hohenheim. Insgesamt hatte der Gründer des führenden Wirtschaftsforschungsinstitutes der VR China zwei Tage seiner viertägigen Deutschlandreise dem fachlichen Austausch mit Kollegen aus den Wirtschaftswissenschaften der Universität Hohenheim gewidmet.

"China, USA, Europa, Indien und Japan werden fünf Drachen sein, von denen keiner den anderen beherrscht", sagte Prof. Dr. Lin am Rande seines zeremoniellen Eintrags ins Gästebuch der Universität Hohenheim. Dabei spielte er auf den historischen Philosophen I-ching an, wonach es bedauernswert sei, ein alleinherrschender Drache zu sein.

China: bald schon Exportweltmeister

Als Herausforderungen für die chinesische Wirtschaft nannte er die ungleiche Einkommensverteilung, Chinas demographische Entwicklung, den andauernden Übergang in die Marktwirtschaft, Ressourcen-knappheit und mangelnden Umweltschutz.

Der deutschen Industrie riet er, das Wachstum als Chance zu sehen. "In China lassen sich mehr Porsches und Mercedes verkaufen, als in Deutschland." Auch das Szenario, dass China die deutsche Wirtschaft von Platz eins der Export-Statistik schon in diesem Jahr verdrängen könnte, sollten die Deutschen gelassen sehen: "Viele unserer Export-Güter stammen von deutschen Firmen, die in China produzieren und dazu deutsche Technologie importieren."

Chancen auch für den deutschen Mittelstand

Eine Einschätzung, die Prof. Dr. Hagemann, Experte für Globalisierung und Beschäftigung der Universität Hohenheim teilte. Dabei hätten zunehmend auch mittelständische Firmen Chancen: "China wächst vor allem in der Schwerindustrie - mit wenig Rücksicht auf Umwelt und andere Ressourcen. Mit der wachsenden Mittelschicht setzt hier jedoch ein Umdenken ein. Umwelttechnologie wird zunehmend nachgefragt - und dieses Feld wird stark von deutschen Mittelständlern dominiert, die im jeweiligen Segment international häufig Marktführer sind."

Den Industrienationen riet Prof. Dr. Hagemann, China weiter zu integrieren: China kann günstig produzieren, weil das Lohn-Niveau niedrig ist und weil es wenig Rücksicht auf den Kopierschutz von Patenten und den Umweltschutz nimmt. Hinzu kommt der Trick, dass China eine stark unterbewertete Währung hat, was ihre Exporte verbilligt. Dies traf übrigens auch für Deutschland in den 50er und 60er Jahren zu, was durch exportgetriebenes Wachstum unser Wirtschaftswunder verstärkte. Hier werden auf Dauer Grenzen des Wachstums liegen.

Rund 30 Jahre Expertise in deutsch-chinesischer Kooperation

Der Universität Hohenheim dankte Prof. Dr. Lin für den intensiven Austausch und die Rolle, die vor allem die Agrarwissenschaften in den vergangenen 30 Jahren als Pioniere der deutsch-chinesischen Wissenschafts-Kooperation geleistet haben. "Der Schlüssel gegen Armut und Hunger sind Willen, Innovation und Bildung. Dies hat uns auch die Universität Hohenheim gezeigt, deren Heimatregion vor 200 Jahren zu den ärmsten und nun zu den prosperierendsten Deutschlands gehört."

Interesse daran, die bisherige Zusammenarbeit auf wirtschaftswissenschaftliches Gebiet auszuweiten, zeigte auch der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig: "Gerade in den Wirtschaftswissenschaften ist China in den jüngsten Jahren zunehmend in unseren Fokus geraten - so etwa in Forschungsschwerpunkten wie dem Promotionsstudiengang Globalisierung und Beschäftigung."

In den Agrarwissenschaften habe die Universität Hohenheim das erste deutsch-chinesische Graduierten-Kolleg eingerichtet, koordiniere deutschlandweite deutsch-chinesische Forschungsprojekte und freue sich über die Berufung eines chinesischen Absolventen der Universität Hohenheim, der nun als Präsident an die Spitze von Chinas mächtiger Agraruniversität berufen worden sei. "Ein Erfolgsmodell, das wir auch gern auf die Wirtschaftswissenschaften erweitern würden", so der Rektor.

Text: Klebs

Zur Person: Yifu Lin

Prof. Dr. Justin Yifu Lin ist designierter Chefökonom der Weltbank und wird sein Amt im Mai 2008 antreten. Geboren wurde der jetzige Gründer und Leiter von Chinas führendem Wirtschaftsforschungsinstitut, dem "China Center for Economic Research" an der Universität Peking, am 15. Oktober 1952 in Taiwan. Dort studierte er erst Agrarwissenschaften an der Nationalen Universität Taiwan, brach das Studium jedoch ab, um eine militärische Laufbahn einzuschlagen. Seine jetzige Wahlheimat, die Volksrepublik China, erreichte er 1979 schwimmend von dem Militärposten einer kleinen taiwanesischen Insel aus - angeblich mit Hilfe von zwei Basketbällen. Die Regierung Taiwans erklärte ihn damals als vermisst und ein Jahr später für tot. In Peking erklomm Yifu Lin rasch den ersten Schritt auf seiner erfolgreichen Karriereleiter: Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Peking, lernte zügig Englisch, machte Bekanntschaft mit dem Ökonomen und Nobelpreisträger Theodore W. Schultz und erhielt dank dessen Unterstützung einen Promotionsplatz an der Universität Chicago, wo er 1986 den PhD in Economics erwarb. 1987 kehrte er nach China zurück, wurde 1993 Professor an der Universität Peking und gründete dort auch ein Jahr später das "China Center for Economic Research", das er seitdem leitet. Seine Rolle bei der Weltbank begann Prof. Dr. Yifu Lin 1993 als erfolgreicher Berater. Kürzlich hielt er die renommierten Marshall Lectures an der Universität Cambridge in England.


Kontaktadresse (nicht zur Veröffentlichung):
Prof. Dr. Harald Hagemann, Universität Hohenheim, Fachgebiet VWL insb. Wirtschaftstheorie, Tel.: 0711 459-23592, Fax: 0711 459-22598, E-Mail: hagemann@uni-hohenheim.de
Weitere Informationen: http://PRESSEFOTOS unter www.uni-hohenheim.de/presse
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